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Medizin

Mammo­graphie-„Skandal“ im Ruhrgebiet: Privatfehde oder Versagen der Kontrollorgane?

Donnerstag, 5. Juni 2014

dpa

Köln – Nach Veröffentlichungen von NDR/WDR und Süddeutscher Zeitung, dass ein Radiologe das Brustkrebs-Vorsorgeprogramm für die Region Essen, Mülheim, Oberhausen über Jahre ohne die erforderliche Qualifikation geleitet habe, ist eine Diskussion über die Qualität von Kontrollmechanismen des Mammographie-Screening-Programms entbrannt.

Die Kritik richtet sich vor allem an das Referenzzentrum Mammographie Münster, das für die Koordination, Qualitätssicherung und Evaluation des Screeningprogramms in Nordrhein-Westfalen zuständig ist, sowie an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. Letztere hält die derzeitige Berichterstattung zum Mammographie-Skandal für „weitgehend unzutreffend und irreführend“, so Pressesprecher Heiko Schmitz zum Deutschen Ärzteblatt. Es werde der Eindruck erweckt, die KV Nordrhein habe jahrelang toleriert, dass ein unqualifizierter Arzt fehlerhafte Befunde erstellt hat. „Diese Darstellung ist falsch“, sagte Schmitz.

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Nach Ansicht von Walter Heindel, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie der Universität Münster und Leiter des dortigen Referenzzentrums Mammographie, dürfen die derzeitigen Berichte über eventuelle Mängel nicht dazu führen, dass „die guten methodischen Ansätze und die bisher erreichten Ergebnisse des Mammographie-Screenings grundsätzlich infrage gestellt werden.“

Mammographie-„Skandal“ im Ruhrgebiet: Privatfehde oder Versagen der Kontrollorgane?

Es wird diskutiert, ob ein Essener Radiologe Opfer einer Intrige wurde oder ob in seiner Screening-Einheit gravierende Qualitätsmängel bestanden. Nach den Veröffentlichungen von NDR/WDR und „Süddeutscher Zeitung“, dass ein Essener Radiologe das Brustkrebs-Vorsorgeprogramm für die Region Essen, Mülheim, Oberhausen über Jahre

Heindel betonte, dass er wiederholt als medizinischer Sachverständiger die Screening-Einheit Oberhausen–Essen–Mülheim aufgesucht und Stellungnahmen abgegeben habe. Wegen des laufenden Verfahrens könne er dazu jedoch derzeit keine Details veröffent­lichen. „Gleichzeitig ist aber offenkundig geworden, dass durch die systema­tische Qualitätssicherung mit diversen Prozess- und Ergebnisevaluationen gerade auch die Defizite erkannt werden – ja, nur dadurch überhaupt erkannt werden können.

Die Fehlererkennung innerhalb eines Qualitätssicherungsprozesses und die sich daraus ableitenden juristischen Konsequenzen sind dabei allerdings wieder getrennt voneinander zu betrachten“, sagt Heindel im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Im Rahmen sogenannter Zertifizierungs- beziehungsweise Rezertifizierungsverfahren werden alle Mammographie-Screening-Einheiten regelmäßig hinsichtlich ihrer Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität überprüft. © zyl/aerzteblatt.de

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