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Medizin

Klimakterium: Antidepressivum und Östrogen in niedriger Dosierung effektiv

Dienstag, 27. Mai 2014

Boston – Die vasomotorischen Symptome, die bis zu 80 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren plagen, können durch das Antidepressivum Venlafaxin ebenso effektiv gelindert werden wie durch Östrogene. Beide Medikamente waren in einer rando­misierten klinischen Studie in JAMA Internal Medicine (2014; doi: 10.1001/jamainternmed.2014.1891) Placebo überlegen.

Die bei klimakterischen Beschwerden früher häufig verordneten Östrogene werden seit der Women’s Health Initiative (WHI) kritisch gesehen. Die Studie hatte zwar die Hormon­ersatztherapie zum Gegenstand und nicht die Behandlung klimakterischer Beschwerden. Die Wirkstoffe waren jedoch die gleichen und die Leitlinien raten deshalb, die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden zeitlich zu begrenzen und nach Möglichkeit eine niedrige Dosis zu verwenden.

Als Alternative bietet sich die Behandlung mit Antidepressiva an, die auch in niedriger Dosierung wirksam sind. In den USA wurde im letzten Jahr sogar ein Präparat (Brisdelle mit 7,5 mg Paroxetin) speziell für diese Indikation eingeführt. Neben Paroxetin scheinen aber auch andere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wirksam zu sein.

Auch der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) Venlafaxin wird von US-Ärzten häufig eingesetzt. Das Team um Hadine Joffe vom Brigham and Women's Hospital in Boston hat die Wirksamkeit jetzt erstmals in einer randomisierten Studie mit einem niedrig dosierten Östrogenpräparat verglichen.

Insgesamt 339 peri- oder postmenopausale Frauen mit starken vasomotorischen Symptomen wurden über 8 Wochen mit 17-beta—Estradiol (0,5 mg/die; plus Medroxyprogesteron 10 mg/die über 14 Tage zur endometrialen Protektion) oder mit einer Retard-Formulierung von Venlafaxin (37,5 mg/die in der ersten Woche, danach 75 mg/die) behandelt. In einer dritten Gruppe erhielten die Patientinnen ein Placebo.

Primärer Endpunkt war die Anzahl der täglichen Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüche. Sie nahmen unter dem Östrogen um 52,9 Prozent, unter dem Low-Dose-SSNRI um 47,6 Prozent und unter Placebo um 28,6 Prozent ab. Unter Estradiol hatten die Frauen täglich 2,3 weniger Episoden ihrer vasomotorischen Symptome als unter Placebo, unter Venlafaxin waren es 1,8 Episoden weniger pro Tag.

Der Unterschied der beiden Wirkstoffe zu Placebo war signifikant, im direkten Vergleich fiel der tendenzielle Vorteil des Östrogens nicht signifikant aus. Im Östrogen-Arm waren 70,3 Prozent der Frauen mit der Wirkung zufrieden, unter Venlafaxin waren es 51,1 Prozent und unter Placebo 38,4 Prozent. Beide Medikamente wurden in der Studie gut vertragen, wobei die langfristigen Risiken sich nach acht Wochen natürlich nicht beurteilen lassen. Für Joffe kommen beide Therapieoptionen infrage, wobei die Wünsche der Patientin und ihr Risikoprofil berücksichtigt werden sollten. © rme/aerzteblatt.de

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