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Medizin

Rauschtrinken schädigt Darmbarriere

Freitag, 16. Mai 2014

dpa

Worcester – Rauschtrinken führt nicht nur zu hohen Alkoholkonzentrationen im Blut. Eine Studie in PLoS ONE (2014; 9: e96864) dokumentiert auch auch eine Störung der Darmbarriere für bakterielle Gene und Endotoxine, die zu einer Immunreaktion führen mit potenziell negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Suchtverhalten.

Das US-National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism definiert Rauschtrinken (Binge drinking) als die orale Aufnahme von Alkohol in einer Menge, die die Blutalkohol­konzentration innerhalb von zwei Stunden auf über 0,08 g/dl erhöht. Dies ist gewöhnlich bei Männern nach fünf oder mehr alkoholischen Getränken und bei Frauen nach vier oder mehr alkoholischen Getränken der Fall.

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Für die Studie von Gyongyi Szabo, University of Massachusetts Medical School in Worcester, tranken 25 gesunde Probanden 40-prozentigen Wodka (mit Fruchtsaft gemischt) in der Dosis von 2 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Sie erreichten damit bereits nach 60 Minuten die (ungefähre) 0,8 Promillegrenze. Szabo interessierte sich indes weniger für den Blutalkohol als für Substanzen, die mit dem Getränk aus dem Darm in die Blutbahn eingeschwemmt wurden.

Dazu gehören offensichtlich Bakterien, denn die Blutanalysen belegen einen Anstieg sowohl von Lipopolysacchariden (LPS) als auch von ribosomaler DNA bakterieller Herkunft (16S rDNA). LPS stammt ausschließlich aus der Zellmembran gramnegativer Bakterien, während 16S rDNA ein Bestandteil fast aller Bakterien ist.

Die Befunde lassen sich über eine Barrierestörung der Darmschleimhaut erklären, die offenbar durch das alkoholische Getränk ausgelöst wurde. Der Übertritt von Bakterien oder deren Bestandteilen ins Blut hat zwar keine klinisch relevante Bakteriämie zur Folge. Die LPS lösen als Ligand des Toll-like Rezeptors 4 jedoch eine unmittelbare Reaktion des angeborenen Immunsystems aus, die nicht ohne Folgen bleibt.

Szabo weist im Blut der Probanden einen Anstieg der akuten Phase-Proteine LBP und CD14 nach. In den Abwehrzellen werden vermehrt inflammatorische Zytokine wie Tumornekrosefaktor alpha gebildet. Sie kann Szabo in in vitro-Experimenten zeigen, in denen er die Abwehrzellen im Reagenzglas mit LPS in der Konzentration exponierte, wie sie durch das Rauschtrinken bei den Probanden im Blut erzeugt wurden.

Der Eintritt von LPS könnte zweierlei Auswirkungen für die Rauschtrinker haben. Zum einen könnte LPS (und wahrscheinlich noch andere Bestandteile der Bakterien) über die Immunreaktion die Leber schädigen und die Entwicklung von alkoholischer Hepatitis oder Zirrhose fördern. Zum anderen könnte die Entzündungsreaktion auch die Entwicklung einer Abhängigkeit fördern. Szabo verweist hier auf tierexperimentelle Studien, in denen Mäuse mit fehlender Immunreaktion auf LPS weniger Interesse am Alkoholkonsum zeigten. © rme/aerzteblatt.de

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