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Politik

Koalition gegen den Schmerz: Kritik an Opioid-Substitution

Dienstag, 3. Juni 2014

Berlin – Den heutigen „Aktionstag gegen Schmerzen“ haben Fachleute zum Anlass genommen, erneut gegen die Substitution von Opioiden in der ambulanten Versorgung von Schmerzpatienten zu protestieren, die in den vergangenen Jahren durch Rabatt­verträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen zugenommen hat. Auf seiner jüngsten Sitzung Mitte Mai habe es der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erneut unterlassen, das von Patientenorganisationen, Schmerzfachgesellschaften und Pharmakologen mit Nachdruck geforderte Substitutionsverbot von Opioid-Analgetika umzusetzen, heißt es in einer Stellungnahme von Vertretern der „Koalition gegen den Schmerz“. Dabei habe sich der Petitionsausschuss des Bundestags bereits 2012 den Forderungen der Deutschen Schmerzliga nach einem Austauschverbot angeschlossen.

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Henning Blume, Mitautor der Leitlinie zur guten Substitutionspraxis der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, verwies darauf, dass ein Präparate­austausch sowohl bei dauerhaft gut eingestellten Patienten als auch bei schwierigen Arzneiformen kritisch zu bewerten sei. Auf chronische Schmerzpatienten träfe beides zu: „Jeder Präparatewechsel ist ein Problem.“

Zwar sei die Wirksamkeit der verschiedenen Generika durch ihre Zulassung belegt, erläuterte Blume. Doch die Überprüfung ihrer Austauschbarkeit, vor allem der präparateabhängigen Bioverfügbarkeit, sei nicht Gegenstand der Zulassung. Das ist nach Ansicht des Pharmazeuten vor allem im Hinblick auf Retardformen ein Problem.

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„Jeder Austausch ist ein Problem“
Es bereite ihm „große Sorge, dass die deutlichen Unterschiede nicht berücksichtigt werden“, erklärte auch Michael Schäfer, designierter Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, ergänzte, es gehe „nicht darum, die Hersteller zu schützen“, schon gar nicht die von Originalpräparaten: „Jeder Austausch ist ein Problem.“

Zahlreiche Patienten seien auf Generika eingestellt. Erhielten sie nun ein Original­präparat, weil ihre Krankenkasse einen entsprechenden Vertrag mit einer Pharmafirma abgeschlossen habe, bekämen sie oft Schwierigkeiten. Durch solche Umstellungen lässt sich nach Auffassung der Experten nur kurzfristig Geld sparen.

Auf längere Sicht führten die damit verbundenen Probleme für Schmerzpatienten häufig zu einem Mehraufwand in Praxen, zu Krankenhauseinweisungen und Phasen der Arbeitsunfähigkeit. „Eine neue Einstellung kostet Lebenszeit, Geld, Energie“, kritisierte Müller-Schwefe. Im Durchschnitt erkaufe man einen Euro an eingesparten Arzneimittel­kosten bei 85 Prozent der betroffenen Patienten mit einer Verschlechterung der Schmerzen.

Ältere Patienten durch Substitution oft verunsichert
Unzufrieden ist auch Birgitta Gibson, Schmerzpatientin und Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga. Gibson hatte seinerzeit die erfolgreiche Petition im Bundestag auf den Weg gebracht. „Wir haben bis jetzt dadurch nichts erreicht“, resümierte sie am Aktionstag gegen Schmerzen. Gerade ältere Patienten verunsichere die Substitution ihres bekannten Medikaments sehr häufig. In einer Umfrage der Schmerzliga hätten fast alle teilnehmenden Patienten angegeben, „von heute auf morgen umgestellt worden zu sein“.

Die Hälfte gab an, nicht vom verschreibenden Arzt aufgeklärt, sondern in der Apotheke von der Änderung überrascht worden zu sein. Wenn Ärzte Patienten informierten, würde fast immer ein günstigerer Preis als Grund der Substitution genannt, sagte Gibson: „Ich finde den Druck, der auf Ärzte ausgeübt wird, unverantwortlich.“ © Rie/aerzteblatt.de

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