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Medizin

Studie: Obamacare senkt Mortalität

Dienstag, 6. Mai 2014

dpa

Boston – Eine Gesundheitsreform des US-Staates Massachusetts, die 2006 viele Aspekte des Affordable Care Act („Obama-Care“) vorwegnahm, hat bereits in den ersten vier Jahren nach In-Kraft-Treten die Sterberate der Bevölkerung signifikant gesenkt, wie jetzt eine Untersuchung in den Annals of Internal Medicine (2014; 160: 585-593) zeigt.

In den USA sind die meisten Erwachsenen über ihren Arbeitgeber krankenversichert. Wenn Sie ihren Job verlieren, stehen sie häufig ohne Versicherungsschutz da, zumal die Leistungen von Medicaid, der staatlichen Gesundheitsfürsorge für Arme, beschränkt sind. Erst im Rentenalter sind sie wieder über Medicare versorgt.

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Die „Massachusetts health care reform“ verpflichtet alle Einwohner des Bundesstaates, eine private Krankenversicherung abzuschließen, wobei eine speziell eingerichtete Behörde („Connector“) hoch subventionierte Policen vermittelt. Diese Reform trat im Jahr 2006 in Kraft.

Um die Auswirkungen zu untersuchen, hat das Team um Katherine Baicker von der Harvard School of Public Health in Boston die Entwicklung in Boston nach Einführung der Gesundheitsreform mit der in 513 Bezirken in anderen Bundesstaaten verglichen, deren Bevölkerungsstruktur der in Massachusetts glich.

Die Bezirke befanden sich in Staaten, in denen keine Gesundheitsreform durchgeführt wurde. Dieser Vergleich über die Staatengrenzen hinweg sollte verhindern, dass eine Senkung der Sterblichkeit auf andere Faktoren zurückzuführen war, etwa den Rückgang der Raucher oder die bessere Behandlung von Blutdruck oder Diabetes.

Die Forscher verglichen zum einen die Bevölkerungsgruppe der 20- bis 64-Jährigen, die in erster Linie von der Gesundheitsreform betroffen waren. Eine zweite Auswertung betraf die Senioren ab 65 Jahre, für die sich nichts geändert hat. Die Studie ergab, dass die Reform bereits im Zeitraum zwischen 2007 und 2010 Auswirkungen zeigte.

Denn während die Mortalität der Senioren sich nicht von der in anderen Bundesstaaten unterschied, kam es bei den Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter zu einem Rückgang der Mortalität um 2,9 Prozent im Vergleich zu den Jahren 2001 bis 2005 vor der Reform. Aufgrund der hohen Fallzahl von fast 150.000 Todesfällen fiel der Unterschied hoch signifikant (p = 0,003) aus.

Nach den Berechnungen von Baicker hat die Gesundheitsreform jedes Jahr in Massachusetts etwa 320 Todesfälle verhindert. Auf 830 Personen, die durch die Gesundheitsreform zusätzlich versichert wurden, kam ein vermiedener Todesfall (number needed to treat). Die Studie entspricht methodisch dem Stand der gegenwärtigen Forschung, auch wenn eine retrospektive Auswertung in einer nicht-randomisierten Studie nicht alle Verzerrungen ausschließen kann.

Die schnelle Auswirkung der Reform ist medizinisch plausibel. Der Verlust des Versicherungsschutzes führt in den USA häufig dazu, dass Patienten Medikamente nicht mehr einnehmen oder für kostspielige lebensverlängernde Operationen kein Geld haben. © rme/aerzteblatt.de

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