NewsÄrzteschaftInternisten halten Wartezeitenregelung für problematisch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Internisten halten Wartezeitenregelung für problematisch

Mittwoch, 28. Mai 2014

Düsseldorf – Der Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI), Wolfgang Wesiack, hat zu Beginn des Deutschen Ärztetags die kritische Haltung seines Verbands zu einer Vier-Wochen-Regelung für Facharzttermine bekräftigt. Er warnte vor dieser und anderen Regelungen, die die Position niedergelassener Ärzte verschlechterten, und erklärte vor Journalisten in Düsseldorf: „Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Politik täten besser daran, die Ursachen für lange Wartezeiten zu beseitigen.“

Diese hätten ihren Hauptgrund in der Budgetierung der kassenärztlichen Gesamtvergütung, „die in Form von Regelleistungsvolumina und von Praxisbudgets inzwischen in jeder einzelnen Praxis angekommen ist“, sagte Wesiack. Er forderte die KBV auf, bei den Krankenkassen darauf hinzuwirken, dass die Budgetierung in der ambulanten Versorgung gelockert werde.

Wartezeiten: echte wie gefühlte Engpässe
„Ich glaube nicht, dass Notfälle nicht versorgt werden“, ergänzte der zweite Vizepräsident des BDI, Hans-Friedrich Spies. Er sei aber überzeugt davon, dass es bei Facharzt­terminen sowohl echte wie gefühlte Unterversorgung gebe. Ein Terminmanagement wie von der großen Koalition vorgesehen hält Spies aber für einen Fehler, weil dadurch die Gründe für Engpässe verschleiert würden. „Das System ist auf die Dauer nicht ehrlich“, so Spies.

Anzeige

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen hatte bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung am Montag betont, dass man eigene Lösungen erarbeiten wolle – allerdings „mit Bauch­schmerzen“. Gassen hält Wartezeiten einerseits für kein so großes Problem, wie es oft dargestellt wird, und legt andererseits Wert darauf, dass es Spielräume für passende regionale Gestaltungsmöglichkeiten geben müsse und keine bundesweit einheitlichen Regeln für ein Wartezeiten-Management. Er machte zudem in seiner Rede deutlich, dass man unvernünftige Vorgaben nicht umsetzen wolle.

BDI-Präsident Wesiack hatte im Zusammenhang mit den Ausführungen über Wartezeiten auch erklärt, es zeige sich, dass der Kollektivvertrag nicht mehr alles abdecke. Selektiv­verträge könnten bei Versorgungsverbesserungen helfen. Deshalb haben die Internisten für polarisierende Auseinandersetzungen zu diesem Thema kein Verständnis. „Der BDI ist für Selektivverträge als Ergänzung“, stellte Wesiack klar und bestätigte, dass man mit dem Deutschen Hausärzteverband und den Krankenkassen im Gespräch sei über entsprechende Verträge. Details wolle er nicht nennen, sagte der BDI-Präsident. Dies sei in der derzeitigen Verhandlungsphase kontraproduktiv.

Prävention benötigt zusätzliche Leistungen
BDI-Vize Spies ging ausführlicher auf die Positionen des Verbands zur Prävention ein, ein Thema auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag. Dem Verband ist die Klarstellung wichtig, „dass eine wirksame Prävention zusätzliche Leistungen im Leistungsrecht erforderlich macht“, wie es in seiner Stellungnahme heißt. Präventionsverfahren müssten ausreichend wissenschaftlich evaluiert sein, woran es oft hapere.

Angesprochen wird auch, dass Krankenkassen oft den Aufwand für Screenings mit Präventions­untersuchungen scheuten, weil dafür erhebliche Kosten anfielen. „Der BDI empfiehlt die Identifikation von Risikogruppen, die allein schon über eine sorgfältig erhobene Familienanamnese, aber auch durch aufwendige genetische Untersuchungen erfasst werden können. Dadurch können Aufwand und Nutzen in ein vernünftiges Verhältnis gebracht werden“, heißt es in der Stellungnahme.

Spies fand anerkennende Worte für die Absicht der Krankenkassen, durch Gesund­heitsförderung und Gesundheitserziehung Prävention zu forcieren. Entsprechende Ausführungen finden sich in einem Positionspapier des GKV-Spitzenverbands, auf das der BDI-Vize einging. Geld sparen werde man mit besseren Präventionsangeboten aber nicht, urteilte er. © Rie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER