Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Fallpauschalen für Schwangere mit drohender Frühgeburt setzen Fehlanreize

Dienstag, 6. Mai 2014

Stuttgart – Werdende Mütter, bei denen eine Frühgeburt droht, sollten in stationärer Beobachtung bleiben und hier viel oder ausschließliche liegen. Die Deutsche Gesell­schaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt, die Schwangerschaft so lange wie möglich bis zum errechneten Geburtstermin aufrecht zu erhalten, damit eine Frühgeburt – wenn überhaupt – möglichst spät eintritt.

„Das prolongierende Vorgehen in der Geburtshilfe sollte medizinisch selbstverständlich sein, wir sind aber mit gegenteilig gesetzten Anreizen als Tendenz der Krankenkassen und der Selbstverwaltung konfron­tiert, die uns irritieren“, sagte Thomas Dimpfl, Präsident der DGGG und Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Kassel.

Die aktuelle Leitlinie zu „Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen“ empfehle beispielsweise bei der Präeklampsie ein abwartendes Vorgehen bei stationärer Beobachtung. Diese werde den Kliniken aber nicht sachgerecht vergütet. „Wenn die stationäre Aufnahme vor der Geburt nötig ist, dann erfolgt unabhängig von der Dauer nur eine pauschale Vergütung, erst nach sehr langer Zeit – zum Teil erst nach 30 bis 40 Tagen – erfolgt für die weitere Behandlung eine geringe tagesbezogene Kompensation“, sagte Matthias Beckmann, Leiter der Finanzierungskommission der DGGG und Klinikdirektor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen.

Schwangere, die ab der 24. Schwangerschaftswoche beobachtet werden müssten, würden häufig zu so genannten Langliegern, und obwohl die Maßnahme eindeutig sinnvoll sei, müsse das Klinikum dazuzahlen. „Wir fragen uns, ob damit nicht Fehlanreize gesetzt werden, die wir leicht vermeiden können“, sagte Beckmann. Ökonomische Anreize so zu setzen, dass Kinder möglichst kurz nach stationärer Aufnahme entbunden würden, und finanzielle Belohnungen für Frühgeburten seien der falsche Ansatz. „Hier benötigen wir eine Korrektur im System der DRG-Pauschalen“, fordert die DGGG. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.08.17
TK will für Operationen einheitliche Preise in Kliniken und Praxen
Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) dringt auf gleiche Preise für vergleichbare medizinische Eingriffe im Krankenhaus und in Arztpraxen. „Bei diesen Leistungen muss endlich der Grundsatz......
23.08.17
Stationsäquivalente psychiatrische Behandlung muss angemessen vergütet werden
Berlin – GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Verband der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) haben sich auf Regeln für eine stationsäquivalente psychiatrische Behandlung......
16.08.17
Qualitätsorientierte Vergütung gefährdet Fachkliniken
Freiburg – Leistungsstreichungen, Kürzungen diagnosebezogener Fallpauschalen und qualitätsorientierte Vergütungen durch „Pay-for-Performance-Modelle“: Die politischen Maßnahmen zur Umsetzung des......
07.08.17
Augen-Operateure favorisieren belegärztliche Versorgung
Düsseldorf – Eine belegärztliche Versorgung im Krankenhaus ist für Krankenkassen kostengünstiger als ein Eingriff, der in einer Hauptabteilung des Krankenhauses vorgenommen wird. Darauf hat der......
15.05.17
Krankenhausreform: „Die Qualitätsdiskussion ist vergiftet“
Berlin – Experten haben die Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) auf die deutsche Krankenhauslandschaft diskutiert. Bemängelt wurden vor allem diverse Aspekte des fallpauschalisierten......
11.05.17
„Wir müssen mit dem hohen Dokumentations­aufwand leben“
Trier – Ärzte sind in Krankenhäusern alltäglich einem vermehrten wirtschaftlichen Druck ausgesetzt. Der nimmt immer weiter zu. Grund ist nicht zuletzt das DRG-System, das entsprechende Anreize setzt.......
11.05.17
„Wir kommen um die Bürokratie nicht herum“
Essen – Der ökonomische Druck, den viele Krankenhausärzte in ihrem Alltag spüren, ist groß. Die Ursache dieses Drucks sind die Anreize des DRG-Systems, das Leistungsausweitungen sowie Einsparungen bei......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige