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Medizin

Studie sieht E-Zigaretten als Mittel zur Abstinenz

Mittwoch, 21. Mai 2014

dpa

London – Die E-Zigaretten, die Kritiker als eine neue Variante der Nikotinsucht betrach­ten, werden von vielen Anwendern als Hilfsmittel zur Abstinenz gesehen, wo sie laut einer Umfrage in Addiction (2014; doi: 10.1111/add.12623) häufiger erfolgreich sein könnten als Nikotinersatzprodukte aus der Apotheke.

Elektrische Zigaretten, mit denen Nikotin als Dampf ohne die Schadstoffe des Tabak­rauchs inhaliert werden kann, erfreuen sich steigender Beliebtheit. In den USA haben bereits 30 Prozent der Raucher schon einmal eine E-Zigarette benutzt, in Großbritannien sind es mehr als 10 Prozent.

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Viele dürften einfach eine neue Form des Genussmittels erprobt haben, bei anderen war es der Versuch, sich vom Rauchen zu befreien. Wie hoch die Erfolgschancen einer Tabakabstinenz sind, ist umstritten. Die beiden einzigen kontrollierten Studien, die im letzten Jahr in PLoS ONE (2013; 8: e66317) und im Lancet (2013; 382: 1629-1637) veröffentlicht wurden, ermittelten nur geringe Vorteile gegenüber den Nikotiner­satzpräparaten, deren (bescheidene) Wirksamkeit durch klinische Studien belegt ist, auch wenn sie dort zumeist als unterstützende Maßnahme zu einer fachlichen Beratung eingesetzt wurden.

Die meisten Raucher versuchen es jedoch auf eigene Faust, wie die Auswertung der Smoking Toolkit Study zeigt. Es handelt sich um monatliche Umfragen, die die Krebsstiftung Cancer Research UK seit 2009 in England durchführen lässt. Von den 5.863 Rauchern, die einen Abstinenzversuch unternommen hatten, setzten 3.477 allein auf ihre Willenskraft. Immerhin 15,4 Prozent gaben an, dass ihr Versuch (bisher) erfolgreich war. Bei einem Drittel waren bei der Umfrage schon mehr als 26 Wochen seit der letzten Zigarette vergangen.

Weitere 1922 Befragte hatten sich zur Unterstützung ihres Abstinenzversuchs Nikotinersatzprodukte gekauft. Die Erfolgsrate lag hier überraschenderweise mit 10,1 Prozent deutlich niedriger als bei den Personen, die allein auf ihre Willenskraft gesetzt hatten, was nach Ansicht von Studienleiter Robert West vom University College London deutlich macht, dass die Ergebnisse klinischer Studien nicht einfach auf die alltägliche Praxis übertragen werden kann.

Anzumerken ist, dass eine Umfrage nicht unbedingt ein fairer Vergleich ist. So ist denkbar, dass Personen mit unsicherer Abstinenzmotivation es „probeweise“ mit Nikotinersatzprodukten versuchen, dann aber schneller aufgeben als Personen, die ihren Versuch ernst nehmen und es ohne Hilfe versuchen.

Diese Einwände könnten natürlich auch gegenüber den 464 Teilnehmern erhoben werden, die den Rauchstopp mit Hilfe von E-Zigaretten unternommen hatten. Hier berichteten 20,0 Prozent von einem Erfolg, wobei die letzte Zigarette bei drei Vierteln jedoch weniger als 26 Wochen zurücklag.

Dass die Abstinenzrate mit Hilfe von E-Zigaretten doppelt so hoch war wie mit Nikotinersatzprodukten (Odds Ratio 2,23, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,70-2,93), aber nur ein Drittel höher als bei Personen, die nur auf ihre Willenskraft gesetzt hatten (Odds Ratio 1,38, 1,08-1,76), dürfte ein verzerrtes Ergebnis sein, ausgelöst durch die unterschiedlichen Eigenschaften der Abstinenzwilligen in den drei Gruppen.

Doch auch nach einer adjustierten Analyse, die hier korrigierend eingriff, erhöhten die E-Zigaretten die Chance auf einen erfolgreichen Rauchstopp noch um etwa 60 Prozent: Odds Ratio 1,63 (1,17-2,27) gegenüber Nikotinersatzmitteln und 1,61 (1,19-2,18) gegenüber keinen Hilfsmitteln.

Eine Empfehlung zur E-Zigarette leitet West aus den Ergebnissen übrigens nicht ab. Er rät allen Abstinenzwilligen, die Angebote des National Health Service anzunehmen, die durch eine zusätzliche Beratung eine dreifach höhere Abstinenzrate erzielen als ein Selbstversuch. © rme/aerzteblatt.de

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