NewsÄrzteschaftNeuer EBM: Gesprächsziffer wurde nur selten abgerechnet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Neuer EBM: Gesprächsziffer wurde nur selten abgerechnet

Donnerstag, 5. Juni 2014

Regina Feldmann

Berlin – Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), ist mit den Ergebnissen der ersten Abrechnungen nach dem neuen Hausarztkapitel im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) zufrieden, weil es „keine deutlichen Verwer­fungen“ gegeben habe. Der Gesamtleistungsbedarf der Hausärztinnen und Hausärzte hat sich den ersten Auswertungen zufolge im vierten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,1 Prozent erhöht.

Die Spanne reicht dabei für das Kapitel 3 von 0,8 Prozent in Hessen bis zu 6,4 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Zu welchen Honorareffekten dies bei den Hausärzten in den einzelnen Bundesländern geführt hat, konnte Feldmann nicht sagen, weil überall andere Honorarverteilungsmaßstäbe gelten.

Anzeige

Bei der Analyse der ersten Abrechnungen hat sich aber auch gezeigt, dass das zusätzlich bereitgestellte Geld für die neuen Leistungen wohl nicht ausreichen wird. Außerdem rechnen die Hausärzte die neue Gesprächsziffer bislang seltener ab als angenommen, offenbar vor allem aus Sorge davor, in Plausibilitätskontrollen aufzufallen. Feldmann verwies aber darauf, dass es sich beim vierten Quartal 2013 um ein „Umstellungs­quartal“ handele. Das erste Quartal 2014 werde „sicher ein aussage­kräftigeres Quartal als das erste nach einer EBM-Reform“.

Seit Oktober 2013 gelten für Hausärztinnen und Hausärzte einige Neuerungen bei der Abrechnung. So werden ausführliche Gespräche mit einem Patienten und/oder dessen Bezugsperson im Zusammenhang mit einer lebensverändernden Erkrankung separat honoriert, allerdings im Rahmen eines Kontingents. Der Chronikerzuschlag wurde neu geregelt und kann in zwei Varianten abgerechnet werden, entweder nach einem persönlichen Arzt-Patient-Kontakt oder nach mindestens zweien.

Mehrere EBM-Leistungen wurden neu eingeführt beziehungsweise verbessert. So kann für die geriatrische Versorgung von Patienten eine Betreuungskomplexziffer abgerechnet werden. Die Bewertung des geriatrischen Basisassessments wurde erhöht. Zur Förderung der allgemeinen Palliativversorgung stehen nun vier Ziffern zur Verfügung. Auch eine Abrechnung für sozialpädiatrische Leistungen der Kinder- und Jugendärzte enthält das überarbeitete EBM-Kapitel. Für diese neu eingeführten Abrechnungsziffern stellen die Kassen rund 200 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Zu wenig Geld für Geriatrie und Palliativmedizin
Im Einzelnen zeigt sich beispielsweise, dass die neue Ziffer für das hausärztlich-geriatrische Basisassessment (03360) mehr als zehnmal so häufig abgerechnet wurde wie zuvor die alte, schlechter bewertete Ziffer (03240). Zusammen mit den abgerech­neten neuen palliativmedizinischen Leistungen führt dies nach Angaben der KBV dazu, dass die Unterfinanzierungsquote bei 220 Prozent liegt, also mehr als doppelt so viel Honorar benötigt würde wie finanziert.

An dieser Entwicklung zeige sich auch, „welchen Bevölkerungsanteil Hausarztpraxen vor allem versorgen“, erläuterte Feldmann, nämlich ältere Patientinnen und Patienten. Sie gab aber auch zu bedenken, dass das Basisassessment nicht jedes Quartal abgerech­net werden kann. Vorgesehen ist der Ansatz nur einmal im Behandlungsfall und maximal zweimal im Krankheitsfall. Deshalb könnten die Ergebnisse des ersten Quartals 2014 wieder anders aussehen.

Was die neue Gesprächsziffer anbelangt, so haben im vierten Quartal 2013 zwischen 53 und 76 Prozent der Hausärzte ihr Budget dafür gar nicht ausgeschöpft. Dies sei der Umstellung geschuldet, meinte Feldmann. Erstens müssten sich die Ärzte daran gewöhnen, diese neue Ziffer auch abzurechnen, wenn sie die Gesprächsleistung erbracht haben. Zweitens hätten sie wegen Unklarheiten zum Teil bis Ende 2013 noch befürchtet, durch eine zu häufig angesetzte Gesprächsziffer bei Plausibilitätsprüfungen aufzufallen. Feldmann geht davon aus, dass die neue Ziffer in Zukunft häufiger abgerechnet wird, aber man auch „keine explosionsartigen Entwicklungen“ zu erwarten habe.

Bei den neuen Chronikerpauschalen sind die ersten Ergebnisse scheinbar wider­sprüchlich: Einerseits hat die Leistungshäufigkeit in allen Ländern zugenommen, andererseits ist der Leistungsbedarf, also die Honorierung, um bundesdurchschnittlich zehn Prozent gesunken.

Feldmann erklärte das damit, dass eine der beiden Chronikerziffern mit 15 Euro zu niedrig angesetzt sei. Deshalb können insgesamt etwa 40 Millionen Euro an Honorar nicht abgerufen werden, obwohl sie eigentlich in den Honorartöpfen der Hausärzte bereit liegen. Hier sei man in Nachbesserungsgesprächen mit den Krankenkassen, so Feldmann. Aktuell geht es um eine Erhöhung von 15 Euro auf 17 Euro. © Rie/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #672734
isnydoc
am Mittwoch, 11. Juni 2014, 00:41

Totenstille und "Ruhen im Schacht" ... siehe Kommentar DÄB

"Die Ärztetagswoche Ende Mai in Düsseldorf verlief eher unaufgeregt: keine öffentlich ausgetragenen innerärztlichen Streitigkeiten, keine Abstimmungsergebnisse, die die Arbeit des Vorstands der Bundesärztekammer (BÄK) diskreditiert hätten, und auch keine Störfeuer vonseiten der Krankenkassen in Richtung der Ärzteschaft, wie es in den Vorjahren durchaus üblich war."
Wenn das mal nicht eine "positive Entwicklung" markiert, Herr Kollege Schaetzler ... weshalb kommen Sie da auf "Wagenburg-Mentalität"?
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 7. Juni 2014, 19:02

Wagenburg-Mentalität in der KBV!

Ich habe am 10.12.2013, im Dezember l e t z t e n Jahres, einen Brief an die KBV und an "meine" KVWL mit folgendem Wortlaut geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit setzt ich Sie davon in Kenntnis, dass der neue Hausarzt-EBM mit seiner Systematik der GOP 03220 und 03221 einen systematischen Fehler aufweist. Diese sogenannte "Chronikerziffer" mit der beim Erstkontakt anzusetzenden GOP 03220 (13,00 Euro) wird in der Abrechnung zunächst korrekt dokumentiert.

Mit dem Zweitkontakt und der GOP 03221 (insgesamt 15,00 Euro) wird die vorgenannte GOP 03220 dokumentar- und ersatzlos gelöscht. Das Gesamthonorar für 2 Chroniker-Beratungen beträgt insgesamt 15 Euro. Die somit von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung veranlasste Regelung verstößt mit der fehlenden dokumentarischen Nachweisbarkeit der GOP 03220 gegen zivil- und strafrechtliche Vorschriften einer transparenten, nachvollziehbaren, rechts- und dokumentations-sicheren Abrechnung ärztlicher Leistungen in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV).

Oder sollte mit dieser irreführenden Abrechnungsregel für vertragsärztliche Leistungen verschleiert werden, dass die 2. Chronikerberatung in Wahrheit nur mit 2,00 Euro bewertet wird?

Die neuen EBM GOP 03230/04230 kann man definitiv n i c h t "als Einzelleistung abrechnen". Denn Sie sind budgetiert und pro Patient pro Quartal nur h ä l f t i g abrechenbar. Sie betragen 90 Punkte (9,00 Euro); das Gesprächskontingent bei 1.000 Scheinen im Quartal beträgt 4,50 Euro (45 Punkte) vgl. www.kbv.de/honorar . Damit liegt der Arzt-Stundenlohn weit unterhalb von 27 bis maximal 54 Euro. Denn zwischen den theoretisch möglichen 6 Patienten pro Stunde sind Wechsel-, Dokumentations-, Verordnungs-, Therapie- und Rüstzeiten notwendig.

Wegen der Kürze der Zeit bis zur Abrechnung des 4. Quartals 2013 nach dem neuen Hausarzt-EBM erwarte ich einen rechtmittelfähigen Bescheid innerhalb 1 Woche.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Thomas G. Schätzler
Facharzt für Allgemeinmedizin
Kleppingstr. 24
44135 Dortmund
0231 523002
0177 3316852
th.g.schaetzler@gmx.de
und
http://www.springermedizin.de/blog-schaetzlers-schafott/2856296.html
http://news.doccheck.com/de/blog/8-schaetzlers-blog-auf-doccheck/

Diesen habe ich als "offenen Brief" unter "Schätzlers Schafott" am 11.12.2013 bei SpringerMedizinOnline mit dem Titel
"Brief an KBV und KVWL –
Was beim neuen Hausarzt-EBM einfach nicht in Ordnung ist!"
ins Netz gestellt:
http://www.springermedizin.de/was-beim-neuen-hausarzt-ebm-einfach-nicht-in-ordnung-ist/4869262.html

Bis heute keine Antwort, keine Bestätigung des Posteingangs. Totenstille und "Ruhen im Schacht", wie man hier bergmännisch zu sagen pflegt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

8. Oktober 2019
München – Die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) in Bayern hat im vergangenen Jahr 84 Weiterbildungsverbünde in Bayern betreut, damit ist das Bundesland laut Lan­des­ärz­te­kam­mer Bayern (BLÄK)
Weiterbildungsverbünde für Allgemeinmedizin decken ganz Bayern ab
2. Oktober 2019
Frankfurt am Main – Hausärzte in Hessen und die Kommunen des Bundeslandes können ab sofort Anträge auf Unterstützung durch eine Gemeindeschwester stellen. „Wir möchten Menschen, die Hilfe brauchen,
Hessische Hausärzte können Anträge auf Unterstützung durch Gemeindeschwester stellen
2. Oktober 2019
Stuttgart – Der Hausärzteverband Baden-Württemberg, MEDI Baden-Württemberg sowie mehr als 50 Betriebskrankenkassen haben nach zehn Jahren hausarztzentrierter Versorgung (HzV) in Baden-Württemberg ein
Positives Fazit nach zehn Jahren hausarztzentrierter Versorgung in Baden-Württemberg
27. September 2019
Berlin – Die Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes (DHÄV) hat heute in Berlin seinen langjährigen Bundesvorsitzenden Ulrich Weigeldt (69) wiedergewählt. Für den Hausarzt aus Bremen
Weigeldt als Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes wiedergewählt
26. September 2019
Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) will die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) weiter ausbauen und möglichst flächendeckend ausrollen. Das sei eine der Hauptaufgaben des Verbandes in den
Hausärzteverband will hausarztzentrierte Versorgung weiter ausbauen
12. September 2019
Berlin – Der überarbeitete Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) kommt nicht wie geplant zum 1. Januar 2020. Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte, sei in entscheidenden Fragen mit
Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs abermals verschoben
11. September 2019
Erfurt – Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) kann sich die Einführung von Gemeindeschwestern mit medizinischer Ausbildung in Thüringen vorstellen. Es gebe bereits das Modell „Schwester
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER