NewsPolitikWie Kliniken den Antibiotikaverbrauch senken können
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Wie Kliniken den Antibiotikaverbrauch senken können

Mittwoch, 7. Mai 2014

Berlin – Wie Kliniken den Antibiotikagebrauch durch einen gezielten Einsatz der Medikamente um fast ein Drittel senken können, hat ein Pilotprojekt am Universi­tätsklinikum Freiburg gezeigt, über das jetzt das Deutsche Zentrum für Infektions­forschung berichtet.

„Ein großes Problem ist derzeit vor allem der übermäßige Einsatz der sogenannten Cephalosporine der dritten Generation und der Fluorchinolone – Antibiotika, die sehr wirksam sind, deren hoher Verbrauch aber mehrere spezielle multiresistente Problem­keime in Kliniken nach sich ziehen kann“, erläutert Winfried Kern aus dem Klinikum. Kern forscht im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) im Bereich „Krankenhaus­keime und Antibiotika-resistente Keime“ und ist Initiator des deutschen Antibiotic-Stewardship-(ABS) Trainingsprogramms.

Er ist überzeugt, dass sich die Ausbreitung von Keimen wie Clostridium difficile, Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-Stämme oder widerstandsfähige gram-negative Bakterien mit Trainingsprogrammen für das ärztliche und das Pflegepersonal eindämmen lässt. Gemeinsam mit Katja de With, inzwischen am Universitätsklinikum Dresden, setzte Kern ein solches Programm in der Inneren Medizin des Universitätsklinikums Freiburg ein.

Anzeige

Es zielte darauf ab, den Verbrauch von Cephalosporinen und Fluorchinolonen zu reduzieren, während Kern und seine Mitarbeiter den Einsatz von Penicillinderivaten befürworteten. „Penicillinderivate sind erfahrungsgemäß weniger riskant für die Bildung der aktuell Besorgnis erregenden resistenten Erreger in Kliniken“, so der Studienleiter.

Das Programm setzte sich zusammen aus Informationen, Schulungen und Rückmel­dungen des Antibiotikaverbrauchs. Die internen Leitlinien wurden überarbeitet und die antiinfektöse Therapie auf intensivierten Visiten, Konsilen und Besprechungen thematisiert.

Die Wissenschaftler bestimmten den Verbrauch an Antibiotika im Vorfeld und während der Studie. Als Kontrolle dienten mehrere Abteilungen des Klinikums, auf denen das Programm nicht lief.

„Die Daten zeigten eindrucksvoll, dass das Programm nicht nur machbar, sondern auch sehr erfolgreich war“, freut sich Kern. Der Verbrauch der Cephalosporine und Fluorochinolone konnte um mehr als 30 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig stieg zwar der Verbrauch von Penicillinen an, das Programm führte jedoch insgesamt zu Nettoein­sparungen beim Antibiotika-Gesamtverbrauch und bei den Kosten. „Wir sehen in dieser Studie ein proof of concept; das Modell sollte – wenn es an einer Klinik der Maximal­versorgung funktioniert – auch auf andere Kliniken übertragbar sein“, ist Kern überzeugt.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Berlin – Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) kritisiert, dass Ärzte weiterhin zu viele Reserveantibiotika verordneten. „Die Verordnungen von Antibiotika der Reserve sind in den letzten
Zahl der Verordnung von Reserveantibiotika laut AOK-Institut deutlich zu hoch
14. September 2020
Berlin – Die Verordnungsrate von Antibiotika bei Atemwegserkrankungen lässt sich durch einen Maßnahmenmix senken. Dies zeigen heute vorgestellte Ergebnisse des Versorgungsprojektes RESIST. Generell
Verordnungsrate von Antibiotika durch RESIST gesunken
27. August 2020
Berlin – Bei der Diskussion um die Herstellung wichtiger Arzneimittel in Deutschland oder Europa schlägt der Verband Pro Generika eine europaweite Perspektive vor: Sie böte Kostenvorteile von bis zu
Gesamteuropäische Antibiotikaproduktion würde Kosten senken
18. August 2020
Stockholm – Der häufige Einsatz von Antibiotika, insbesondere solchen mit einem breiten Wirkungsspektrum, erhöht nach den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontrollstudie in
Studie: Antibiotikaeinsatz könnte entzündliche Darm­er­krank­ungen auslösen
30. Juli 2020
Berlin – Pharmaunternehmen und Großhändler haben im vergangenen Jahr 670 Tonnen Antibiotika an Tierärzte in Deutschland weitergegeben. Das waren 52,2 Tonnen oder 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Abgabe von Antibiotika in Tiermedizin sinkt weiter
28. Juli 2020
Columbus/Ohio – Eine Antibiotikabehandlung kann bei einer unkomplizierten Appendizitis häufig eine Operation vermeiden. In einer US-Studie blieben 2/3 der pädiatrischen Patienten im ersten Jahr nach
Antibiotika können 2 von 3 Operationen bei unkomplizierter Appendizitis vermeiden
22. Juli 2020
Bochum – An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entsteht in Zusammenarbeit mit dem Lead Discovery Center in Dortmund ein neues „Center für systembasierte Antibiotikaforschung“ (Cesar). Seit Mitte des
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER