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Medizin

Kinder- und Müttersterblichkeit global gesunken

Freitag, 2. Mai 2014

dpa

Seattle – Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist seit 1990 in den meisten Ländern der Erde gesunken. Dies geht aus zwei Analysen der Global Burden of Disease Study 2013 hervor, die jetzt im Lancet veröffentlicht wurden. Die Autoren sehen einen günstigen Einfluss der Millenniumskampagne der Vereinten Nationen, deren Entwicklungsziele 4 und 5 jedoch nicht alle Länder erreichen werden.

Die Kinder- und Müttersterblichkeit sinkt in den meisten Ländern bereits seit den 1980er Jahren. Die Entwicklung hat sich jedoch seit 2000 beschleunigt, was die beiden Teams um Haidong Wang und Nicholas Kassebaum vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle auf die 2001 herausgegebenen Millennium-Entwicklungs­ziele der Vereinten Nationen zurückführen.

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Das Entwicklungsziel 4 sieht vor, dass die Sterblichkeit von unter Fünfjährigen im Zeitraum von 1991 bis 2015 um zwei Drittel (von 10,6 Prozent auf 3,5 Prozent) sinken soll. Für die Sterblichkeitsrate von Müttern wird sogar eine Reduktion um drei Viertel gefordert.

Wie die Berichte zeigen, könnte das Entwicklungsziel 4 erreicht werden. Wang ermittelt einen globalen Rückgang um 64 Prozent bis 2013, wobei allerdings der Vergleichs­zeitraum auf 1970 ausgedehnt wurde. Noch immer sterben weltweit jährlich etwa 6 Millionen Kinder vor dem 5. Geburtstag. Wenn die Entwicklung weiter anhält, könnte die Zahl bis 2030 aber auf 4 Millionen sinken, heißt es in der Pressemitteilung des IHME, das finanziell vor allem von der Bill & Melinda Gates Foundation getragen wird.

Das Entwicklungsziel 5 ist dagegen außer Reichweite. Laut Kassebaum sind 2013 etwa 290.000 Frauen während der Schwangerschaft, der Entbindung oder im Jahr danach gestorben. Im Jahr 1970 waren es noch etwa 375.000. Der Rückgang hat sich allerdings von 0,3 Prozent pro Jahr vor 2003 auf 2,7 Prozent pro Jahr in den Jahren danach beschleunigt, so dass auch hier die allgemeine Entwicklung positiv ist.

Für die Kinder sind die ersten Lebenstage die gefährlichsten. Im Jahr 2013 ereigneten sich fast 42 Prozent aller Todesfälle von unter 5-jährigen im ersten Lebensmonat. Die geringsten Überlebenschancen haben Kinder in Afrika südlich der Sahara. Hier befinden sich alle zehn Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit.

Auf der anderen Seite wurden die größten relativen Erfolge in den Entwicklungsländern erzielt. Zwei Drittel des globalen Rückgangs der Kindersterblichkeit sind auf neun Länder zurückzuführen, darunter die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde Indien und China sowie Äthiopien, Bangladesh, Indonesien, Pakistan, Brasilien, Afghanistan und Nigeria.

Höchste Kindersterblichkeit in Guinea-Bissau
Das Land mit der höchsten Kindersterblichkeit war 2013 Guinea-Bissau. Hier starben 150 von 1000 Kindern in den ersten fünf Lebensjahren. Die niedrigste Rate hatte Singapur mit 2 Todesfällen auf 1.000 Kinder. In Deutschland waren es 3,6 auf 1.000 Kinder, in Westeuropa insgesamt 3,9 auf 1.000 Kinder, in Osteuropa 6,7 auf 1.000 Kinder, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion 9,7 auf 1000 Kinder.

Die in den meisten Ländern günstige Entwicklung führt Wang auf politische Änderungen, höhere Gesundheitsausgaben, eine bessere Gesundheitsversorgung und in Afrika auch auf die Ausweitung der Therapieprogramme für HIV-Infektionen zurück.

Die Müttersterblichkeit ist vor allem auf Komplikationen bei der Geburt und in den ersten 24 Stunden danach zurückzuführen. Auf diese kurze Phase entfällt laut Kassebaum und Mitarbeitern ein Viertel aller Todesfälle. Ein weiteres Viertel der Todesfälle ereignet sich während der Schwangerschaft, die anderen im ersten Jahr nach der Entbindung. HIV-Infek­tionen sind im Afrika südlich der Sahara für 6,2 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, auf anderen Kontinenten sind sie eher selten. Der Anteil liegt unter 1 Prozent.

Sechzehn Länder – die meisten davon in Zentral- und Osteuropa – haben gute Chancen, das Entwicklungsziel 5 zu erreichen: Dies sind Albanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bosnien und Herzegovina, Weißrussland, China, Estland, der Libanon, Litauen, Lettland, Marokko, die Malediven, die Mongolei, der Oman, Polen, Rumänien und Russland. Am höchsten ist die Müttersterblichkeit im Südsudan, am niedrigsten in Island. In Deutschland sind Todesfälle von Müttern sehr selten. Die Publikation weist für 2013 insgesamt 46 Fälle auf (1990 waren es noch 146).

Kindersterblichkeit in den skandinavischen Ländern niedriger als in Deutschland
Deutschland kann mit dem Ergebnis (vor allem mit Blick auf die östlichen Nachbarn) einigermaßen zufrieden sein, auch wenn die Kindersterblichkeit in den skandinavischen Ländern niedriger ist. In Großbritannien ist die Situation nach Ansicht des in London herausgegebenen Lancet nicht zufriedenstellend. Dort sind 2013 insgesamt 3800 Kinder vor dem 5. Geburtstag gestorben. Die Kindersterblichkeit lag mit 4,9 pro 1.000 mehr als doppelt so hoch wie in Island.

Chefredakteur Richard Horton glaubt, dass die Ursachen komplexer Natur sind. Die schlechte Organisation der Gesundheitsversorgung für Kinder in England gehöre aber sicherlich dazu. Der Lancet zeigte sich in einem offenen Brief an die Regierung auch besorgt über den Anstieg der Lebensmittelpreise, die seit 2007 real um 12 Prozent gestiegen seien. Vor dem Hintergrund eines gleichzeitigen Rückgangs der Reallöhne um 7,6 Prozent hätten immer Familien nicht genügend Geld für gesunde Nahrung. © rme/aerzteblatt.de

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