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Prostatakrebs: Hormontherapie kann warten

Freitag, 16. Mai 2014

Prostatakarzinom: Mikroaufnahme Vergrößerung 80:1 /dpa

Boston – Prostatakrebspatienten müssen nicht sofort mit einer Hormontherapie beginnen, wenn es nach einer radikalen Prostatektomie oder Radiotherapie zu einem PSA-Rezidiv gekommen ist. Eine Datenbank-Analyse, die auf dem diesjährigen Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology vorgestellt wird, ergab, dass ein Hinauszögern des Therapiebeginns bis zum Auftreten von Symptomen die Überlebenszeiten nicht verkürzt.

Der Wiederanstieg des PSA-Werts bedeutet beim Prostatakarzinom, dass die Krebstherapie ihr kuratives Ziel nicht erreicht hat. Die meisten Patienten wünschen dann die sofortige Fortsetzung der Therapie, die in dieser Situation in einer Hormontherapie besteht. Der Androgenentzug kann das Wachstum des Tumors vermindern, den Krebs jedoch nicht besiegen.

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Die Therapie ist problematisch, da Patienten mit einem PSA-Rezidiv oft noch über Jahre symptomfrei bleiben, durch die Hormontherapie jedoch erhebliche Einschränkungen erleiden. Neben Hitzewallungen und Schweißausbrüchen kommt es in der Regel auch zum Verlust von Libido und Potenz.

Es besteht deshalb die Tendenz, den Beginn der Therapie um etwa zwei Jahre hinauszu­zögern oder solange abzuwarten, bis die PSA-Werte stark angestiegen sind (kurze PSA-Verdopplungszeit) oder erste Symptome aufgetreten sind. Die Gefahr, dass die Verschiebung der Hormontherapie das Leben des Patienten verkürzt, ist nach den Erfahrungen des Patientenregisters CaPSURE (Cancer of the Prostate Strategic Urologic Research Endeavor) gering.

CaPSURE umfasst mehr als 14.000 Patienten mit einem Prostatakarzinom, von denen 2.012 nach einer radikalen Prostatektomie oder Radiotherapie in kurativer Absicht ein PSA-Rezidiv erlitten hatten. Die Patienten wurden nach dem Rezidiv median über 41 Monate beobachtet. Wie Xabier Garcia-Albeniz von der Harvard School of Public Health in Boston und Mitarbeiter zeigen, hat sich während dieser Zeit die Entscheidung, den Therapiebeginn hinauszuschieben, nicht ungünstig auf die Überlebenskurve ausgewirkt.

Die errechnete 5-Jahresüberlebensrate war bei einem späteren Beginn der Hormontherapie mit 87,2 Prozent sogar etwas höher als nach einem sofortigen Therapiebeginn. Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (Hazard Ratio 1,06; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,59-1,89). Auch die prostatakrebsspezifische Mortalität war nach einer sofortigen Hormontherapie tendenziell höher (Hazard Ratio 1,48; 0,69-3,16). Dies könnte darauf hindeuten, dass bei einem sofortigen Therapiebeginn infolge der unvermeidlichen Resistenz im späteren Stadium die Optionen ausgeschöpft sind.

Wie immer bei der Analyse von Patientenregistern lassen sich Verzerrungen nicht völlig ausschließen. So bleibt es möglich, dass die Ärzte Patienten mit schlechterer Prognose früher zu einer Hormonbehandlung raten, ohne dass sich diese Entscheidung in ihren Angaben im Patientenregister niederschlägt. Eine definitive Klärung wäre nur durch randomisierte klinische Studien möglich.

Der Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology findet in diesem Jahr vom 30. Mai bis 3. Juni in Chicago statt. Die Organisatoren haben die Abstracts bereits vorweg im Internet veröffentlicht. Die Pressemitteilung hebt die Ergebnisse einiger Studien hervor. Dazu gehört eine Phase-I-Studie zu dem EGFR-Inhibitor AZD9291, der bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom eine neue Option sein könnte.

Eine weitere Innovation ist PLX3397, das bei der pigmentierten villonodulären Synovialitis, einer seltenen neoplastischen Gelenkerkrankung, wirksam ist. Weitere Themen sind die Kosteneffektivität eines Lungenkrebsscreenings und der Einfluss des Body-Mass-Index auf die Überlebensrate von prämenopausalen Patientinnen mit rezeptorpositivem Mammafrühkarzinom. © rme/aerzteblatt.de

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