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Politik

Kinderchirurgen warnen vor Stürzen vom Wickeltisch

Freitag, 6. Juni 2014

dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) hat auf die Gefahren für Kleinkinder durch einen Sturz vom Wickeltisch hingewiesen. Demnach finden über 80 Prozent aller Verletzungen von Kindern unter zwei Jahren im häuslichen Umfeld statt. Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamts sind Stürze vom Wickeltisch dabei Unfallursache Nummer eins.

Der Fachgesellschaft zufolge können Stürze aus dieser Höhe bei Säuglingen und Kleinkindern zu schweren Verletzungen, insbesondere zu schweren Kopfverletzungen, führen. „Weil der Kopf kleiner Kinder relativ groß und schwer ist im Vergleich zu den anderen Körperteilen, trifft er meist als Erstes auf“, erklärte DGKCH-Pressesprecher Tobias Schuster, Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg.

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Schutzreflexe noch schwach ausgebildet
Zudem seien die Stürze so gefährlich, weil in diesem Alter die Schutzreflexe noch schwach ausgebildet sind und sich die noch nicht stabil verknöcherte, dünne Schädel­decke leicht eindrücken lässt. Außerdem reißen die noch zarten Blutgefäße im Bereich der Hirnhäute bei heftigen Stößen leicht ein und können dadurch bedrohliche Blutungen im Kopf verursachen.

Laut DGKCH stufen zwar Ärzte mehr als 90 Prozent der Schädel-Hirn-Traumen mit der Diagnose „Gehirnerschütterung“ bei Kindern als leicht ein. Doch nicht immer lasse sich die Schwere der Verletzung sofort beurteilen. „Deshalb ist in jedem Fall eine sorgfältige Beobachtung über 24 bis 48 Stunden nach dem Vorfall angezeigt“, sagte Schuster. Erscheine der Sturz harmlos und gehe es dem Kind gut, genüge zunächst die Über­wachung zu Hause durch die Eltern.

„War der Unfall eher schwer, zeigen sich eindeutige Verletzungen oder erscheint das Kind in seinem Verhalten verändert, sollte es unmittelbar ins Krankenhaus aufgenommen werden“, so der Kinderchirurg. Denn eine Blutung im Schädelinneren könne sich noch Stunden bis Tage nach dem Unfall bemerkbar machen. Zu den Symptomen gehören Erbrechen, Krampfanfälle, ein verändertes Wesen, Lust- und Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit oder Kopfschmerzen. „Die beiden Pupillen sollten bei gesunden Kindern normalerweise gleich groß sein und kleiner werden, wenn Licht darauf scheint. Ist dies nicht der Fall, ist das ein Alarmzeichen“, verwies Schuster.

Iim Zweifelsfall umgehend einen Arzt aufsuchen
Zudem empfehlen die Mediziner, Kinder im Zweifelsfall umgehend einem Kinderchirurgen oder Kinderarzt vorzustellen. Gleichzeitig gilt es, unnötige, das Kind zusätzlich belas­tende Untersuchungen und Maßnahmen zu vermeiden. Doch Vorbeugen sei nach wie vor die beste Therapie: „Kinder entwickeln sich sprunghaft und können sich von einem Tag auf den anderen plötzlich drehen, das ist Eltern oft nicht bewusst“; so Schuster.

Eltern sollten immer eine Hand am Kind haben, wenn es auf dem Wickeltisch liegt. Damit der Nachwuchs nicht herunterfallen kann, seien zudem hohe Seitenwände am Wickeltisch vorteilhaft. Empfehlenswert sei auch, unruhige, eingecremte oder nasse Kinder gleich auf dem Bett oder dem Boden zu wickeln. hil © hil/aerzteblatt.de

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