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Medizin

Vesikorenaler Reflux: Antibiotika­prophylaxe verhindert Harnwegsinfektionen

Montag, 5. Mai 2014

dpa

Pittsburgh – Eine Antibiotikaprophylaxe hat in einer randomisierten placebokontrollierten Studie an Kindern mit vesikorenalem Reflux die Zahl der Rezidive einer Harnwegs­infektion halbiert. Ein Einfluss auf das Risiko von Nierenschäden war laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1401811) jedoch nicht erkennbar.

Ein Drittel aller Kinder mit einer febrilen Harnwegsinfektion hat einen vesikorenalen Reflux, mit dem die Erreger zum Nierenbecken aufsteigen und die Niere schädigen können. Der vesikorenale Reflux ist häufig Folge einer Fehlanlage der Ureteröffnung in der Blasenwand. Sie kann durch eine endoskopische oder offene Antirefluxplastik behoben werden.

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Die Indikation wird jedoch zurückhaltend gestellt, da sich der vesikorenale Reflux häufig in den ersten Lebensjahren auswächst. Die Regel ist deshalb eine langfristige Antibio­tika­prophylaxe, deren Evidenz jedoch umstritten ist. Nachdem frühere Studien zu keinen einheitlichen Ergebnissen führten, hat das US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases mit der „Randomized Intervention for Children with Vesicoureteral Reflux“ oder RIVUR-Studie eine definitive Antwort angestrebt.

An der Studie nahmen 607 Kinder im Alter von 2 bis 71 Monaten teil, bei denen ein vesikorenaler Reflux vom Grad I bis IV diagnostiziert worden war, nachdem sie das erste oder zweite Mal an einer Harnwegsinfektion erkrankt waren. Das Team um Alejandro Hoberman vom Children’s Hospital in Pittsburgh randomisierte die Kinder auf eine Therapie mit Trimethoprim–Sulfamethoxazol oder Placebo über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Primärer Endpunkt waren Rezidive der Harnwegsinfektion, die unter der Prophylaxe bei 39 von 302 Kindern und im Placebo-Arm bei 72 von 305 Kindern auftraten. Die Prophy­laxe senkte das Rezidivrisiko um 50 Prozent (Hazard Ratio 0,50; 95-Prozent-Konfidenz­intervall). Besonders effektiv war sie bei Kindern mit febrilen Harnwegsinfektionen. Bei ihnen wurde das Rezidivrisiko um fast 60 Prozent (Hazard Ratio 0,41; 0,26-0,64) gesenkt. Bei Kindern mit Störung der Blasen- und Darmfunktion zu Beginn der Studie ging das Rezidivrisiko sogar um fast 80 Prozent zurück (Hazard Ratio 0,21; 0,08-0,58).

Zu den Nachteilen der Antibiotikaprophylaxe gehört die hohe Rate von Resistenzen: Bei 63 Prozent der antibiotikabehandelten Kinder waren am Ende der Studie resistente Escherichia coli im Rektumabstrich nachweisbar gegenüber 19 Prozent im Placebo-Arm.

Kinder mit resistenten Keimen litten erwartungsgemäß am häufigsten unter Harnwegs­rezidiven. Außerdem gelang es nicht, eine protektive Wirkung auf die Nieren nachzu­weisen. Die Nierenszintigraphie zeigte am Ende der Studie bei 11,9 Prozent der Kinder im Antibiotika-Arm und bei 10,2 Prozent der Kinder im Placebo-Arm Hinweise auf eine Nierenvernarbung. Die Autoren führen dies auf die hohe Aufmerksamkeit der Eltern zurück, die im Rahmen der Studie darauf achteten, dass die Kinder bei einer Harnwegsinfektion sofort behandelt wurden. © rme/aerzteblatt.de

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