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Medizin

Keine Abnahme der Frühge­borenen-Mortalität durch Fluco­nazol-Prophylaxe

Mittwoch, 7. Mai 2014

Durham – Die präventive Gabe des Antimykotikums Fluconazol scheint nach einer in JAMA veröffentlichten Studie nicht geeignet zu sein, Todesfälle durch invasive Candida Infektionen bei Frühgeborenen unter 750 Gramm zu verhindern. Zwar konnte die Arbeitsgruppe um Daniel Benjamin von der Duke University eine Abnahme der Pilzinfektionen beobachten, doch die Mortalität in der Experimental- und Placebogruppe war identisch (http://dx.doi.org/10.1001/jama.2014.2624).

Fluconazol findet in vielen Bereichen der Medizin Verwendung als Medikament zur Pilzprophylaxe. Es bietet jedoch in erster Linie einen Schutz vor Infektionen mit Candida albicans. Vor anderen Mykosen wie Aspergillus flavus, Candida krusei oder Candida labrata bietet es wenig oder keinen Schutz.

Für frühgeborene Kinder unter 1.000 Gramm existieren laut der Arbeitsgruppe Empfehlungen, die eine Prophylaxe nahelegen. Wegen potenzieller Nebenwirkungen bei Hochrisikopatienten, Resistenzbildung und Sicherheitsbedenken habe sich diese Prophylaxe jedoch auf vielen Intensivstationen im amerikanischen und europäischen Raum nicht durchgesetzt.

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Die Wissenschaftler randomisierten 361 Neugeborene unter 750 Gramm Geburtsgewicht von 32 amerikanischen Frühgeborenenstationen in eine Versuchs- und eine Placebo­gruppe. Die Versuchsgruppe erhielt zwei Mal wöchentlich eine Fluconazolprophylaxe mit 6mg/kg über 42 Tage.

Die Forscher verglichen das Outcome der Gruppen in Bezug auf mehrere sekundäre Endpunkte, die akute Komplikationen wie Pilzinfektionen, nekrotisierende Enterokolitis oder Retinopathien sowie neurologische Spätschaden im ersten bis zweiten Lebensjahr erfassten. Der primäre Endpunkt war die Entwicklung einer invasiven Candidainfekion beziehungsweise der Tod des Frühgeborenen.

Die Forscher konnten für die Entwicklung einer invasiven Candidainfektion zunächst eine signifikante Abnahme unter der Fluconazolprophylaxe feststellen (3 Prozent versus 9 Prozent, p= 0,02). Dennoch war die Sterblichkeit in beiden Behandlungsarmen identisch (14 Prozent) und auch beim primären Endpunkt zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Fluconazol- und der Placebogruppe (16 Prozent versus 21 Prozent , p= 0,24). Die Rate neurologischer Spätschäden wie Entwicklungsver­zögerungen, Blindheit oder Taubheit war in beiden Gruppen vergleichbar (31 Prozent versus 27 Prozent, p=0,6).

Die Arbeitsgruppe sieht auf Grund dieser Ergebnisse momentan keine Hinweise, eine generelle Fluconazolprophylaxe zu empfehlen. Eventuell könne sich auf Stationen mit einer hohen Rate an invasiven Candidainfektionen eine Prophylaxe lohnen, doch für eine breitere Anwendung müsse erst eine genauere Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen, so die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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