NewsMedizinMammo­graphie-„Skandal“ im Ruhrgebiet: Privatfehde oder Versagen der Kontrollorgane?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mammo­graphie-„Skandal“ im Ruhrgebiet: Privatfehde oder Versagen der Kontrollorgane?

Donnerstag, 5. Juni 2014

dpa

Köln – Nach Veröffentlichungen von NDR/WDR und Süddeutscher Zeitung, dass ein Radiologe das Brustkrebs-Vorsorgeprogramm für die Region Essen, Mülheim, Oberhausen über Jahre ohne die erforderliche Qualifikation geleitet habe, ist eine Diskussion über die Qualität von Kontrollmechanismen des Mammographie-Screening-Programms entbrannt.

Die Kritik richtet sich vor allem an das Referenzzentrum Mammographie Münster, das für die Koordination, Qualitätssicherung und Evaluation des Screeningprogramms in Nordrhein-Westfalen zuständig ist, sowie an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. Letztere hält die derzeitige Berichterstattung zum Mammographie-Skandal für „weitgehend unzutreffend und irreführend“, so Pressesprecher Heiko Schmitz zum Deutschen Ärzteblatt. Es werde der Eindruck erweckt, die KV Nordrhein habe jahrelang toleriert, dass ein unqualifizierter Arzt fehlerhafte Befunde erstellt hat. „Diese Darstellung ist falsch“, sagte Schmitz.

Anzeige

Nach Ansicht von Walter Heindel, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie der Universität Münster und Leiter des dortigen Referenzzentrums Mammographie, dürfen die derzeitigen Berichte über eventuelle Mängel nicht dazu führen, dass „die guten methodischen Ansätze und die bisher erreichten Ergebnisse des Mammographie-Screenings grundsätzlich infrage gestellt werden.“

Mammographie-„Skandal“ im Ruhrgebiet: Privatfehde oder Versagen der Kontrollorgane?

Es wird diskutiert, ob ein Essener Radiologe Opfer einer Intrige wurde oder ob in seiner Screening-Einheit gravierende Qualitätsmängel bestanden. Nach den Veröffentlichungen von NDR/WDR und „Süddeutscher Zeitung“, dass ein Essener Radiologe das Brustkrebs-Vorsorgeprogramm für die Region Essen, Mülheim, Oberhausen über Jahre

Heindel betonte, dass er wiederholt als medizinischer Sachverständiger die Screening-Einheit Oberhausen–Essen–Mülheim aufgesucht und Stellungnahmen abgegeben habe. Wegen des laufenden Verfahrens könne er dazu jedoch derzeit keine Details veröffent­lichen. „Gleichzeitig ist aber offenkundig geworden, dass durch die systema­tische Qualitätssicherung mit diversen Prozess- und Ergebnisevaluationen gerade auch die Defizite erkannt werden – ja, nur dadurch überhaupt erkannt werden können.

Die Fehlererkennung innerhalb eines Qualitätssicherungsprozesses und die sich daraus ableitenden juristischen Konsequenzen sind dabei allerdings wieder getrennt voneinander zu betrachten“, sagt Heindel im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Im Rahmen sogenannter Zertifizierungs- beziehungsweise Rezertifizierungsverfahren werden alle Mammographie-Screening-Einheiten regelmäßig hinsichtlich ihrer Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität überprüft. © zyl/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

8. Oktober 2019
Bremen – Scharfe Kritik an einer Empfehlung im British Medical Journal (BMJ) zum Darmkrebsscreening hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) geübt. In dem Beitrag
Präventionsforscher betonen Bedeutung des Darmkrebsscreenings
30. September 2019
Salzgitter – Die Politik dringt darauf, dass Untersuchungen zur Früherkennung schwerer Krankheiten mittels Computertomografie (CT), die rechtlich unzulässig sind, nicht weiter angeboten werden dürfen.
Computertomografie: Illegale Angebote zur Früherkennung müssen verschwinden
27. September 2019
Heidelberg – Die Genetik spielt beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko offenbar eine weniger wichtige Rolle als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine epidemiologische Studie des Deutschen
Beim familiären Darmkrebsrisiko werden die Gene überschätzt
17. September 2019
Salzgitter – Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat das Angebot von Arztpraxen und Krankenhäusern für Früherkennungsuntersuchungen mittels Computertomografie (CT) scharf kritisiert.
Bundesamt kritisiert angebotene Früherkennungsuntersuchungen mit Computertomografie als rechtswidrig
10. September 2019
Berlin – Die Prävention und Früherkennung von Krebserkrankungen sowie die Forschung zum Thema sollen künftig einen viel höheren Stellenwert erhalten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn und
Offensive zur Krebsprävention
21. August 2019
Heidelberg – Der nach der Bluttest-Affäre freigestellte Justiziar des Heidelberger Universitätsklinikums ist vor dem Arbeitsgericht gescheitert. Der Leiter der Rechtsabteilung des Klinikums, Markus
Justiziar der Heidelberger Uniklinik scheitert vor Arbeitsgericht
8. August 2019
Seattle/Palo Alto – Für das Pankreaskarzinom gibt es weiterhin keine effektive Früherkennung. Dies zeigt ein Evidenzreport der „United States Preventive Services Task Force“ (USPSTF) im amerikanischen
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER