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Medizin

Neoehrlichia: Zeckenkeim infiziert vor allem Abwehrgeschwächte

Mittwoch, 28. Mai 2014

Göteborg – Infektionen mit Candidatus Neoehrlichia mikurensis, kurz Neoehrlichia, einem vor einigen Jahren in Zecken entdeckten Bakterium, können tödlich enden. Gefährdet sind nach einer Studie in Clinical Infectious Diseases (2014; doi: 10.1093/cid/ciu189) vor allem Menschen, die mit Immunsuppressiva behandelt wurden oder denen die Milz entfernt worden war.

Neoehrlichia gehört zu den obligat intrazellulären Bakterien, die nicht in Kulturen vermehrt werden können und deshalb lange Zeit nur schwer nachweisbar waren. Dies änderte sich nach der Entwicklung von Gentests, mit denen die Erreger-DNA über­raschend häufig im Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) nachgewiesen wurde, der in Europa auch der wichtigste Überträger von Lyme-Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis ist.

Zunächst wurde Neoehrlichia als ungefährlich für den Menschen eingestuft. Dies änderte sich 2007, als Mediziner der Sahlgrenska Akademie in Göteborg einen 77 Jahre alten Mann mit chronischer B-Zell-Leukämie behandelten, der an rezidivierendem Fieber, erysipel-artigen Hautausschlägen und Anämie sowie tiefen Venenthrombosen erkrankt war. Der Patient war die erste dokumentierte Neoehrlichiose beim Menschen. Er erholte sich nach einer Behandlung mit Doxycyclin.

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Ein 2008 an der Universität Erlangen behandelter 57-jähriger Mann überlebte die Erkrankung dagegen nicht. Er war nach drei Tagen mit Kopfschmerzen von seiner Frau bewusstlos aufgefunden worden. In der Klinik wurden schwere Hirnblutungen festgestellt, die Entwicklung hoher Temperaturen und ein Lungeninfiltrat im Röntgenthorax weckten den Verdacht auf eine Infektion, doch der Nachweis von Neoehrlichia gelang erst postmortal.

Der Erlanger Patient war vormals gesund gewesen und bildete damit wahrscheinlich eine Ausnahme, wie ein internationales Forscherteaum um Christine Wennerås von der Sahlgrenska Akademie jetzt berichtet. Die Forscher haben elf von 19 bisher dokumen­tierten Erkrankungen ausgewertet. Sie waren in den letzten Jahren in Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Schweden aufgetreten. Das Durchschnittsalter der zumeist männlichen Patienten betrug 67 Jahre. Bis auf den Patienten aus Erlangen hatten alle immunsupprimierende Medikamente eingenommen und die meisten (8 von 11) waren splenektomiert. Weniger als die Hälfte konnte sich an einen Zeckenbiss erinnern.

Die häufigsten Symptome waren Fieber (11 von 11) und lokalisierte Schmerzen an Muskeln und/oder Gelenken (8 von 11). Auffällig waren ein häufiges Auftreten von Gefäßkomplikationen (6 von 11) wie tiefen Venenthrombosen (4), transitorischen ischämischen Attacken (2), Lungenembolien (1) und arteriellen Aneurysmen (1).

Typische Laborbefunde waren ein Anstieg des C-reaktiven Proteins, eine  Leukozytose mit Neutrophilie und Anämie. Von den Symptomen bis zur Diagnose vergingen median 2 Monate. Die Symptome wurden zuerst fälschlicherweise der Grunderkrankung zugeschrieben und mit immunsupprimierenden Medikamenten behandelt. Nach der Diagnose erwies sich eine Behandlung mit Doxycyclin als wirksam. © rme/aerzteblatt.de

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