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Ausland

Kontroverse um Strahlenschäden nach Fukushima

Donnerstag, 15. Mai 2014

Das Atomkraftwerk in Fukushima dpa

Würzburg – Der Reaktorunfall im japanischen Fukushima vor drei Jahren hat bislang weder bei den Arbeitern auf der Anlage und den Ersthelfern, noch bei der Bevölkerung zu ernsthaften akuten strahlenbedingten Gesundheitsschäden geführt. Besonderer Beobachtung im Rahmen von Vorsorgeprogrammen bedürfen allerdings diejenigen Arbeiter, die verhältnismäßig hohe Strahlendosen erhalten haben. Die atomkritische Organisation IPPNW hatte dagegen bereits auf einen erhöhte Zahl an Schilddrüsen­krebsfällen hingewiesen.

Das berichtete eine Delegation aus Japan bei der 14. Internationale, „REMPAN-Tagung“ der Welt­gesund­heits­organi­sation in Würzburg. Das „Radiation Emergency Medical Preparedness Network“-Netzwerk widmet sich der medizinischen Vorsorge und Behandlung bei Strahlenunfällen. Deutschland wird im REMPAN-Netzwerk seit dem Jahr 2005 durch ein an der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Würzburg etabliertes Kollaborationszentrum vertreten.

Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde im Vergleich zu Fukushima eine etwa zehnfach höhere Radioaktivitätsmenge freigesetzt. Hier kam es mit einer Latenzzeit von vier bis fünf Jahren bei Kindern der betroffenen Bevölkerung zu einem Anstieg von Schilddrüsenkrebs.

Gegenmaßnahmen frühzeitig ergriffen
„Im Gegensatz zu Tschernobyl wurden in Fukushima rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen, wie die Evakuierung der Bevölkerung und die Kontaminationskontrolle der Nahrung. Daher wird das Risiko für einen Anstieg von Schilddrüsenkrebsfällen bei japanischen Kindern derzeit als äußerst gering eingeschätzt“, berichtet der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, Christoph Reiners. Dennoch habe Japan ein Vorsorgeprogramm für 360 000 Kinder aufgelegt, das Schilddrüsenveränderungen frühzeitig erkennen soll.

Diese Darstellung der japanischen Delegation widerspricht anderslautenden Ein­schätzungen, wie sie die atomkritische Organisation IPPNW vertritt: „Bei 47 Prozent der untersuchten Kinder in der Präfektur Fukushima wurden Schilddrüsenknoten und -zysten gefunden. Bei 33 Kindern stellten die Ärzte jetzt schon Schilddrüsenkrebs fest und mussten die Schilddrüse operativ entfernen, 42 weiteren Kindern mit akutem Krebsverdacht steht eine solche Operation noch bevor“, berichteten die Atomkritiker Anfang April.

Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle besorgniserregend hoch
Diese Zahlen entsprächen einer Häufigkeit von 13,0 pro 100.000 Kindern. Vor Fukushima habe die jährliche Zahl der Neuerkrankungen in Japan bei 0,35 pro 100.000 Kindern gelegen. „Die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle in Fukushima sind somit besorgniserregend hoch“, so die IPPNW-Einschätzung. © hil/aerzteblatt.de

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