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Medizin

Essenzielles Spurenelement: Warum der Mensch Brom benötigt

Freitag, 6. Juni 2014

Nashville – Das Halogen Brom, das in jedem menschlichen Körper in Spuren vorhanden ist, fungiert als Co-Faktor des Enzyms Peroxidasin, das an der Kollagensynthese beteiligt ist. Dies haben US-Forscher herausgefunden. Ihre Publikation in Cell (2014; doi: org/10.1016/j.cell.2014.05.009) belegt, dass Brom ein essenzielles Spurenelement ist.

Die Fruchtfliege Drosophila melanogaster stirbt, wenn ihr Brom entzogen wird. Auch in den meisten anderen Lebewesen lässt sich das chemische Element nachweisen. Ob es für den Menschen ein essentielles Spurenelement ist, war bislang nicht bekannt. Denn bislang wussten die Biochemiker nicht, welche Funktion Brom im Körper hat.

Dies könnte sich durch die Forschungsergebnisse von Billy Hudson ändern, der am Vanderbilt University Medical Center die Stoffwechselwege bei der Kollagensynthese erforscht. Vor zwei Jahren hatte Mitautor Gautam Bhave entdeckt, dass das Enzym Peroxidasin, das zuvor bei Drosophila entdeckt wurde, auch im menschlichen Körper eine Funktion hat.

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Es verbindet Vorläufer des Kollagen IV-Moleküls über sogenannte Sulfilimin-Bindungen miteinander. Diese Sulfilimin-Bindungen waren erst vor 5 Jahren von Roberto Vanacore, einem weiteren Mitglied der Arbeitsgruppe, beim Menschen entdeckt worden.

Hudson hat jetzt herausgefunden, das Peroxidasin für diese Verknüpfung das chemische Element Brom benötigt. Ohne Brom kommt es zu einer Störung in der Synthese von Kollagen IV, was für den menschlichen Körper schädlich sein könnte. Die genauen Folgen sind derzeit nicht bekannt. Kollagen IV ist aber Bestandteil von Basalmembranen, unter anderem in der Niere.

Hudson hält es für möglich, dass ein Brommangel an der Entstehung des Goodpasture-Syndroms beteiligt ist, einer Autoimmunerkrankung der Niere. Ein Beweis steht aus und bei der Vermutung mag ein wenig Lokalpatriotismus mitschwingen. Die Erkrankung ist nämlich nach Ernest Goodpasture benannt, einem früheren Pathologen und Dekan des Vanderbilt University Medical Center.

Die Entdeckung hat Auswirkungen auf die Medizin. Zum einen stellt sich die Frage, ob es beim Menschen Brommangelzustände gibt. Zum anderen muss geprüft werden, ob Dialyseflüssigkeiten und parenterale Nährstofflösungen mit Brom versetzt werden müssen. © rme/aerzteblatt.de

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