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Politik

Kinderärzte warnen vor schädlichen Umwelteinflüssen auf Kinder

Mittwoch, 7. Mai 2014

Berlin – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands (bvkj) hat heute auf die Gefahren hingewiesen, denen Kinder und Jugendliche durch Umwelteinflüsse ausgesetzt sind. Zwar habe sich einiges in den vergangenen Jahrzehnten verbessert, erklärte der Präsident des BVKJ, Wolfram Hartmann, im Vorfeld eines Politischen Forums zum Thema in Berlin. So werde in Wohnungen weniger geraucht, und der Ausstoß sowohl von Industrie- als auch von Autoabgasen sei zurückgegangen. Dafür seien jedoch neue Probleme hinzugekommen.

„Zahlreiche Häuser werden heute wärmegedämmt“, sagte Hartmann. Dadurch würden bestimmte Schadstoffe, wie Pentachlorphenol, in den Wohnungen bleiben. Wenn nicht richtig gedämmt werde, könne zudem die Luftfeuchtigkeit nicht mehr durch die Wand nach draußen transportiert werden, ergänzte der Pressesprecher des bvkj, Ulrich Fegeler. Die Folge seien feuchte Räume, in denen sich Schwarzschimmel bilde. „Wir erleben in unseren Praxen immer wieder, dass Kinder mit Atemwegserkrankungen zu uns kommen, in deren Wohnungen sich Schimmel an den Wänden gebildet hat“, sagte Fegeler. Hier seien die Baubehörden gefordert, als Aufsichtsämter dafür zu sorgen, dass die Wärmedämmung korrekt durchgeführt werde.  

Schadstoffbelastung in billigen Kleidungsstücken
Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen könne darüber hinaus auch durch die zunehmende Schadstoffbelastung in billigen Kleidungsstücken beeinträchtigt werden, betonte Hartmann. „Wir empfehlen Eltern heute, gebrauchte Kleidung zu kaufen, aus denen die Schadstoffe schon ausgewaschen sind.“

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Fegeler wies zudem auf die Verunreinigungen der Wohnungsluft durch elektromag­netische Strahlen hin, zum Beispiel durch Handys oder schnurlose Telefone. „Weil wir zu wenig über die Folgen dieser Strahlung wissen, empfiehlt sich es, Telefone mit einer sogenannten Öko-Schaltung zu verwenden, die nicht funken, wenn sie nicht gebraucht werden“, empfahl er.

„Ein anderes Problem betrifft Jugendliche“, erklärte Hartmann. Das zu laute Hören von Musik auf Kopfhörern schädige das Gehör: Bei bereits 40 Prozent der Jugendlichen funktioniere das Gehör heute nicht mehr einwandfrei – ein irreversibler Vorgang. Durch Lärm belastet seien zudem Kinder und Jugendlichen, die in der Nähe von Flughäfen und Bahnhöfen wohnen. „Bei Erwachsenen wissen wir, dass diese Lärmbelastung zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führt“, so Hartmann. Für Kinder und Jugendlichen lägen dazu keine Studien vor. Doch wenn Lärm Auswirkungen auf den Organismus von  Erwachsenen habe, habe er auch Auswirkungen auf den Organismus von Kindern und Jugendlichen.

„Primärprävention ist am sinnvollsten im Kindesalter“
Denn „Kinder sind in vielerlei Hinsicht besonders empfindlich: Ihr Organismus wächst noch und muss ausreifen. Das macht generell störanfälliger und ist leichter zu schädigen als der ausgewachsene Körper eines Erwachsenen“, sagte der bvkj-Präsident. „Wir wissen zu wenig über Spätfolgen, Anreicherungen und Wechselwirkungen, vielleicht sogar Potenzierungen von vielen Substanzen, die mit der Nahrung oder über die Atmung in den Körper gelangen.“ 

„Wir fordern die Politik auf, zeitnah etwas gegen schädliche Umwelteinflüsse zu unternehmen“, sagte Hartmann. „Im Moment habe ich aber leider nicht den Eindruck, dass Frau Merkel den Schwerpunkt ihrer Politik auf Kindergesundheit und gesunde Umwelt setzt.“

Auch in den vergangenen Jahren sei die Kindergesundheit von der Politik nicht so stark in den Fokus gerückt worden, wie es hätte sein müssen. Dabei könne durch eine gesunde Umwelt vieles verhindert werden, was heute immense Kosten verursache. „Primärprävention ist am sinnvollsten im Kindesalter“, betonte Hartmann. „Das Präventionsgesetz macht deshalb nur Sinn, wenn dabei primäre Prävention bei Kindern im Vordergrund steht. Denn das spart langfristig am meisten Kosten.“ © fos/aerzteblatt.de

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