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Medizin

Neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Angststörungen

Mittwoch, 7. Mai 2014

Berlin – Die Versorgung von Patienten mit Angststörungen verbessern soll eine neue interdisziplinäre S3-Behandlungsleitlinie. Patientenvertreter und Fachgesellschaften haben sie heute nach rund sechsjähriger Arbeit in Berlin vorgestellt.

Rund 15 Prozent der Bevölkerung erkranken in Deutschland im Verlauf eines Jahres an einer Angststörung. Werden sie nicht erkannt und richtig behandelt, kommt es häufig zu Chronifizierungen, oftmals mit längeren Krankschreibungen und Frühberentungen. Zudem besteht bei Angsterkrankungen ein erhöhtes Risiko für andere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Suchterkrankungen. Sie sind zudem mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden.

An der neuen Leitlinie haben 20 Gesellschaften mitgearbeitet, darunter Patienten­vertreter und Selbsthilfeorganisationen. Die neue S3-Leitlinie richtet sich an alle Berufsgruppen, die Patienten mit Angststörungen behandeln. Dazu gehören insbesondere Hausärzte, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie psychologische Psychotherapeuten.

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Trotz ihrer Häufigkeit werden Angststörungen laut den Fachgesellschaften in knapp der Hälfte der Fälle nicht erkannt und infolgedessen nicht fachgerecht behandelt. Deshalb will die neue S3-Leitlinie durch die Entwicklung transparenter und nachvollziehbarer Standards die Erkennung und Behandlung von Angststörungen für die verschiedenen Versorgungsebenen verbessern.

Die Leitlinie empfiehlt bei der Therapie von Angststörungen besonders auf den Wunsch des informierten Patienten einzugehen. „Besonders am Herzen liegt uns die Wahlfreiheit und die gemeinsame Entscheidung von Patient und Behandler über die Therapie, die zur Anwendung kommen soll“, sagte Jürgen Matzat, einer der Patientenvertreter, bei der Vorstellung der Leitlinie.

Psychotherapeutisch empfiehlt die S3-Leitlinie bei allen Angststörungen die kognitive Verhaltenstherapie, deren Wirksamkeit zahlreiche kontrollierte Studien nachweisen konnten. „Wir empfehlen in der S3-Leitlinie eine psychodynamische Psychotherapie, wenn sich eine kognitive Verhaltenstherapie nicht als wirksam erwiesen hat, nicht verfügbar ist, oder wenn dies der informierte Patient wünscht“, ergänzte Manfred Beutel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz.

Wegen ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit empfiehlt die S3-Leitlinie zur pharma­kologischen Therapie von Angststörungen in erster Linie Medikamente wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs).

In Fällen, in denen eine Psychotherapie oder eine pharmakologische Behandlung nicht ausreichend wirksam war, sollten Therapeuten die jeweils andere Therapieform oder eine Kombination von Psychotherapie und Pharmakotherapie anbieten. © hil/aerzteblatt.de

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