NewsMedizinWeltweite Epidemie: 2,1 Milliarden Menschen übergewichtig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Weltweite Epidemie: 2,1 Milliarden Menschen übergewichtig

Donnerstag, 29. Mai 2014

dpa

Seattle – Mehr als ein Drittel aller erwachsenen Menschen weltweit ist übergewichtig oder adipös. In den entwickelten Ländern gilt dies mittlerweile auch für jedes vierte bis fünfte Kind. Die Gesamtzahl aller übergewichtigen oder adipösen Menschen ist laut einer neuen Analyse im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60460-8) global von 875 Millionen im Jahr 1980 auf 2,1 Milliarden gestiegen.

Vor zwei Jahren hatte das Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle (IHME) bereits ausgerechnet, dass Übergewicht und Adipositas für insgesamt 3,4 Millionen Todesfälle verantwortlich sind und 4 Prozent der Lebensjahre rauben (Lancet 2012; 380: 2224-60). Nach den jetzt vorgelegten Zahlen dürfte der Anteil in Zukunft weiter steigen.

Anzeige

Nicht einem einzigen Land ist es in den letzten 33 Jahren gelungen, den Anteil der überge­wichtigen oder adipösen Menschen zu senken, berichtet das internationale Forscherteam um Emmanuela Gakidou vom IHME. Bei den Männern ist der Anteil von 29 auf 37 Prozent und bei den Frauen von 30 auf 33 Prozent gestiegen, wobei es in den entwickelten Ländern mehr dicke Männer gibt, während in den Entwicklungsländen die Frauen eher mehr wiegen als die Männer.

Besonders rasant nehmen Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zu. Der Anteil ist zwischen 1980 und 2013 um fast 50 Prozent gestiegen. In den entwickelten Ländern sind mehr als 22 Prozent aller Mädchen und 24 Prozent der Jungen überge­wichtig oder adipös. In den Entwicklungsländern beträgt der Anteil erst 13 Prozent, nimmt aber stark zu. Besonders viele dicke Kinder und Jugendliche gibt es heute im Nahen Osten und in Nordafrika. Die Zunahme bei Kindern bereitet Erstautorin Marie Ng vom IHME besonders große Sorgen, da Übergewicht und Adipositas das Risiko erhöhen, später an Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, aber auch an Krebs zu erkranken.

Der Anteil der adipösen Menschen schwankt von Land zu Land sehr stark: Mehr als die Hälfte der 671 Millionen adipösen Menschen lebt in zehn Ländern. Die Rangliste wird angeführt von den USA (mehr als 13 Prozent) China und Indien (zusammen 15 Prozent), Russland, Brasilien, Mexiko, Ägypten, Deutschland, Pakistan und Indonesien (in dieser Reihenfolge).

Den größten Anstieg in der Zahl der Adipösen hat es bei den Frauen in Ägypten (wo 48,8 Prozent der Frauen adipös sind), Saudi-Arabien, Oman, Honduras und Bahrain gegeben, bei den Männern waren es Neuseeland, Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und die USA.

In den Ländern mit hohem Einkommen hat sich der Anstieg der Adipositas in den letzten Jahren etwas verlangsamt. Den höchsten Anstieg gab es in den USA (wo ein Drittel der Erwachsenen adipös ist), Australien (28 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen sind dort fettleibig) und in Großbritannien (wo ein Viertel der Erwachsenen fettleibig ist). In Deutschland beträgt der Anteil bei den Männern 21,9 und bei den Frauen 22,5 Prozent.

Richtig schlank sind die Menschen noch in Japan (4,5 Prozent der Männer und 3,3 Prozent der Frauen sind dort adipös) und Südkorea (6,8 und 5,8 Prozent), sowie in einigen Ländern, in denen das Nahrungsangebot knapp ist wie in Äthiopien (4,0 und 1,8 Prozent) oder auch Nordkorea (2,1 und 2,8 Prozent). © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. März 2019
Amsterdam und Chicago – Nahrungsergänzungsmittel und/oder eine psychologische Unterstützung haben in einer randomisierten Studie adipöse Erwachsene nicht vor einer drohenden Depression geschützt. Bei
Diätberatung schützt nicht vor Depressionen, könnte aber bei Behandlung helfen
21. Februar 2019
Melbourne – Vielen Menschen gilt das Frühstück als die wichtigste Mahlzeit des Tages, um ihr Gewicht zu halten oder um abzunehmen. Das könnte eine Fehlannahme sein. Wissenschaftler der Monash
Das „gute Frühstück“ hilft nicht beim Abnehmen
19. Februar 2019
München – Beratungen im Rahmen der Routinevorsorge können Schwangere zwar zu einem gesünderen Lebensstil anregen, aber nicht verhindern, dass sie übermäßig an Gewicht zunehmen. Das berichten
Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft durch Beratung kaum zu bremsen
11. Februar 2019
Potsdam – Ein Potsdamer Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat gezeigt, dass ein Bakterium namens Clostridium ramosum die Darmzellen von Mäusen dazu bringt, vermehrt
Wie Darmbakterien das Übergewicht fördern könnten
21. Januar 2019
Berlin – Die Diskussion über den gesundheitlichen Benefit von Low-Carb-Diäten ist erneut entflammt. Grund dafür ist vor allem eine neue Metaanalyse in Nutrition Reviews, die die mittel- bis
Pro und Contra: Sind Low-Carb-Diäten zur Therapie von Übergewicht und Diabetes geeignet?
17. Januar 2019
Berlin – Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas stagniert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor.
Anteil übergewichtiger Kinder stagniert
9. Januar 2019
Leipzig – Wenn die Mutter gestresst ist, kann das zu Übergewicht bei den Kindern führen. Der empfundene Stress im ersten Lebensjahr des Kinds sei ein Risikofaktor für eine Übergewichtsentwicklung,
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER