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Medizin

Studie bestätigt Hypertonie als wichtigsten Risikofaktor für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen

Freitag, 30. Mai 2014

dpa

London – Die arterielle Hypertonie ist der wichtigste Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere Verschlusskrankheit und Aortenaneurysmen. Der Einfluss auf die einzelnen Erkrankungen ist jedoch unterschiedlich, wie eine Studie im Lancet (2014; 383: 1899–911) zeigt. In einer weiteren Untersuchung kommen britische Forscher zu dem Ergebnis, dass allein in England bis 2022 durch eine bessere Blutdruckkontrolle 50.000 kardiovaskuläre Ereignisse vermieden werden könnten (Lancet 2014; 383: 1912–19).

Eine arterielle Hypertonie ist in der Regel asymptomatisch, weshalb die Risiken von vielen Menschen unterschätzt werden. Allgemein gilt die Regel, dass nur die Hälfte aller Fälle diagnostiziert wird, von denen nur die Hälfte behandelt wird, von denen wiederum nur die Hälfte eine ausreichende Senkung des Blutdrucks erreicht. Diese Annahme ist nach Ansicht von Emanuela Falaschetti vom Imperial College London zu pessimistisch.

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Ihre Auswertung mehrerer Querschnittsstudien ergab, dass in England der Anteil der Hypertoniker, die behandelt werden, in den letzten 17 Jahren verdoppelt werden konnte. Zwar nahmen auch 2011 nur 58 Prozent der Hypertoniker Medikamente ein, der Anteil, der dabei Blutdruckwerte von unter 140 zu 90 mm HG erreichte, sei aber von 33 auf 63 Prozent gestiegen, berichtet die Forscherin.

Unter den Patienten, deren Blutdruck behandelt werde, sei der Blutdruck im Durchschnitt 15 mm Hg niedriger als noch 1994, dem Jahr der ersten Umfrage. Wenn die Entwicklung weiter anhält, könnten 2012 insgesamt 80 Prozent aller behandelten Hypertoniker die Zielwerte erreichen. Dies würde dann die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse um 50.000 senken.

Der Einfluss der Blutdruckwerte auf die einzelnen Erkrankungen wäre jedoch unter­schiedlich, wie Eleni Rapsomaniki vom Farr Institute for Health Informatics Research, ebenfalls in London, anhand einer Auswertung von 1,15 Millionen Patientendaten aus der Datenbank CALIBER (für: CArdiovascular research using LInked Bespoke studies and Electronic health Records) zeigt. CALIBER verknüpft die elektronischen Kranken­akten britischer Hausärzte mit Patientenregistern zu Krankenhausbehandlungen.

Der Beobachtungszeitraum beträgt zwar erst 5,2 Jahre, die Analyse lässt aber bereits erkennen, dass ein 30-jähriger Patient mit arterieller Hypertonie sein Lebenszeitrisiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis von 63,3 Prozent auf 46,1 Prozent senken kann, wenn er konsequent seine Blutdruckmedikamente einnimmt. Ohne die Behandlung verliert er im Durchschnitt 5 Lebensjahre, in denen er frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Am niedrigsten war das Risiko auf zukünftige kardiovaskuläre Erkrankungen bei einem systolischen Blutdruck von 90 bis 114 mm Hg und einem diastolischen Blutdruck von 60 bis 74 mm Hg, wobei kein Anstieg bei niedrigeren Werten (sogenannte J-Kurve) erkennbar war. Neu ist die Erkenntnis, dass der Blutdruck durchaus einen differenzierten Einfluss auf die einzelnen Erkrankungen hat.

Die Auswirkungen des systolischen Blutdrucks waren am größten bei der stabilen Angina pectoris sowie bei intrazerebralen Blutungen und der Subarachnoidalblutung. Das Risiko auf eine stabile Angina pectoris nimmt pro 20 mm Hg systolischem Blutdruckwert um 41 Prozent zu (Hazard Ratio HR 1,41, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,36-1,46). Bei der intrazerebralen Blutung beträgt der Anstieg pro 20 mm Hg systolischem Blutdruckwert 44 Prozent (HR 1,44; 1,32-1,58), bei der Subarachnoidalblutung 43 Prozent (HR 1,43; 1,25-1,63).

Das Risiko auf ein abdominales Aortenaneurysma ist dagegen an den diastolischen Blutdruck gebunden: Pro 10 mm Hg steigt das Risiko um 45 Prozent (HR 1,45: 1,34-1,56). Bei jüngeren Patienten führt eine arterielle Hypertonie vor allem durch Herzinfarkte zu einem Verlust von Lebensjahren ohne Herzkreislaufschäden, bei einem 80-jährigen Patienten wirkt sich die Hypertonie vor allem auf eine erhöhte Rate von Herzinsuffizienzen aus. © rme/aerzteblatt.de

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