Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hecken: „Allein durch Gründung eines neuen Qualitätsinstituts wird sich überhaupt nichts ändern“

Montag, 19. Mai 2014

Josef Hecken /Lopata

Köln – Wer geglaubt hatte, die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zur Gesundheits­politik mit zahlreichen Aufgabenzuweisungen an den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA), würden vom unparteiischen Vorsitzenden des G-BA, Josef Hecken, dankbar und kritiklos entgegengenommen, sah sich bei der MCC-Tagung „Qualität im Krankenhaus“ am 19. Mai in Köln eines Besseren belehrt.

„Die Gedanken, die sich die Politik gemacht hat, sind teilweise richtig, teilweise sind sie aber auch so, dass ich davon ausgehe, dass ich sie in der mir noch verbliebenen Amtszeit von gut vier Jahren als Vorsitzender des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses  in ihren Ergebnissen nicht mehr erleben werde“, stellte Hecken zunächst fest. Grund­sätzlich habe man beim Lesen des Koalitionsvertrags den Eindruck, die Politik sei der Auffassung, „wir müssten uns jetzt auf dem Niveau von Kongo-Brazzaville  zum ersten Mal Gedanken über Qualitätssicherung machen“.

Ganz vorne unter den neuen Aufgaben steht für Hecken die Gründung des neuen Qualitätsinstituts. Es gehe um eine Verstetigung der bisher von AQUA wahrgenommenen Aufgaben ohne den vierjährigen Ausschreibungsmodus. Wie beim IQWiG solle hier eine auf Dauer angelegte Einrichtung mit verlässlichen Strukturen geschaffen werden. Der G-BA-Vorsitzende warnt aber eindringlich:  „Allein durch die Gründung des neuen Qualitätsinstitutes wird sich überhaupt nichts ändern.“

Zunächst einmal müsse im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss selbst eine andere Diskussionskultur über die Notwendigkeit, die Grenzen und den Rahmen von Qualitätssicherung  herbeigeführt werden. „AQUA hat teilweise die Prügel eingesteckt, hat Aufträge nicht abgenommen bekommen, weil die Aufträge des G-BA – aufgrund von Uneinigkeit zwischen den Bänken, was man denn eigentlich messen wollte, was man denn eigentlich haben wollte - so unpräzise formuliert waren, dass selbst ein Philosoph kein befriedigendes Resultat hätte fertigen können. Wir müssen zu klaren Unter­suchungs­aufträgen kommen.“ Anderenfalls werde das neue Qualitätsinstitut die gleichen Probleme wie AQUA bekommen.

Keine Studie kann die Wirkung Pay per performance nachweisen
Auch der im Koalitionsvertrag genannten qualitätsorientierten Vergütung mit Zu- und Abschlägen kann Josef Hecken wenig Positives abgewinnen. Er verweist auf Groß­britannien, wo man vor wenigen Jahren probiert habe, pay for performance in der hausärztlichen Versorgung einzuführen. „Das Ergebnis war, dass nach drei Jahren alle britischen Hausärzte beim Einkommen in der Spitzengruppe waren, die Versorgung der Patienten sich aber nicht verbessert hatte.“  

Hier sei sehr viel Geld investiert worden, ohne dass am Ende der Gesundheitszustand der Patienten verbessert worden sei. „Wir haben bis heute keine einzige Studie, in der die Wirkung von pay for performance belastbar über einen längeren Zeitraum nachgewiesen werden konnte.“

Eine Förderung exzellenter Versorgungsqualität und Sanktionierung anhaltend defizitärer Versorgungsqualität ließe sich nur auf der Basis einer risikoadjustierten sektoren­übergreifenden Qualitätsmessung realisieren, betonte Hecken. Weil es aber die elektronische Gesundheitskarte nicht gebe, bestehe heute noch nicht einmal die Möglichkeit, einen Marker anzubringen für eine sektorenübergreifende Nachverfolgung der Patienten. © TG/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.09.17
Fachgesellschaften und Barmer plädieren für Mindestmengen ohne Klinikschließung
Berlin – Die Qualität an deutschen Krankenhäusern könnte besser sein. Die Voraussetzung dafür: mehr Mindestmengen bei schwerwiegenden und seltenen Erkrankungen, die Einrichtung von Zentren für......
04.09.17
Dokumentationsbogen soll bei Begrenzung intensiv­medizinischer Maßnahmen helfen
Berlin – Eine Hilfestellung zum ethisch und rechtlich angemessenen Umgang mit Therapiebegrenzungen auf der Intensivstation haben die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und......
23.08.17
Petitionen für mehr Pflegepersonal in Bremen gestartet
Bremen – Die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest haben in Bremen jeweils eine Petition zum Thema Personalbemessung in der Kranken- und Altenpflege ins......
18.08.17
G-BA beschließt jährliche Strukturabfrage für perinatologische Einrichtungen
Berlin – Perinatologische Einrichtungen, dazu gehören Perinatalzentren und Häuser mit perinatalem Schwerpunkt, werden künftig jährlich befragt, ob sie die qualitätssichernden Anforderungen an die......
16.08.17
Qualitätsorientierte Vergütung gefährdet Fachkliniken
Freiburg – Leistungsstreichungen, Kürzungen diagnosebezogener Fallpauschalen und qualitätsorientierte Vergütungen durch „Pay-for-Performance-Modelle“: Die politischen Maßnahmen zur Umsetzung des......
02.08.17
Personalsituation der Pflege im Krankenhaus „bedrohlich“
Berlin – Scharfe Kritik an dem Gutachten „Personalsituation in der Intensivpflege und Intensivmedizin“ des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hat der Deutsche Pflegerat (DPR) geübt. Das Gutachten......
01.08.17
Beschwerde­management: Hamburger Krankenhäuser betonen Bedeutung
Hamburg – Die Krankenhäuser in Hamburg haben in den vergangenen Tagen erneut ihre „Hamburger Erklärung“ für ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement unterzeichnet. Diese freiwillige......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige