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Medizin

Frühzeitige Menopause hat kognitive Auswirkungen

Donnerstag, 8. Mai 2014

Montpellier – Eine vorzeitige Menopause, egal ob krankheitsbedingt oder iatrogen induziert, hatte in einer prospektiven Beobachtungsstudie in BJOG (2014; doi: 10.1111/1471-0528.12828) kognitive Störungen zur Folge. Eine erhöhte Rate von Demenzerkrankungen war jedoch nicht erkennbar.

Viele Frauen klagen während der Wechseljahre über Konzentrationsstörungen und ein nachlassendes Gedächtnis. Ob es eine Folge des Alters ist oder durch die Hormonumstellung bewirkt wird, ist umstritten. Joanne Ryan vom Forschungsinstitut Inserm U1061 in Montpellier hat hierzu die Daten der französischen „3—Städte-Studie“ befragt, die seit 1999 eine Kohorte von über 9.000 Senioren aus Bordeaux, Dijon und Montpellier begleitet. Die Teilnehmer werden regelmäßig medizinisch untersucht. Darunter sind auch ausführliche kognitive Tests.

Ryan verglich die Ergebnisse von 4.868 Frauen, die genaue Angaben zum Beginn der Menopause machen konnten. Bei jeder achten hatten die Wechseljahre bereits vor dem 45. Lebensjahr begonnen. Die vorzeitige Menopause war in einigen Fällen durch eine bilaterale Ovariektomie oder eine andere medizinische Behandlung (Radio- oder Chemotherapie) induziert, bei anderen war kein Grund erkennbar.

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Die Folgen machten sich im Alter von 65 Jahren und danach in den kognitiven Tests bemerkbar. Der frühe Beginn der Menopause war zu 40 Prozent häufiger mit einer verminderten Sprachkompetenz (verbal fluency) assoziiert. Die Merkfähigkeit (visual memory) hatte sich doppelt so häufig verschlechtert wie bei Frauen mit einer Menopause um das 50. Lebensjahr herum. Die Reaktionsschnelligkeit (psychomotor speed) war zu 35 Prozent häufiger eingeschränkt, ebenso die Gesamtergebnisse der Testbatterie. Die Defizite hielten sich allerdings in Grenzen. Wie Ryan berichtet, war die Zahl der Frauen mit Demenzerkrankungen nicht erhöht.

Ein Fünftel der Frauen hatte während der Menopause eine Hormonersatztherapie begonnen. Die Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten waren jedoch begrenzt. Die Behandlung könnte die Merkfähigkeit verbessert haben, berichtet Ryan. Die Sprachkompetenz hätte sich dagegen eher verschlechtert. Einschränkend muss gesagt werden, dass eine prospektive Beobachtungsstudie die Wirksamkeit einer Therapie nicht beurteilen kann.

Dies ist nach allgemeiner Auffassung nur in einer randomisierten kontrollierten Studie möglich. Die negativen Auswirkungen auf die kognitive Funktion sollten nach Ansicht von Ryan jedoch bei der Indikationsstellung für eine bilaterale Ovariektomie bei jüngeren Frauen berücksichtigt werden. © rme/aerzteblatt.de

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