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Medizin

Antidepressivum bremst Bildung von Alzheimer-Amyloiden

Donnerstag, 15. Mai 2014

Struktur des Beta-Amyloid-Beta-Peptid /Ayacop

Philadelphia – Können Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme­hemmer (SSRI) die Entwicklung eines Morbus Alzheimer verhindern? Eine Studie in Science Translational Medicine (2014; 6: 236re4) zeigt, dass die Behandlung mit einem handelsüblichen Präparat die Bildung von Amyloid-Ablagerungen im Gehirn verlangsamt. Bei gesunden Menschen kam es nach einmaliger Gabe zu einem Abfall der Amyloide im Liquor. Klinische Studien stehen noch aus.

Yvette Sheline von der Perelman School of Medicine in Philadelphia untersucht bereits seit einigen Jahren den Einfluss des Neurotransmitters Serotonin auf die Pathogenese des Morbus Alzheimer, zu dessen Kennzeichen die Bildung von Beta-Amyloiden im Gehirn gehört.

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Vor drei Jahren konnte sie zeigen, dass eine Dauerbehandlung von transgenen Mäusen (mit einer angeborenen Veranlagung zur Alzheimer-Erkrankung) mit dem seit 1988 zugelassenen SSRI Citalopram – er steigert die Konzentration von Serotonin in Gehirn – die Bildung von Beta-Amyloiden im Gehirn um die Hälfte vermindert. Und bei Patienten, die über Jahre mit SSRI behandelt worden waren, wurden in der Positronen-Emissions-Tomographie verminderte Signale von Pittsburgh Compound B gefunden, das Beta-Amy­loid im Gehirn markiert (PNAS 2011; 108: 14968-73).

Für die aktuelle Studie hat Sheline ältere Mäuse behandelt, die bereits Plaques im Gehirn hatten. Mit einem sogenannten Multiphotonenmikroskop konnte sie die Entwick­lung der Plaques am lebenden Tier verfolgen. Unter der Therapie mit Citalopram kam es zu einem Wachstumsstopp bereits existierender Plaques und die Bildung neuer Plaques wurde um 78 Prozent vermindert.

In einem zweiten Experiment nahmen 23 gesunde Menschen im Alter von 18 bis 50 Jahren einmalig 60 mg Citalopram ein. Dies führte zu einem Rückgang der Amyloid beta-Konzentration im Liquor um 38 Prozent innerhalb der nächsten 37 Stunden im Vergleich zu Placebo.

Die Studie belegt damit, dass SSRI die Produktion von Beta-Amyloid im Gehirn vermin­dern könnten. Ob dies auf Dauer die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz aufhalten kann, ist jedoch ungewiss. Die Forscherin rät dringend von Eigenversuchen ab (schon gar nicht in der hohen Dosis).

Eine „heilende“ Wirkung bei bereits erkrankten Menschen sei ohnehin unwahrscheinlich, da SSRI in den Experimenten nur die Produktion von Beta-Amyloiden verminderte. Bereits vorhandene Ablagerungen wurden nicht abgebaut. Die Forscher planen jetzt weitere präklinische Experimente, um den Wirkungsmechanismus zu verstehen. Außerdem soll eine kleinere Gruppe von älteren Menschen über zwei Wochen versuchsweise behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

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