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Medizin

Neuer Wirkstoff verhindert Zytomegalie bei Stammzell­transplantation

Donnerstag, 8. Mai 2014

dpa

Dresden – Das neuartige Virostatikum Letermovir, das bei der Virusreplikation eine Verteilung der DNA auf die neu gebildeten Kapside verhindert, hat in einer Phase-II-Studie Patienten nach einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation vor einer Infektion mit Zytomegalieviren (CMV) geschützt. Der neuartige Wirkungsmechanismus verspricht laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2014; 370: 1781-1789) eine gute Verträglichkeit und schließt Kreuzresistenzen gegen andere Mittel prinzipiell aus.

CMV-Infektionen sind für den Menschen in der Regel ungefährlich, weil das Immun­system die Herpesviren leicht kontrolliert. Die Ausnahme sind Patienten mit schweren Immunschwächen. Zu ihnen gehören Patienten, die nach hämatopoetischen Stammzell­transplantationen vorübergehend ohne Immunsystem sind.

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Bei ihnen droht das Aufflammen einer vorbestehenden latenten Infektion, weshalb bei allen Patienten mit positivem Nachweis von Virusgenen eine CMV-Prophylaxe erfolgt. Am häufigsten werden Ganciclovir oder Valganciclovir eingesetzt. Beide sind jedoch hämatotoxisch, was die Erholung des Knochenmarks gefährden kann.

Gute Chancen, Ganciclovir oder Valganciclovir abzulösen, hat Letermovir. Der Wirkstoff des Herstellers AiCuris, einem Ableger von BayerHealthcare in Wuppertal, hat einen neuartigen Wirkungsmechanimus: Letermovir hemmt die virale Terminase. Dieses Enzym zerschneidet eine lange DNA-Kette, die das Erbgut für viele Einzelviren enthält, in kleine Abschnitte, die jeweils das Erbgut für ein einzelnes Virus enthalten und dann in die bereits vorgefertigten Viruskapside verfrachtet werden.

Aufgrund des neuartigen Wirkungsmechanismus sind keine Kreuzresistenzen mit den zugelassenen Medikamenten zu erwarten. Außerdem unterscheidet sich das Virus-Enzym stark von den Enzymen des menschlichen Körpers, was eine gute Verträglichkeit verheißt.

Dies machte sich auch in der Phase-II-Studie vermerkbar, deren Ergebnisse das Team um Gerhard Ehninger vom Universitätsklinikum Dresden jetzt vorstellt. Letermovir wurde dort an 131 Patienten in drei unterschiedlichen Dosierungen mit Placebo verglichen. Selbst unter der höchsten Dosierung kam es zu keinen nennenswerten Nebenwirkungen. Letermovir war frei von hämatologischen oder renalen Toxizitäten.

Die Verträglichkeit war mit Placebo vergleichbar. Dies würde im Prinzip die Möglichkeit für eine weitere Dosiseskalation eröffnen. Sie ist allerdings nicht notwendig, da es unter der höchsten in der Studie verwendeten Dosierung bei keinem Patienten zum Versagen der Prophylaxe kam. Aufgrund der Ergebnisse kann sich der Hersteller gute Chancen auf eine baldige Zulassung ausrechnen.

Die FDA hat bereits im August 2011 eine beschleunigte Bearbeitung („Fast Track“) zugesagt. Ein weiteres potenzielles Anwendungsgebiet wäre die Behandlung von kongenitalen CMV-Infektionen, wie der Editorialist Paul Griffiths vom University College London anmerkt. Gegen andere Herpesviren soll Letermovir nicht wirksam sein. © rme/aerzteblatt.de

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