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Medizin

Antipsychotika senken Kriminalitätsrate

Donnerstag, 8. Mai 2014

Oxford – Psychiatrische Patienten werden in den Zeiten, in denen sie antipsychotische Medikamente wie Clozapin oder Risperidon einnehmen, nur etwa halb so häufig straffällig wie in medikationsfreien Zeiten. Dies geht aus einer Analyse schwedischer Patienten- und Strafregister im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60379-2) hervor. Auch die Einnahme von Stimmungsstabilisatoren wie Lithium oder Carbamazepin hatte eine präventive Wirkung, die allerdings schwächer ausfiel und nur bei Patienten mit bipolaren Störungen nachweisbar war.

Patienten mit Psychosen geraten nicht selten mit dem Gesetz in Konflikt. Auslöser sind häufig Gewalttätigkeiten gegen andere Menschen. Besonders ausgeprägt ist das Problem in US-Innenstädten, wo einer früheren Studie zufolge nicht weniger als 28 Prozent der Patienten im ersten Jahr nach der Entlassung aus einer psychiatrischen Klinik wegen Gewalttätigkeiten verurteilt wurden.

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Auch in Schweden wurden 6,5 Prozent der 40.937 Männer, denen in den Jahren 2006 und 2009 Antipsychotika oder Stimmungsstabilisatoren verschrieben wurden, im gleichen Zeitraum wegen Gewalttaten verurteilt. Dazu gehörten Mord, Angriffe, Raubüberfälle, Brandstiftung, sexuelle Übergriffe, Drohungen oder Einschüchterungen. Bei den 41.710 Frauen, denen während der gleichen Zeit Antipsychotika oder Stimmungsstabilisatoren verschrieben wurden, betrug die Kriminalitätsrate zwar nur 1,6 Prozent, sie dürfte aber ebenfalls über dem Bevölkerungsdurchschnitt gelegen haben.

Durch einen Abgleich der Medikamentenverordnungen mit den Kriminalitätsstatistiken des Landes (der durch die einheitlichen Identifikationsnummern der Einwohner in allen Registern leicht möglich ist) konnte ein Forscherteam um Seena Fazel von der Universität Oxford ermitteln, dass Patienten, die ihre Rezepte eingelöst hatten, zu zwei Dritteln seltener straffällig wurden (Hazard Ratio HR 0,36; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,34–0,39). Der Effekt war sowohl bei den Stimmungsstabilisatoren (HR 0,32; 0,28-0,35) als auch bei den Antipsychotika (0,60; 0,54-0,65) signifikant – hier vor allem bei Clozapin (HR 0,10; 0,05-0,19), das bei therapieresistenten Psychosen eingesetzt wird.

Um mögliche Verzerrungen auszuschließen, verglich Fazel auch die Kriminalitätsrate bei einzelnen Patienten in den Phasen, in denen sie die Rezepte eingelöst hatten, mit denen, in denen sie die Therapie verweigert hatten: Auch diese Analyse zeigt, dass während der Einnahme der Medikamente (genauer der Rezeptierung) die Kriminalitäts­rate vermindert war. Die Reduktion war jedoch schwächer. Sie betrug bei Antipsychotika 45 Prozent (HR 0,55; 0,47-0,64), bei Clozapin 47 Prozent (HR 0,53; 0,16-1,74) und bei Stimmungsstabilisatoren 24 Prozent (HR 0,76; 0,62-0,93).

Die Einnahme der Medikamente senkte auch die Zahl der Drogendelikte und der weniger schweren Taten, die nicht zu einer Inhaftierung führten. Eine Wirkung war bei Patienten mit Schizophrenie (allerdings nur für die Antipsychotika) und bipolarer Störung (hier für beide Medikamentengruppen) nachweisbar.

Die Kombination von Antipsychotika und Stimmungsstabilisatoren hat die Wirkung nicht verstärkt. Die Verordnung von Depot-Präparaten könnte dagegen eine günstige Wirkung haben. In der Pressemitteilung des Lancet meinen die Autoren, dass Gewalttaten von Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen durch die Einnahme der Medikamente zu einem großen Anteil vermieden werden können. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #582750
M. Malone
am Freitag, 9. Mai 2014, 10:41

Eulen nach Athen tragen

Die Studie dokumentiert nur daß, was Ihnen jeder Psychiater, der langjährig mit
Psychotikern zu tun hat, bestäigen kann.
LNS

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