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Medizin

Antipsychotika in der Schwangerschaft können dem Kind schaden

Mittwoch, 4. Juni 2014

Melbourne – Die Einnahme von Antipsychotika in der Schwangerschaft geht mit einer erhöhten Rate von Frühgeburten und Gesundheitsschäden der Kinder einher. In der Analyse eines australischen Patientenregisters in PLOS ONE (2014; 9(5): e94788) war auch die Zahl der Fehlbildungen erhöht.

Über die Sicherheit von Antipsychotika in der Schwangerschaft ist wenig bekannt. Psychiater der Monash Universität in Melbourne haben deshalb 2005 das Australian National Register of Antipsychotic Medication in Pregnancy ins Leben gerufen. Es sammelt bisher die Daten von 147 Frauen, die während der Schwangerschaft mit Antipsychotika behandelt worden waren. Die Frauen wurden während der Schwanger­schaft alle sechs Wochen untersucht, die Entwicklung der Kinder wurde bis zum ersten Geburtstag dokumentiert.

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Die Frauen hatten zu jeweils 42 Prozent an Psychosen und bipolaren Störungen gelitten. Die übrigen Patientinnen hatten die Antipsychotika zur Behandlung von Depressionen, Angst­störungen, Zwangsstörungen oder zur Behandlung eines Borderline-Syndroms erhalten. Am häufigsten eingesetzt wurden (in dieser Reihenfolge) Quetiapin, Olanzapin, Aripiprazol und Risperidon, aber auch Haloperidol wurde vereinzelt verordnet.

Die Bedingungen der Kinder waren bereits während der Schwangerschaft erschwert, die bei 22 Prozent durch einen Gestationsdiabetes kompliziert wurde. In 3,4 Prozent der Fälle kam es zu einer Fehl- oder Totgeburt. 18 Prozent der Kinder wurden zu früh geboren, wobei das Risiko mit der Dosis der Medikamente stieg. Dies weist auf einen kausalen Zusammenhang hin, der allerdings in einer Beobach­tungsstudie nicht belegt werden kann.

Nach der Geburt wurden 43 Prozent der Kinder auf einer Neugeborenenstation oder einer Intensivstation behandelt. Die Rate ist laut Erstautorin Jayashri Kulkarni dreimal so hoch wie im australischen Durchschnitt. Die wichtigsten Gründe waren Atemwegs­probleme, die bei 37 Prozent der Kinder diagnostiziert wurden, sowie Entzugssymptome, die die Ärzte bei 15 Prozent der Neugeborenen beobachteten.

Bei acht Kindern wurden Fehlbildungen festgestellt: Dies waren ein Vorhofseptumdefekt nach Exposition mit Quetiapin und Zuclopenthixol, eine Lippengaumenspalte plus Hydrocephalus (nach Quetiapin); eine Kombination aus Pulmonalatresie und Vorhofseptumdefekt (Quetiapin); Fehlbildungen der Sammelrohre in den Nieren plus bilateraler Klumpfuß (Risperidon), Craniosynostose, Hypospadie plus Hypertelorismus (Clozapin), Gastroschisis plus Hufeisenniere (Clozapin); bilaterale Hüftdysplasie (Olanzapin) sowie ein CHARGE-Syndrom (Risperidon).

Die hohe Rate von Gesundheitsschäden bis hin zu Fehlbildungen sind aus Sicht von Kulkarni keine absolute Kontraindikation für den Einsatz der Medikamente, da eine unbehandelte Psychose Schwangerschaft und Gesundheit des Kindes ebenfalls gefährden könne. Die Ärzte sollten Nutzen und Risiken jedoch sorgfältig abwägen und die Patientin darauf vorbereiten, dass es zu Problemen kommen kann. © rme/aerzteblatt.de

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