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Politik

Gröhe stellt neue Organspendekampagne vor

Freitag, 6. Juni 2014

Hermann Gröhe dpa

Berlin – Anlässlich des Tages der Organspende am 7. Juni 2014 warb Bundesgesund­heitsminister Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin für die neue gemeinsame Organspendekampagne des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Diese steht 2014 unter dem Motto „Ich entscheide. Informiert und aus Verantwortung.“ und knüpft damit an die Kampagne aus dem Vorjahr an, die unter dem Motto: “Das trägt man heute: den Organspendeausweis“ stand.

„Jede Organspende kann Leben retten. Aber nur der Organspendeausweis schafft Klarheit“, betonte Gröhe. Denn nur er gebe den Angehörigen die Gewissheit, in einer schwierigen Situation das Richtige zu tun. Vielen Menschen falle die Beschäftigung mit dem Thema Organspende schwer, doch man dürfe seine Angehörigen nicht mit einer Entscheidung allein lassen, sagte Gröhe. „Ziel unserer diesjährigen Kampagne ist, möglichst viele Menschen dafür zu gewinnen, einen Organspendeausweis zu tragen.“

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Trotz eines weiteren Rückgangs bei den Organspendern in Deutschland sieht Gröhe  keinen Anlass für eine grundlegende Änderung des Transplantationssystems. „Vertrauen ist sehr schnell zerstört und ist nur sehr schwer zurückzugewinnen“, sagte er.

Gesetzliche Regelungen zur Verteilung der Organe präzisieren
Die Grünen dagegen forderten mehr staatliche Kontrolle. Es könne nicht sein, dass in Deutschland im Wesentlichen Vereine und private Stiftungen über die Organisation des Transplantationswesens und die Verteilung der Organe entscheiden. „Das System darf auch nicht von denen kontrolliert werden, die selbst Akteure sind. Hier muss mehr öffentliche und staatliche Kontrolle organisiert werden“, betonten Elisabeth Scharfen­berg, Mitglied im Gesundheitsausschuss und Harald Terpe, Grünen-Obmann im Gesundheitsausschuss. Auch die gesetzlichen Regelungen zur Verteilung der Organe müssten präzisiert werden.

Anlass zu Optimismus gab Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. Gespräche zur Organ- und Gewebespende seien in den letzten Jahren zunehmend ein Thema im Familien- und Freundeskreis, berichtete sie. Dies zeigten die jüngsten Ergebnisse einer Repräsen­tativerhebung der BZgA.  „Unterhielten sich im Jahr 2012 noch 59 Prozent der Befragten darüber mit ihren Angehörigen, so sind es ein Jahr später bereits 65 Prozent. Diese positive Entwicklung gilt es weiter zu unterstützen.“ 

Am besten gelänge das durch Information. Menschen, die gut über die Organ- und Gewebespende informiert sind, würden sich eher entscheiden und auch mit ihren Angehörigen darüber sprechen. Mehr als 60 Prozent der Versicherten, die von ihren Krankenkassen zur Organspende informiert würden, hätten bereits einen Spender­ausweis ausgefüllt, sagte Pott. 

Als Paten für die Kampagne konnten BMG und BZgA unter anderem die Schauspieler Klaus J. Behrendt, Eva Habermann, Elisabeth Lanz und Roy Peter Link, die Moderatoren Sonya Kraus, Markus Lanz und Kamilla Senjo, den Komiker und Schauspieler Ralf Schmitz, den Olympiasieger im Gewichtheben Matthias Steiner und den Buchautor und Gewinner des diesjährigen Organpatenpreises David Wagner gewinnen.

Neben Großflächen-Plakaten und Zeitungsanzeigen wird der im letzten Jahr eingeführte Internetblog unter www.organspende-geschichten.de zu einem Online-Magazin ausgebaut. Zu finden sein werden dort Interviews mit den prominenten Kampagnenunterstützern, Reportagen von Menschen, für die das Thema Organspende zum Arbeitsalltag gehört, aber auch Geschichten von Spendern und Angehörigen.

Organspendezahlen: Weitere Rückgang erwartet
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) erwartet für dieses Jahr einen weiteren Rückgang der Organspender auf 204 – ohne die Lebendspender. 2012 hatte sie bei 281 und 2013 bei 230 gelegen. Der Vorstand der DSO, Axel Rahmel, hofft aber, dass das wegen der Manipulationsskandale verlorene Vertrauen der Bevölkerung zurückgewonnen werden kann. „Es gilt der Satz: tue Gutes und sprich darüber“, sagte Rahmel der Stuttgarter Zeitung.

Die weiterhin rapide sinkende Zahl von Organspende mache Patienten und Ärzten größte Sorge, sagte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. „Nur Wissen schafft Vertrauen. Und Wissen um die Organspende muss auch Grundlage für die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen sein“, so Windhorst. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe informiere deshalb Bürger in Vorträgen oder über ihre gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung getragene Patientenberatung. Zudem unterstütze die Kammer die Arbeit der Transplantationsbeauftragten in den Kliniken und durch spezielle Fortbildungsangebote auch die Qualifikation der Ärzte in Sachen Organspende und im Bereich der Hirntoddiagnostik.

Spende­bereitschaft auf einem Ausweisdokument oder der Krankenkarte dokumentieren
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) fordert unterdessen, die Spende­bereitschaft oder -ablehnung auf einem Ausweisdokument oder der Krankenkarte zu dokumentieren. „Wir wissen doch mittlerweile, dass das `Modell Organspendeausweis´ nicht funktioniert“, sagte der Präsident der Fachgesellschaft Jürgen Floege. Die Sorge um den Datenschutz erscheine „in Zeiten, wo die meisten Menschen freiwillig viel privatere Informationen auf den sozialen Netzwerken von sich preisgeben, als Scheinargument“, so Floege. © ER/aerzteblatt.de

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Avatar #107281
gerngesund
am Samstag, 7. Juni 2014, 16:52

Vertrauen braucht Information!

Die Informationen sind in der letzten Zeit deutlich besser geworden.
Je mehr Geheimniskrämerei, desto größer das Gefühl: Die wollen mir was unterjubeln.
Je mehr emotionale Werbung, desto größer das Gefühl: Die wollen mich über den Tisch ziehen.
Darum; Weniger Geld in teure emotionale Kampagnen, sondern maximale Information. Ruhig gestaffelt, und doch so, dass alles im Detail erklärt wird, wenn sich jemand dafür interessiert.
Also: Für die Hornhauttranplantation wird das ganze Auge entnommen und durch eine Protese ersetzt. Im Labor kann dann unter optimalen Bedingungen die Hornhaut entnommen und garantiert unverkeimt eingelagert werden. Die Verkeimung ist ein erhebliches Problem. Falls eine Einverständniserklärung vorläge, könnte mit dem restlichen Auge Forschung betrieben werden. (Wenn man mich nett danach fragt: Vielleicht würde ich ja sogar die Unterschrift dazu geben.) Ansonsten wird das restliche Auge entsprechend anderer Klinikgewebe "verworfen". Nächste spannende Frage: Was bedeutet das? Werden meine nicht mehr brauchbaren Gewebe einfach auf den Müll geworfen, oder wie wird eine pietätvolle Behandlung sichergestellt?

Wenn ich bei genügend für Stichproben alle Antworten dieser Art auf der Homepage von Organspende bzw. Gewebespende in vertrauensvoller Offenheit finde: Vielleicht höre ich dann sogar auf, weiter zu lesen, und sage: Mein Vertrauen habt Ihr. Hier ist meine Unterschrift.
Dann hätten sich die Spendeorganisationen, die Krankenkassen, die Politik das Vertrauen erworben.
Dann würde auch die Spendebereitschaft steigen.

Wenn ich mal mit Vertretern der Organ- und Gewebespendeorganisationen ins Gespräch komme, äußern sie für diesen Gedanken volles Verständnis. Jetzt müsst das also nur noch gut umgesetzt werden. Ich hoffe darauf!
Vertrauen braucht Information!
LNS

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