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Risiko für Chemo­therapie-assoziierte Infertilität von jungen Krebspatientinnen lässt sich durch LHRH-Analogon reduzieren

Sonntag, 1. Juni 2014

Chicago – Eine vorzeitige Menopause durch Funktionsverlust der Ovarien ist eine bekannte unerwünschte Wirkung von Zytostatika bei Krebspatientinnen im fruchtbaren Alter und für Frauen mit Kinderwunsch oft ein großes Problem. Das Risiko für Infertilität ist unter anderem vom Alter der Frauen und Art und Intensität der Chemotherapie abhängig.

In einer internationalen Phase-III-Studie (POEMS: Prevention of Early Menopause Study) ist untersucht worden, ob Goserelin, ein Analogon des Luteinisierenden-Hormon-Releasing-Hormons (LHRH) das Risiko für eine Zytostatika-assoziierte Unfruchtbarkeit  bei Brustkrebspatientinnen im Alter unter 50 Jahren reduzieren kann. „Die Rationale für die Studie ist die Annahme, dass LHRH-Analoga die Funktion der Eierstöcke vorüber­gehend zum Erliegen bringen“, erläuterte Halle Moore von der Cleveland Clinic in Cleveland, Ohio, bei der 50. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago.

„In diesem temporär der  Postmenopause vergleichbaren Status könnten die Follikel gegenüber toxischen Effekten der Zytostatika weniger empfindlich sein, so die Hypo­these. Bisherige Studiendaten ergaben allerdings keine Antwort auf die Frage, ob LHRH-Analoga einen präventiven Effekt haben könnten.“

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In die POEMS-Studie wurden 257 prämenopausale Frauen mit Hormonrezeptor-negativem Mammakarzinom (weder erhöhte Östrogen- noch Progesteronrezeptor-Expression) im Alter von 18 bis 49 Jahren eingeschlossen. Nach Stratifizierung nach Alter und Art der Cyclophosphamidbasierten neoadjuvanten oder adjuvanten Chemo­therapie wurden die Teilnehmerinen randomisiert in eine Gruppe, die wöchentlich subkutan 3,6 mg Goserelin erhielt mit Start eine Woche vor Beginn der Chemotherapie, oder in einen zweiten Studienarm ohne Goserelin.

Primärer Endpunkt war ein vorzeitiger Funktionsverlust der Ovarien (POF, premature ovarian failure) für mindestens zwei Jahre. Die Definition eines POF war eine sechs­monatige Amenorrhöe und erhöhte postmenopausale Plasmaspiegel des Follikel­stimulierenden Hormons FSH, die einer erniedrigte Östrogenproduktion anzeigen.

Nach zwei Jahren erfüllten 22 Prozent der Patientinnen im Standardarm beide Kriterien, aber nur 8 Prozent unter Goserelin (Odds Ratio 0,30; p = 0,04). Eines der Kriterien erfüllten 45 Prozent der Frauen im Standardtherapiearm, aber nur 20 Prozent in der Goserelin-Gruppe (Odds Ratio 0,29; p = 0,006). Unter Chemotherapie plus Goserelin wurden 21 Prozent der Frauen schwanger, unter Chemoterhapie alleine elf Prozent (Odds Ratio 2,45; p = 0,03), die Geburtenrate war doppelt so hoch in der Goserelin­gruppe.

Auch das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben waren günstiger unter Goserelin (4-Jahresraten 89 vs. 78 % und 92 vs. 82 %; p = 0,05). „Dieser Unterschied im krankheitsfreien und im Gesamtüberleben hat uns positiv überrascht, wir bewerten sie als Bestätigung der Sicherheit der Therapie“, sagte Moore. Prämenopausale Frauen, die die Diagnose Brustkrebs erhalten – in den USA Schätzungen zu Folge bei 25 Prozent der Mammakarzinom-Neuerkrankungen – könnten eine präventive LHRH-Analoga-Behandlung erwägen.

„Die Studie belegt mit hoher Evidenz, dass sich Überleben und Fertilität prämeno­pausaler Mammakarzinompatientinnen mit dieser Therapieoption optimieren lassen“, kommentierte Patricia A Ganz von der University of California in Los Angeles. Es sei die erste grosse klinische Studie mit klarem Ergebnis zu dieser Fragestellung.

Zum ASCO-Jahreskongress werden bis zum Dienstag mehr als 33.000 Teilnehmer erwartet. Die ASCO ist mit circa 38 500 Mitgliedern die größte internationale onkologische Fachgesellschaft. Ihr wird eine hohe meinungsbildende Rolle bei der Entwicklung von Therapie- und Qualitaetsstandards zugeschrieben. © nsi/aerzteblatt.de

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