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Ärzteschaft

Psychotherapeuten demonstrieren für mehr Honorargerechtigkeit

Montag, 26. Mai 2014

Protest in Düsseldorf /Jardai

Düsseldorf – Mehr als 100 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben heute bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Düsseldorf Rückendeckung für ihre Forderungen nach mehr Honorargerechtigkeit gefordert. Sie bemängelten, dass die Psychotherapiehonorare sich seit Jahren am untersten Ende der Einkommensskala der Niedergelassenen befänden. „Daher müssen psychotherapeutisch tätige Behandler seit 15 Jahren gegen jeden Honorarbescheid Widerspruch einlegen und langjährig auf Entscheidungen des Bundessozialgerichts in Musterprozessen warten, um dann wieder auf eine Umsetzung des Entscheides in der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung zu warten“, heißt es in einer Presseerklärung der Landesgruppe Nordrhein der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV).

Eine Anpassung der psychotherapeutischen Honorare an gestiegene Honorare in vergleichbaren Facharztgruppen habe in den letzten sechs Jahren nicht stattgefunden, hieß es. Die Leistungen müssten aber zukünftig so vergütet werden, dass Fachärzte und Psychotherapeuten bei gleichem Arbeitseinsatz ein vergleichbares Honorar erzielten könnten.

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Dem Appell schlossen sich Mitglieder des Berufsverbands der Kinder - und Jugend­lichenpsychotherapeuten NRW, der Vereinigung der analytischen Kinder - und Jugendlichenpsychotherapeuten NRW und des Berufsverbands der Vertrags­psycho­therapeuten Nordrhein an. Sie empfingen die Delegierten und  zahlreichen Gäste der öffentlichen KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung mit Transparenten und gelben T-Shirts, auf denen Slogans prangten wie „Rückt die Honorare gerade!“. Zu dem Protest angereist waren nach Angaben der DPtV Psychotherapeuten aus dem ganzen Bundesgebiet.

„Die Kollegenschaft erwartet, dass die neue Verhandlungssituation auch tatsächlich genutzt wird“, erklärte einer der Organisatoren, Andreas Pichler, Mitglied des DPtV-Lan­desvorstands Nordrhein, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Seit Anfang 2013 werden wesentliche Leistungen wie genehmigungspflichtige Psychotherapie und probatorische Sitzungen extrabudgetär vergütet. Damit führt eine Steigerung der Honorare für Psychotherapie nicht mehr zu einer Kürzung der übrigen fachärztlichen Honorare. Vom KBV-Vorstand erwartete Pichler vor Beginn der Ver­tre­ter­ver­samm­lung Verständnis und Unterstützung. „Wir stärken dem Vorstand einerseits den Rücken, sitzen ihm aber gleichzeitig im Nacken“, erläuterte er. 

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen ging dann auch in seiner Rede auf die protestierenden Psychotherapeuten ein. Er empfinde die Aktion als gegen die Krankenkassen gerichtet, erklärte Gassen, und ergänzte „Wir unterstützen Ihre Forderungen nach Honorargerechtigkeit in vollem Umfang.“

© Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #686443
Psychologischer Psychotherapeut
am Freitag, 20. Juni 2014, 10:40

P.S. Protest völlig nachvollziehbar

Das durchschnittliche Nettoeinkommen von Psychologischen Psychotherapeuten liegt selbstverständlich bei MONATLICH 2658 Euro.

Herr Hartmann schrieb am 28.5.2014:
Zur Verdeutlichung nun Daten aus meiner eigenen Praxis (falls es Sie interessiert): Ich arbeite im Jobsharing zusammen mit meiner Frau. Arbeitszeit zusammengerechnet: 85-90 Stunden/Woche bei ca. 46 Arbeitswochen/Jahr. Ertrag vor Steuern (ich schicke Ihnen gerne den Steuerbescheid als Beweis): knapp 68000 Euro. Nach Steuern sind das ca. 50.000 Euro. Eine ausreichende Altersvorsorge ist hierbei nicht vorhanden, wir zahlen nur ca. 1/3 dessen, was notwendig wäre um nicht in der Altersarmut zu versinken.

Die 50'000 Euro Nettojahreseinkommen beziehen sich auf 85-90 Stunden pro Woche (bei 46 Wochen pro Jahr), welches das Ehepaar als Psychologische Psychotherapeuten (Gemeinschatspraxis) gemeinsam erwirtschaftet! Folglich ca. 25'000 Euro Nettojahreseinkommen pro Person!

Dieses Gehalt ist für diese tagtäglich sehr belastende und anspruchsvolle Arbeit (ganz abgesehen vom langen Ausbildungsweg von ca. 10-12 Jahren mit sehr hohen Ausbildungskosten, welche selbst getragen werden müssen) nicht angemessen.
Avatar #686443
Psychologischer Psychotherapeut
am Freitag, 20. Juni 2014, 06:57

Protest völlig nachvollziehbar

Nachprüfbare Fakten sind wichtig und die sprechen eindeutig dafür, dass Psychologische Psychotherapeuten beim Honorar seit 15 (!) Jahren massiv benachteiligt werden. Das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Psychologischen Psychotherapeuten liegt bei 2658 Euro.
Avatar #685584
Roland.Hartmann
am Mittwoch, 28. Mai 2014, 10:24

Überraschende Falschinfo

Sehr geehrter "Practicus",

leider sind Ihre Daten, die Sie angeben, fast gänzlich falsch.
1. Mit 35 Therapiestunden/Woche lässt sich ein Umsatz von ca. 10300 Euro/Monat erzielen und nicht 12.000 Euro, wie Sie angeben. Sie gehen ohne dies zu erwähnen davon aus, dass Psychotherapeuten 52 Wochen im Jahr, also durchgängig arbeiten. Urlaub oder Krankheit sind nicht erlaubt. Ferner dürften wir, um ihr Ziel zu erreichen, der Weiterbildungspflicht nur außerhalb der Arbeitszeit nachkommen. Realistisch (auch durch das BSG in Anlehnung an ärztliche Arbeitszeiten) sind 43 Arbeitswochen/Jahr.

2. Die Einrichtung eines Therapieraumes kostet sicher nicht nur 1500 Euro. Ich weiß nicht, wie Ihr Therapieraum ausgestattet ist, aber meine Praxisräumlichkeiten (und das ist sicher keine "Luxuspraxis") hat umgerechnet 40.000 Euro gekostet. Dies ist natürlich immer noch sehr wenig im Vergleich zu den Anschaffungen, die ein Arzt i.d.R. tätigen muss, aber sicher mehr als 1500 Euro...

3. Mit 5 Stunden Psychotherapie / Tag lässt sich nur dann ein theoretischer Umsatz von ca. 9250 Euro erzielen, wenn man keine Probatorik oder Gesprächsziffern abrechnet, sondern ausschließlich genehmigungspflichtige Leistungen. Dies ist eher die Ausnahme. Selbst wenn es so wäre, erzielte man mit 9250 Euro Umsatz sicher keinen Überschuss von "ca. 8900 Euro/Monat". Es sei denn, man hat nur Mietkosten von 300 Euro (Besenkammer???), betreibt KEINERLEI Alterssicherung und ist auch nicht krankenversichert. Ein Telefon oder Internetanschluss sind in Ihrer Rechnung scheinbar auch vergessen worden, ebenso die Kosten für Weiterbildung, Material, Reisekosten, und und und...

4. Einen "Jahresrohertrag von mindestens 100.000 Euro" erzielt wohl kaum ein Psychotherapeut. Der Jahresrohertrag vor Steuern liegt durchschnittlich bei ca. 68.000 Euro (Quelle: ZIPP Jahresbericht 2012). Hierzu arbeiten Psychotherapeuten durchschnittlich 47 Stunden/Woche. Der maximal erreichbare Jahresüberschuss einer Psychotherapeutischen Praxis liegt im Übrigen bei 85.000 Euro, also weit unter den von Ihnen als "mindestens" angegebenen 100.000 Euro. Und selbst diese 85.000 Euro erreichen gerade einmal 1% aller Psychotherapeuten, da die Messlatte zum Erreichen dieser "Maximalauslastung" durch das BSG dermassen hoch angesetzt ist, dass sie kaum erreichbar ist (noch nicht einmal, wenn Psychotherapeuten, wie von Ihnen angenommen 52 Wochen/Jahr arbeiten).

Zur Verdeutlichung nun Daten aus meiner eigenen Praxis (falls es Sie interessiert): Ich arbeite im Jobsharing zusammen mit meiner Frau. Arbeitszeit zusammengerechnet: 85-90 Stunden/Woche bei ca. 46 Arbeitswochen/Jahr. Ertrag vor Steuern (ich schicke Ihnen gerne den Steuerbescheid als Beweis): knapp 68000 Euro. Nach Steuern sind das ca. 50.000 Euro. Eine ausreichende Altersvorsorge ist hierbei nicht vorhanden, wir zahlen nur ca. 1/3 dessen, was notwendig wäre um nicht in der Altersarmut zu versinken. Wir "leisten" uns eine Bürokraft als 1/3-Stelle (wohlgemerkt zu zweit! Also pro Kopf gerade einmal eine 1/6 Angestellte). Mehr ist nicht drin. Unsere Praxismiete beträgt 600 Euro (ich keine keine Arztpraxis, welche so "billige" Räume beziehen würde).

Also, es wäre nett, wenn Sie keine Falschinfos mehr verbreiten...

Mit freundlichen Grüßen,

Roland Hartmann
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 27. Mai 2014, 22:44

Überraschende Unkenntnis

der jeweiligen Situation des anderen. Ich bin Hausarzt und Psychotherapeut und kenne beide Welten.
Die ärztliche Praxis hat einen Kostenanteil für Miete, Personal, Sachkosten, Energie etc. von mindestens 50%
Reine Psychotherapeuten dagegen haben in der Regel kaum solche Kosten. Ich kenne keine PP-Praxis, die tatsächlich eine Bürokraft für Schreibdienst und Rezeption beschäftigt - dafür gibt es den AB und die Website...
Die Raumkosten für eine Psychotherapiepraxis sind minimal, vor allem, wenn man sich Räume teilt, selbst eine luxuriöse Ausstattung eines Therapieraums kostet weniger als Spirometer und EKG-Gerät.
Die Einrichtung meines Therapieraums hat ca 1.500 € gekostet, für Warmmiete und Telefon sind ca. 320€/Monat fällig - das ist der Umsatz von 4 Stunden Richtlinienpsychotherapie.
Mit nur 5 Stunden Psychotherapie pro Tag läßt sich ein Umsatz von ca. 9.250€ p.m., mithin ein Überschuss von ca. 8,900€ pro Monat erzielen - dafür muss z.B. ein Hausarzt 55 Stunden/Wo klotzen und von 7-18 Uhr erreichbar sein.
Ein Vollzeit-PP mit 35 Therapiestunden/Wo erzielt einen Umsatz von fast 12.000€ p.m. und steht selbst bei Luxusraumkosten von 2,000€/Mo bei einem Jahresrohertrag von mindestens 100.000€ so gut da wie ein Arzt mit einem Umsatz von 200,000 € p.a.
Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 27. Mai 2014, 13:51

Der "Gerechtigkeit" wurde bereits Jahre zuvor zum Sieg verholfen

und in der Causa "Gerechtigkeit" verlautbarte man dies:
Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) vom 25.08.1999 spricht den Psychotherapeuten einen Punktwert von 10 Pfennig für ihre Leistungen zu - Aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz hat das BSG die Notwendigkeit eines festen Punktwertes für die zeitgebundenen Leistungen der Psychotherapeuten abgeleitet. Das wurde in der Grundsatzentscheidung vom 20.1.99 dargelegt. Das BSG wiederholt nun in der Begründung zum Urteil vom 25.8.99 (B 6 KA 14/98 R):

"Das Gleichbehandlungsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG enthält ... nicht nur das Verbot sachwidriger Differenzierung, sondern ebenso das Gebot, wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln."
"Danach kann das dem Gebot der Honorarverteilungsgerechtigkeit innewohnende Differenzierungsgebot verletzt sein, wenn die Honorierung aller ärztlichen Leistungen nach einem einheitlichen Punktwert infolge eines starken Anstiegs der Menge der abgerechneten Punkte zu einem massiven Absinken des Punktwertes und als dessen Konsequenz zu einer schwerwiegenden Benachteiligung einer Arztgruppe führt, die wegen der strikten Zeitgebundenheit der von ihr erbrachten Leistungen die Leistungsmenge - im Unterschied zu anderen Arztgruppen - nicht ausweiten kann."

Avatar #685530
counceler
am Dienstag, 27. Mai 2014, 09:56

Proteste der Psychotherapeuten

... finde ich toll. Hätte ich nicht mehr damit gerechnet. Ein erster Schritt. Wir Psychotherapeuten sind doch bisher viel zu nett und harmoniesüchtig gewesen. Jetzt braucht es flächendeckende Streiks, da es außer ein paar warmen Worten nichts geben wird.
Wenn die ärztlichen Kollegen finanziell so dastünden wie wir, hätten die schon lange gestreikt. Siehe ihre letzte Streikwelle vor ungefähr 5 bis 10 Jahren.
Und da in der KV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung 6 Psychotherapeuten sich 24(!) Hausärzten und 24 (!) Fachärzten gegenübersehen, führt kein Weg an einer eigenen KV vorbei. Wenn man es realistisch sehen will ... (Infos zur Zusammensetzung der Versammlung unter: http://www.kbv.de/html/427.php )
LNS

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