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Ärzteschaft

Hausärzteverband: Politik stärkt hausarztzentrierte Versorgung

Sonntag, 11. Mai 2014

Ulrich Weigeldt /axentis

Dortmund – Mit einem Dank an die Bundesregierung aus Union und SPD für die Stär­kung der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, am Freitag die Delegierten­versammlung des Verbandes eröffnet. Die Regierung habe Wort gehalten und „den unseligen Absatz 5a aus dem § 73 b im Fünften Sozialgesetzbuch gestrichen“, erklärte Weigeldt vor rund 120 Delegierten und Gästen in Dortmund.

Die Regelung sah vor, dass sich die Honorare im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung an denen des Kollektivvertrags zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen orientierten. Höhere Honorare mussten durch Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden. „Ich bin stolz auf diesen Verband, der mit ruhigem, sachlichem aber stetigem Argumentieren die notwendige Überzeugungsarbeit geleistet hat“, sagte Weigeldt. Jetzt habe man vier Jahre lang Zeit, die Vorteile dieser Versorgung für die Patienten zu zeigen und Anreize zu setzen, um mehr junge Kolle­ginnen und Kollegen für den Hausarztberuf zu gewinnen.

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Kritik an Blockadehaltung einiger Krankenkassen
Außerdem gehe es nun darum, Verträge zur HZV, wie sie vor sechs Jahren erfolgreich in Baden-Württemberg und Bayern eingeführt wurden, auch in den anderen Bundes­ländern umzusetzen. Dort seien noch immer zahlreiche Schiedsverfahren anhängig. Außerdem blockierten nach wie vor einige Kassen Abschluss und Umsetzung der HZV-Verträge.

„Es ist schon ein Skandal, wenn Körperschaften des öffentlichen Rechts gesetzliche Vorgaben derart missachten“, kritisierte Weigeldt. Dennoch komme die HZV voran, vor allem wegen der bundesweiten Verträge mit der Techniker Krankenkasse und der IKK classic. Etwa acht Prozent des hausärztlichen Honorars würden inzwischen über die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft ausgezahlt. In Baden-Württemberg würden bereits 30 Prozent der über 65-Jährigen im Rahmen der HZV behandelt. Dort könne man über Flächendeckung reden.

Absage an KVen als Vertragspartner an Selektivverträgen
Eine Absage erteilte Weigeldt Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die KVen als Vertragspartner an Selektivverträgen wie der HZV zu beteiligen und positive Ergebnisse aus den Selektivverträgen in den Kollektivvertrag zu überführen. „Die HZV und die Facharztverträge sind nicht der Sandkasten des Kollektivvertrags­systems und unsere Patienten sind keine Versuchskaninchen“, sagte Weigeldt unter dem Beifall der Delegierten. Die HZV sei eine alternative Versorgungsform, die den Versicherten laut Gesetz flächendeckend anzubieten sei. Sie sei für Ärzte und Patienten freiwillig und die Honorare unterlägen keinen schwankenden Punktwerten.

In diesem Zusammenhang kritisierte Weigeldt auch die Mechanismen von KBV und KVen zur Bereinigung der Gesamtvergütungen für Selektivverträge sowie der Trennung der Honorartöpfe von Haus- und Fachärzten. Immer wieder werde die Honorartrennung zu Ungunsten der Hausärzte angepasst oder durch Vorwegabzüge unterlaufen. Hier werde man wohl gesetzliche Regelungen einfordern müssen, erklärte Weigeldt.

Interessenvertretung der Hausärzte in den Körperschaften stärken
Um die Interessenvertretung der Hausärzte in den Gremien von KBV und KVen zu stärken, forderte die Delegiertenversammlung die Bundesregierung auf, eine „paritätische und gleichberechtigte Besetzung der Ver­tre­ter­ver­samm­lungen und Gremien der KBV und KVen zwischen haus- und fachärztlicher Versorgungsebene unverzüglich umzusetzen“ und damit eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag zu realisieren. Dazu, so die Delegierten, gehöre auch das Recht jeder Versorgungsebene, über rein hausärztliche oder fachärztliche Belange selbstständig zu entscheiden.

Die KBV lehnt eine solche Trennung strikt ab, weil sie eine Spaltung der Ärzteschaft und damit deren politische Schwächung befürchtet. Sie will das Problem deshalb intern über eine Satzungsänderung lösen, was wiederum der Hausärzteverband ablehnt. Er zweifelt an der Fähigkeit des KV-Systems, „von innen heraus notwendige Verwaltungsstrukturen anzupassen und zu reformieren“.

Der Vorwurf, mit der Trennung der Fachgruppen spalte man die KBV, geht nach Ansicht von Hausärzte-Chef Weigeldt ins Leere. Die Spaltung stehe ja eher im Raum, wenn es weiterhin bei der Unterdrückung der hausärztlichen Interessen durch die fachärztlich dominierte Ver­tre­ter­ver­samm­lung bleibe. © HK/aerzteblatt.de

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