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Medizin

Plagio- Brachycephalie: Helmtherapie kann Schädelabflachung kaum beheben

Dienstag, 6. Mai 2014

Enschede – Die Helmtherapie, ein in den Niederlanden beliebter Versuch, eine Abflachung des Hinterkopfes des Säuglings infolge einer Rückenlage zu verhindern, hat in einer randomisierten klinischen Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g2741) keinen Nutzen erzielt.

Seitdem die Rückenlage des Säuglings als vorbeugende Maßnahme gegen den plötzlichen Kindstod (SIDS) empfohlen sind, häufen sich die Berichte der Eltern über eine Abflachung des Schädels am Hinterkopf, der einseitig (Plagiocephalie) oder beidseitig (Brachycephalie) auftreten kann. Als Gegenmaßnahme ist eine Helmtherapie im Gespräch. Dabei trägt der Säugling über ein halbes Jahr ganztägig einen Helm, der im weiteren Verlauf des Wachstums den Schädel wieder in die gewünschte Form bringen soll.

In den Niederlanden ist die Helmtherapie recht populär. Die Kosten, die sich auf mehr als 1.000 Euro pro Kind belaufen, wurden dort bis Anfang 2013 von der Krankenver­sicherung erstattet. Dies hatte zur Folge, dass ein bis zwei Prozent aller Säuglinge – etwa 4.000 pro Jahr – behandelt wurden, wie Renske van Wijk von der Universität Twente in Enschede und Mitarbeiter berichten.

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Die Popularität der Helmtherapie führte auch dazu, dass die niederländischen Forscher große Schwierigkeiten hatten, genügend Teilnehmer für ihre randomisierte kontrollierte Studie zu finden, mit der sie – erstmals – die Wirkung der Helmtherapie prüfen wollten. Von 403 angesprochenen Eltern waren nur 84 bereit, die Therapie und damit das (kosmetische) Wohl ihres Kindes dem Losverfahren zu überlassen: In der Studie trug die Hälfte der Säuglinge ab dem 5. bis 6. Lebensmonat bis zum ersten Geburtstag für ein halbes Jahr für 23 Stunden am Tag den Helm.

Bei 10 von 39 Säuglingen (26 Prozent) wurde eine Normalisierung der Kopfform erreicht, wie die sorgfältigen Vermessungen (Plagiocephalometrie) durch die pädiatrischen Physiotherapeuten ergaben. Dieser Erfolg ist nach Ansicht von van Wijk jedoch nicht auf die Helmtherapie zurückzuführen, denn auch in der Kontrollgruppe, wo die Säuglinge keinen Helm trugen, kam es bei 9 von 40 Säuglingen (23%) zu einer völligen Normalisierung.

Die Forscherin rät deshalb von der Helmtherapie ab, zumal sich viele Eltern damit herumquälten: Auch etliche Kinder litten unter Hautirritationen und dem verstärkten Schwitzen unter dem Helm. Nicht selten kam es zu unangenehmen Gerüchen und einige Mütter beklagten sich, dass der Helm die körperliche Nähe zum Baby behindere. Anderer­seits scheinen die Säuglinge mit dem Helm besser zu schlafen und weniger zu schreien.

Dass insgesamt nur ein Viertel der Kinder das Ziel erreichte, könnte nach Ansicht der Forscherin an den rigiden Zielvorstellungen gelegen haben. Einen Handlungsbedarf sieht van Wijk am ehesten bei Frühgeborenen, die von der Studie jedoch ausgeschlossen waren. © rme/aerzteblatt.de

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