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EBM-Reform des Hausarztkapitels: Für Geriatrie ist zu wenig Geld vorhanden

Montag, 26. Mai 2014

Düsseldorf – Die jüngsten Reformen am Hausarztkapitel des Einheitlichen Bewertungs­maßstabs (EBM) haben unterschiedliche Effekte nach sich gezogen. Der Leistungs­bedarf im hausärztlichen Versorgungsbereich sei in den meisten Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) im vierten Quartal gesunken, erklärte das zuständige Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Regina Feldmann, vor der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) in Düsseldorf. Ausnahmen seien Hamburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Für die KV Bremen liegen noch keine Daten vor.

Dieser Trend gelte jedoch nicht für die geriatrie- und palliativmedizinischen Leistungen, schränkte Feldmann ein. Hier lasse sich für das Quartal IV/2013 erkennen, „dass in allen KVen die zur Verfügung gestellten Gelder nicht ausreichend sind“. Die Auswertungen zeigten eine Unterfinanzierung zwischen 109 Prozent (Berlin) und 337 Prozent (Saarland). „Dies zeigt, dass die Finanzierung bei der Einführung der Leistung zu niedrig bemessen war“, urteilte Feldmann.

Bei den Gesprächsleistungen schöpften allerdings die Hälfte bis drei Viertel der Hausärztinnen und Hausärzte das Gesprächsbudget nicht aus. „Bezogen auf alle hausärztlichen Behandlungsfälle beträgt die Häufigkeit der Abrechnung eines ,ausführlichen Gesprächs‘ mit der Gebührenordnungsziffer 03230 knapp ein Drittel bis knapp die Hälfte“, so der KBV-Vorstand.

Handlungsbedarf bei den Chronikerpauschalen
Handlungsbedarf gibt es offenbar auch bei den Chronikerpauschalen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal war der Abrechnungsumfang im vierten Quartal 2013 niedriger. „Der empirische Leistungsbedarf liegt gut zehn Prozent unter der Simulation“, erklärte Feldmann. Das liegt ihrer Meinung nach vor allem daran, dass zur Abrechnung des Chronikerzuschlags mindestens zwei Arzt-Patient-Kontakte dokumentiert sein mussten.

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Feldmann zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich die Abrechnungssituation noch zum Positiven verändern wird. Als Argumente führte sie an, dass bereits eine Erhöhung der Bewertung der Chronikerpauschale zum 1. Juli mit dem GKV-Spitzenverband vorgesehen sei. Auch würden im zweiten Quartal 2014 sicher mehr Gespräche abgerechnet.

EBM-Ergebnisse: Kurze und sachliche Diskussion
Trotz einzelner Unmutsäußerungen im Saal diskutierte die Ver­tre­ter­ver­samm­lung insgesamt nur kurz und sachlich über die EBM-Ergebnisse. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KV Bayerns und Mitgestalter der Veränderungen am EBM, verwies darauf, dass man nun manche Unterfinanzierung der hausärztlichen Versorgung besser als vorher zu Zeiten einer stärkeren Pauschalierung erkennen könne: „Die Pauschale war eine Tarnkappe. Da ist einiges drunter versteckt worden.“ Jetzt werde deutlich, wie wenig für manches bezahlt werde und wofür das Geld nicht reiche.

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung begrüßte in einem Antrag das Vorhaben des KBV-Vorstands, in Zukunft den Wert der persönlichen Leistung des Arztes im Kontakt zum Patienten stärker zu betonen und sich gegenüber den Krankenkassen auch für eine entsprechend höhere EBM-Bewertung  einzusetzen. Nötig sei aber auch eine Anpassung des Paragrafen 87 im Sozialgesetzbuch V, der die Grundlagen der Honorierung fixiert. Dort müssten „Veränderungen in der Bewertung ärztlicher Leistungen als separater Grund für Anpassungen der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung vorgesehen“ werden, befanden die Delegierten mit großer Mehrheit. © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 27. Mai 2014, 12:15

Die Empfehlung des BÄK-Präsidenten konträr dazu

Ärzte sollen weniger über Geld reden!
http://www.rp-online.de/wirtschaft/frank-ulrich-montgomery-aerzte-sollen-weniger-ueber-geld-reden-aid-1.4270868
LNS

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