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Medizin

Können glutenfreie Diät und Gliadin-Impfung Typ 1-Diabetes vorbeugen?

Donnerstag, 8. Mai 2014

Kopenhagen – Seit 14 Jahren erforschen dänische Forscher den Einfluss des Klebereiweißes in Weizen und anderen Getreidearten auf die Entstehung des Typ 1-Diabetes. Jetzt haben sie zwei mögliche präventive Ansätze an Mäusen untersucht. Bei der einen müssten Frauen während Schwangerschaft und Stillzeit eine glutenfreie Diät einhalten, um ihre Kinder zu schützen. Eine ähnliche Wirkung könnte eine intranasale Immuntherapie der Säuglinge mit Gliadin in den ersten Lebensmonaten erzielen.

Fest steht, dass der Typ 1-Diabetes eine Autoimmunerkrankung ist. Angeregt durch Autoantikörper greift das Immunsystem die Beta-Zellen im Pankreas an und zerstört sie allmählich. Wenn die Zahl um 80 Prozent gefallen ist, kommt es zum Diabetes. Die Erkrankung manifestiert sich heute meist im Kindes- und Jugendalter. Die Weichen werden jedoch früher gestellt.

Dabei könnte das Immunsystem des Darms eine Rolle spielen, wie das Team um Karsten Buschard vom Bartholin Institut am Rigshospitalet in Kopenhagen vermutet. Viele Immunologen schreiben dabei den Bakterien, mit denen der Darm bald nach der Geburt besiedelt wird, eine wichtige Rolle zu. Schwangere können die Flora ihrer Kinder beeinflussen, wenn sie während der Schwangerschaft und der Stillzeit auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten.

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Die dänischen Forscher haben jetzt in einer Studie untersucht, welchen Einfluss eine glutenfreie Kost hat. Gluten ist der Auslöser der Zöliakie, die wahrscheinlich ebenfalls eine Autoimmunerkrankung ist und immunologisch mit dem Typ 1-Diabetes verwandt ist. Die Forscher ernährten deshalb die Muttertiere von NOD-Mäusen, die ein genetisches Diabetesrisiko haben, während der Schwangerschaft und der Stillzeit konsequent glutenfrei.

Wie sie kürzlich in Diabetes (2014; doi: 10.2337/db13-1612) berichteten, wurde dadurch die Darmflora beim Muttertier, aber auch bei ihrem Wurf verändert. Einige Bakterien wie Akkermansia oder Proteobacteria vermehrten sich gut, andere waren deutlich vermindert. Im Blut der Mäusekinder wiesen die Forscher eine erhöhte Zahl von sogenannten regulatorischen T-Zellen nach, die für die Immuntoleranz zuständig sind. Sie verhindert, dass sich Antikörper gegen Beta-Zellen bilden. Tatsächlich zeigen die Experimente, dass die Zahl der Diabeteserkrankungen bei den Mäusen vermindert wurde.

Eine ähnliche Wirkung hatte die gezielte Exposition mit Gliadin, das wie Gluten zum Klebereiweiß in bestimmten Getreidesorten gehört. Die in PLoS ONE (2014; 9: e94530) vorgestellten Versuchsergebnisse zeigen, dass eine intranasale Impfung mit Gliadin (merkwürdigerweise aber nicht mit Gluten) das Risiko der NOD-Mäuse, an einem Typ 1-Diabetes zu erkranken, signifikant senkte. Dabei wurden die gleichen regulatorischen T-Zellen gebildet wie bei einer Gluten-Diät der Mutter.

Ob die Diät beim Menschen erfolgreich wäre, wissen die Forscher nicht. Ihre Expe­rimente könnten jedoch die Grundlage für klinische Studien sein. Das Interesse an solchen Studien ist in Dänemark hoch. Dort hat die Zahl der Erkrankungen am Typ 1-Diabetes in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Inzidenz liegt mittlerweile bei mehr als 1 Prozent der Bevölkerung und ist damit höher als in den meisten anderen Ländern. © rme/aerzteblatt.de

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