NewsAuslandGroßbritannien: Breitere ambulante Versorgung könnte Notfallambulanzen entlasten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Großbritannien: Breitere ambulante Versorgung könnte Notfallambulanzen entlasten

Mittwoch, 21. Mai 2014

Cambridge – Wenn Patienten nach Praxisschluss statt ihres Hausarztes einen Notfalldienst aufsuchen müssen, könnte dies vor allem den mangelnden Versorgungs­kapazitäten während der Praxis-Öffnungszeiten geschuldet sein. Das ist zumindest die Meinung von Yin Zhou und ihrer Arbeitsgruppe am Cambridge Centre for Health Services Research. Sie schließen dies aus einer retrospektiven Studie, die sie im Britischen Ärzteblatt veröffentlichten (http://dx.doi.org/10.1136/emermed-2013-203451).

Patienten, die nach den regulären Öffnungszeiten ihres Hausarztes noch medizinische Hilfe benötigen, müssen in Großbritannien auf Notfallambulanzen oder medizinische Dienste zurückgreifen, die auch noch zu später Stunde eine Versorgung anbieten. Dies ist nicht nur für die Patienten ärgerlich, die häufig lieber zu ihrem Hausarzt gingen.

Ärzte in den Notfallambulanzen sehen sich ihnen nicht vertrauten Patienten gegenüber, die zum Teil multimorbid sind und unter komplexen Krankheitsbildern leiden. Außerdem sind in den Spätschichten die Kapazitäten für weitere Diagnostik und Therapie geringer als zur Hauptarbeitszeit. Die Forscher der Studie berichten, dass in Großbritannien von öffentlicher und politischer Seite deshalb häufig die Forderung laut werde, die Öffnungs­zeiten in den Hausarztpraxen zu verlängern. Besonders Berufstätige sollten so besseren Zugang zur Primärversorgung haben.

Anzeige

Die Arbeitsgruppe wertete für die Studie Daten der sogenannten 2011/2012 English General Practice Patient Survey aus. Mehr als 560.000 Teilnehmer der Umfrage hatten zum Zeitpunkt der Befragung in den vergangenen sechs Monaten wenigstens einmal medizinische Primärversorgung in Anspruch genommen.

In sieben Prozent der Fälle hatten die Teilnehmer dies außerhalb der Öffnungszeiten ihrer Hausärzte getan (Out-of-Hours Primary Care). Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen der telefonischen Erreichbarkeit, günstigen Öffnungszeiten, der Möglichkeit einen dringenden oder planbaren Termin zu erhalten oder einen bevorzugten Arzt zu sehen und der Inanspruchnahme der Out-of-Hours Primary Care.

In der multivariaten Regressionanalyse stellten die Wissenschaftler fest, dass besonders ungünstige Öffnungszeiten, keine zeitnahe Terminvergabe und die fehlende Möglichkeit, den bevorzugten Arzt zu sehen, die Patienten dazu verleitete die Out-of-Hours Primary Care zu nutzen. Die ungünstigen Öffnungszeiten waren der stärkste Einflussfaktor für diese Tendenz (Odds= 1,42).

Für die Arbeitsgruppe unerwartet zeigte sich in der Subgruppenanalyse, dass besonders Nicht-Berufstätige (Odds= 1,76), Berufstätige in Teilzeit (Odd= 1,43- 1,51) und Teilnehmer in der Ausbildung (Odds= 1,37) häufiger die Out-of-Hours Primary Care wegen unpassender Öffnungszeiten nutzten. Berufstätige in Vollzeit hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit von dem Angebot aus Zeitgründen Gebrauch zu machen (Odds= 1,17- 1,23).

Die Arbeitsgruppe sieht im Ausbau der Versorgungskapazitäten zur Hauptarbeitszeit großes Potenzial Versorgungsstrukturen der Out-of-Hours Primary Care, wie medizi­nische Notdienste und Notfallambulanzen, zu entlasten. Sprechstunden während der frühen Mittagszeit könnten hier Abhilfe schaffen, da zu dieser Zeit viele Praxen geschlossen hätten, berichten die Forscher. Eine Verlängerung der Praxis-Öffnungs­zeiten für Berufstätige sehen sie jedoch nicht als sinnvolle Maßnahme an, da diese Zielgruppe die Notdienste ohnehin weniger stark nutze. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. August 2019
London – Großbritanniens neuer Premierminister Boris Johnson hat milliardenschwere Zuschüsse für das angeschlagene öffentliche Gesundheitssystem (NHS, National Health Service) angekündigt. Damit wolle
Johnson verspricht Milliardenpaket für National Health Service
10. Juli 2019
London – Menschen in Großbritannien können sich ab sofort mit medizinischen Fragen an den Sprachassistenten des Internetkonzerns Amazon wenden. Um Ärzte und Gesundheitspersonal zu entlasten, arbeitet
Britischer Nationaler Gesundheitsdienst kooperiert mit Amazons Sprachassistent
25. Juni 2019
London – Ein britisches Berufungsgericht hat die Zwangsabtreibung für eine geistig behinderte Schwangere gestoppt. Eine Richterin und zwei Richter erklärten es gestern für unzulässig, den Abbruch
Berufungsgericht stoppt Zwangsabtreibung für geistig behinderte Frau
5. Juni 2019
London – Nach seiner Forderung zur Öffnung des britischen staatlichen Gesundheitssystems (NHS, National Health Service) für US-Firmen nach dem Brexit ist US-Präsident Donald Trump wieder
Trump rudert bei Äußerungen über britisches Gesundheitssystem zurück
29. Mai 2019
Münster – Vor einer drastischen Verschärfung des Ärztemangels in Großbritannien nach dem Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union (EU) hat heute in Münster der Vorstandsvorsitzende der British
Britischer Ärzteverband: Brexit wird Ärztemangel verschärfen
15. Mai 2019
London – In Großbritannien ist erstmals seit 50 Jahren die Zahl der Menschen, die vor ihrem 75. Geburtstag an Herz- und Kreislauferkrankungen sterben, wieder gestiegen. Die British Heart Foundation
In Großbritannien steigt die Zahl der Herz-Kreislauf-Todesfälle erstmals wieder seit 50 Jahren
11. April 2019
Edinburgh – Die routinemäßige Impfung von Mädchen im Alter von 12 oder 13 Jahren gegen humane Papillomaviren (HPV) in Schottland hat zu einer deutlichen Verringerung von Erkrankungen des
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER