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Viele Kita-Kinder essen zu ungesund

Montag, 2. Juni 2014

dpa

Gütersloh – Zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse: Das Essen in deutschen Kitas ist zu selten ausgewogen. Dies geht aus einer repräsentativen Erhebung der Bertelsmann Stiftung hervor. Bei der Umfrage in fast 1.100 Kindertagesstätten in allen Bundesländern gab nur rund ein Drittel der Einrichtungen an, sich an anerkannten Standards bei der Essenauswahl zu orientieren – etwa den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Die Auswertung der Speisepläne zeigte: Nur bei 12 Prozent der Kitas bekommen die Kinder genügend Obst, nur 19 Prozent reichen ausreichend Salat oder Rohkost. Den DGE-Standard für Fisch halten nur 30 Prozent ein. Fleisch dagegen wird in rund 75 Prozent der Kitas zu häufig angeboten. Laut der Studie, über die der Spiegel zunächst berichtet hatte, zahlen Eltern im Schnitt 2,40 Euro für ein Mittagessen ihrer Kinder. Für eine ausgewogene Mahlzeit müssten es laut Studie und DGE-Standards rund 4 Euro sein.

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75 Cent bis 6 Euro für eine Mahlzeit
Die Spanne reichte in der Umfrage von 75 Cent bis 6 Euro für eine Mahlzeit. „Bund, Länder, Kommunen, Träger und Eltern müssen sich verbindlich über die Finanzierung einer ausgewogenen Mittagsmahlzeit verständigen, damit jedes Kind in der Kita gesund verpflegt werden kann“, verlangt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sagte der Passauer Neuen Presse vom Dienstag: „Wir müssen gerade auch bei den Kindern und den Kleinsten auf Qualität beim Essen achten. Deshalb werbe ich dafür, dass wir solche Qualitätsstandards in allen Kitas bekommen.“

Auch Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Manuela Schwesig (SPD) plädierte für eine Orientierung an den DGE-Standards. „Noch in diesem Jahr wird es eine erste Bund-Länder-Konferenz zur Kindertagesbetreuung geben, bei der die Qualität von Kitas im Fokus stehen wird“, sagte Schwesig. Dabei werde auch das Thema „Gesunde Ernährung“ eine Rolle spielen.

Studie: Für eine ausgewogene Ernährung sind 1,8 Milliarden Euro notwendig
Die Studie „Is(s)t Kita gut?“ kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich 1,8 Milliarden Euro bundesweit ausgegeben werden müssten, wenn jedes Kita-Kind täglich ein ausgewo­genes Mittagessen bekommen soll. Das seien bis zu 750 Millionen Euro mehr, als Eltern jetzt ausgegeben, heißt es in der Pressemitteilung der Stiftung.

Im ARD-“Morgenmagazin“ schlug Dräger am Montag vor, für eine einheitliche Qualität in Deutschlands Kitas Essenstandards in einem Bundes-Kita-Gesetz festzulegen. „Dann weiß jeder in Deutschland, jede Kita, jeder Träger, wonach sie sich richten können und dann werden wir hoffentlich auch zu besserem Essen kommen“, sagte Dräger. „Die Ausstattung ist auch nicht immer gemäß. Eigene Essensräume, gute Küchen und Ähnliches. Und im Endeffekt (...) geht es natürlich auch ein Stück ums Geld.“

Nach Angaben der Stiftung werden bundesweit mehr als 1,8 Millionen Kinder am Mittag in einer Kita verpflegt (Stand März 2013). Bei den unter drei Jahre alten Kindern seien es 80 Prozent, bei den älteren 60 Prozent. Je nach Bundesland gibt es große Unterschiede. In Ostdeutschland gehört das Mittagessen zum Standard.

Nur knapp ein Drittel der Kitas kochen selbst
Nur knapp ein Drittel der Kindertageseinrichtungen bereiten alle Speisen selbst zu. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) lässt sich das Essen warm liefern, bei über 7 Prozent kommt das Essen tiefgekühlt. Der Rest entfällt auf andere Verfahren. Dabei werden nur 9 Prozent der Kitas von Lieferanten bedient, die auf die Zielgruppe spezialisiert sind.

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ich kann nicht Erwachsenen-Essen nehmen, eine kleinere Portion machen und das den Kindern hinstellen. Das ist ein bisschen einfach“, sagte Dräger in der ARD. „Da brauchen die Kinder wirklich für ihr Aufwachsen in dem jungen Alter auch besonderes Essen. (...) Mehr Obst, mehr Salat, das täte nicht schlecht.“

Nach Empfehlung der DGE brauchen Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren etwa 1000, zwischen vier und sechs Jahren rund 1500 Kalorien am Tag. Als Faustformel gilt: zwei Drittel pflanzliche, ein Drittel tierische Lebensmittel. © dpa/aerzteblatt.de

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