NewsMedizinGenvariante verbessert kognitive Fähigkeiten bei Mäusen und Menschen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Genvariante verbessert kognitive Fähigkeiten bei Mäusen und Menschen

Montag, 12. Mai 2014

dpa

San Francisco – Die Variante eines Gens, die bei Mäusen die Lebensspanne verlängert, scheint bei Menschen die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern, was Forscher in Cell Reports (2014; doi: 10.1016/j.celrep.2014.03.076) auf die vermehrte Bildung eines Rezeptors in Synapsen des Hippocampus zurückführen.

Im Jahr 1997 entdeckten japanische Forscher ein Protein, das Mäuse länger leben lässt. Sie tauften das Protein Klotho nach einer der drei Schicksalsgöttinnen der griechischen Mythologie, die den Lebensfaden spinnt (den die anderen beiden messen und abschnei­den). Das zugehörige Gen gibt es auch beim Menschen, und etwa ein Fünftel trägt die Variante KL-VS, mit der Mäuse länger leben.

Anzeige

Klotho wird in verschiedenen Organen exprimiert, darunter in Nieren, Plazenta, Dünn­darm und Prostata. Es scheint in den Organen unterschiedliche Funktionen zu haben. Eine verkürzte Form von Klotho ist auch im Blut nachweisbar. Im Alter nimmt die Produk­tion von Klotho generell ab. Das Team um Dena Dubal und Lennart Mucke vom Gladstone Institute in San Francisco hat jetzt die Auswirkungen von Klotho auf die kognitiven Funktionen untersucht, die ebenfalls im Alter abnehmen.

Zunächst verglichen sie die kognitiven Fähigkeiten von 711 Menschen im Alter von 52 bis 85 Jahren mit ihrem Genstatus. Es wurden Tests zum Gedächtnis, zur Aufmerk­samkeit, zur räumlichen Orientierung und zur Sprache durchgeführt. In allen drei Gruppen erzielten die Teilnehmer mit der Variante KL-VS die besten Ergebnisse.

Auch wenn keine formellen Intelligenztests durchgeführt wurden, scheinen die Träger der Variante KL-VS doch einen signifikant höheren IQ zu haben. Die Vorteile waren unabhängig von Alter, Geschlecht oder dem Apolipoprotein 4-Gen, dem wichtigsten genetischen Risikofaktor für die Alzheimer-Demenz.

Danach untersuchten die Forscher transgene Mäuse, die das Protein Klotho vermehrt produzieren. Auch sie scheinen intelligenter zu sein als ihre Artgenossen. In Labyrinthen fanden sie sich besser zurecht, in Tests zum räumlichen Lernen erzielten sie nach Aus­kunft von Dubal und Mucke doppelt so gute Ergebnisse.

Die Forscher analysierten daraufhin das Hirngewebe der Mäuse. Sie fanden hier Veränderungen in den Synapsen glutaminerger Neurone im Hippocampus, dem Gedächt­niszentrum des Gehirns. Die Kommunikation an diesen Synapsen wird unter anderem durch NMDA-Rezeptoren kontrolliert. Ein Bestandteil der NMDA-Rezeptoren ist die Untereinheit GluN2B.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass GluN2B an Lernvorgängen und Gedächtnisbildung beteiligt ist. Dubal und Mucke können jetzt zeigen, dass die Synapsen der transgenen Mäuse mehr GluN2B-Untereinheiten aufwiesen als die Synapsen in einer Kontrollgruppe anderer Mäuse.

Die Blockade der GluN2B-Untereinheit mit dem Antagonisten Ifenprodil schwächte die Lernfähigkeit und die Gedächtnisbildung der Tiere. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass das Protein Klotho die kognitiven Leistungen über einen Anstieg der GluN2B-Untereinheiten erhöht. Ob diese Erkenntnis, etwa durch die Gabe von Klotho, therapeutisch umgesetzt werden kann, ist unklar. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Oktober 2020
Saarbrücken – Die Aktivität der sogenannten Theta-Wellen im Gehirn lässt sich mittels eines Neurofeedback-Trainings gezielt steigern. Zudem kann ein mehrtägiges Training von Theta-Wellen das
Neurofeedback-Training könnte das Erinnerungsvermögen langfristig verbessern
14. Oktober 2020
Tübingen – Ablagerungen eines Proteins namens „Medin“ verringern die Elastizität von Blutgefäßen und sind daher ein Risikofaktor für vaskuläre Demenz. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen
Proteinablagerungen im Gehirn möglicherweise Risikofaktor für vaskuläre Demenz
30. September 2020
Genf – Eine transkranielle Wechselstromstimulation der linken Hörrinde, die eine Störung im EEG korrigieren soll, hat in einer experimentellen Studie in PLoS Biology (2020; DOI:
Dyslexie: Wechselstromstimulation verbessert Leseleistung
16. September 2020
Leipzig – Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig ist es gelungen, ohne einen operativen Eingriff ein einzelnes Areal im Gehirn sehr
Mit individuellem Rhythmus lassen sich gezielt Hirnareale hemmen
1. September 2020
Jülich/Düsseldorf – Eine digitale dreidimensionale Karte des Gehirns auf mikroskopischer Ebene haben Wissenschaftler aus Jülich und Düsseldorf im Rahmen des Human Brain Projects entwickelt. Die
Wissenschaftler präsentieren 3D-Atlas des menschlichen Gehirns auf Mikroebene
10. August 2020
Braunschweig – Eine Sepsis könnte auch nach der Genesung noch langfristige Auswirkungen auf das Gehirn und das Lernverhalten haben. Das legt eine Studie von Forschern der Technischen Universität
Sepsis könnte Gehirn langfristig schädigen
27. Juli 2020
Frankfurt – Beide Gehirnhälften des Menschen übernehmen während des Sprechens einen Teil der komplexen Aufgabe, Laute zu formen, die Stimme zu modulieren und das Gesprochene zu überprüfen.
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER