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Medizin

MRSA: Einmalgabe eines Antibiotikums kann Hautinfektionen heilen

Donnerstag, 5. Juni 2014

dpa

Durham – Eine einzige Infusion mit dem Antibiotikum Oritavancin hat in einer rando­misierten Studie im New England Journal of Medicine (2014; 370: 2180-90) Hautin­fektionen ebenso häufig zur Abheilung gebracht wie eine Standardtherapie mit Vanco­mycin, die zweimal täglich über sieben bis zehn Tage wiederholt werden muss. Der Hersteller hofft noch in diesem Jahr auf eine Zulassung.

Oritavancin gehört wie Vancomycin zu den Glykopeptid-Antibiotika, die den Aufbau der Zellwand von grampositiven Bakterien hemmen. Zu diesen Keimen gehört auch Staphylo­coccus aureus, der sich – vor allem in Form der multiresistenten MRSA – in den letzten Jahren zu einem Problemkeim von Haut- und Weichteilinfektionen entwickelt hat.

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Vancomycin ist ein effektives Reserveantibiotikum geblieben, doch die Anwendung ist umständlich. Aufgrund seiner kurzen Halbwertzeit muss Vancomyin zweimal täglich infundiert werden. Allein dies macht einen Kranken­haus­auf­enthalt erforderlich, wo der Patient dann möglicherweise weiteren resistenten Keimen ausgesetzt ist.

Oritavancin hat eine deutlich längere Halbwertzeit, was eine einmalige Anwendung ermöglicht. Außerdem wird es sowohl über die Galle als auch über die Niere ausge­schieden, so dass die Dosis nicht an die Nierenfunktion angepasst werden muss und auch Patienten mit leichten Leberschäden behandelt werden können. Diese günstigen Wirkungen sind offenbar lang übersehen worden, denn in den ersten klinischen Studien wurde Oritavancin noch einmal täglich über 3 bis 7 Tage gegeben.

Als die US-Arzneibehörde FDA dann 2008 weitere Studien forderte, nahm der damalige Lizenzbesitzer Targanta Therapeutics den Zulassungsantrag zurück. Zuvor hatte bereits InterMune den ursprünglich von Eli Lilly entwickelten Wirkstoff klinisch getestet. Im Jahr 2009 übernahm dann die in Parsippany/New Jersey und Zürich ansässige Pharmafirma The Medicine Company die Lizenz. Die daraufhin initiierte SOLO I-Studie an 954 Patien­ten mit Hautinfektionen durch gram-positive Erreger konnte inzwischen beendet werden. Ihre jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die einmalige Infusion von Oritavancin der Standardtherapie mit Vancomycin gleichwertig ist.

Primärer Endpunkt war ein Ende der Ausbreitung oder ein Rückgang der Infektion in einem fieberfreien Patienten, der keine weiteren Antibiotika benötigte. Dies wurde laut dem Team um Ralph Corey vom Duke University Medical Center in Durham/North Carolina mit Oritavancin bei 82,3 Prozent der Patienten erreicht gegenüber einem Anteil von 78,9 Prozent unter Vancomycin.

Auch in den sekundären Endpunkten waren beide Antibiotika gleichwertig: Bei 79,6 gegenüber 80,0 Prozent konstatierten die Ärzte eine Heilung und bei 86,9 gegenüber 82,9 Prozent kam es zu einer Verringerung der Hautinfektion um mindestens 20 Prozent. Auch hinsichtlich der Nebenwirkungen unterscheiden sich die beiden Antibiotika kaum. Nur der Anteil der Patienten mit Nausea war höher (11,0 versus 8,9 Prozent).

Beobachter hoffen noch in diesem Jahr auf eine Zulassung (und auf einen vertretbaren Preis). Das neue Antibiotikum könnte in der Tat die Behandlung von Haut- und Weichteilinfektionen erleichtern und in vielen Fällen eine ambulante Behandlung ermöglichen. Ein ähnlicher Wirkstoff, Dalbavancin, wurde erst vor wenigen Tagen in den USA zur Behandlung von akuten bakteriellen Haut- und Weichteilinfektionen zugelassen.

Dalbavancin ist ebenfalls ein Glykopeptid-Antibiotikum mit einer langen Halbwertzeit. In der Zulassungsstudie, deren Ergebnisse jetzt ebenfalls im New England Journal of Medicine (NEJM 2014; 370: 2169-79) veröffentlich wurden, erhielten die Patienten zwei Infusionen im Abstand von einer Woche.

Wie bei Oritavancin war die klinische Entwicklung von Dalbavancin zwischenzeitig abgebrochen worden, bis eine kleinere Firma (Durata Therapeutics) die Chance ergriff. Beide Wirkstoffe sind nach Einschätzung des Editorialisten Henry Chambers von der Universität von Kalifornien in San Francisco gleichwertig. Da sie den gleichen Wirkungs­mechanismus haben wie Vancomycin, dürften sie allerdings anfällig gegenüber Resistenzen sein. Die Innovation bei beiden Medikamenten liegt in erster Linie in der einfacheren Anwendung.

© rme/aerzteblatt.de

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