NewsMedizinAuch Stadtkinder profitieren von früher Allergenexposition
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Auch Stadtkinder profitieren von früher Allergenexposition

Mittwoch, 11. Juni 2014

MIt Hilfe eines Prick-Tests bestimmten die Ärzte, ob die Kinder unter Atopien gegenüber Hund-, Katze-, Maus-, Milben- und Schabenallergenen litten /dpa

Madison – Der frühe Kontakt zu bestimmten Bakterien im Hausstaub könnte für Kinder, die in der Stadt aufwachsen, ein protektiver Faktor gegen Atopien sein. Forscher um James Gern an der University of Wisconsin berichten hierzu im Journal of Allergy and Clinical Immunology (http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2014.04.018 ).

Laut den Forschern leiden 35-50 Prozent aller Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr an wenigstens einem asthmaartigen Anfall. Nach der sogenannten Hygiene-Hypothese könnten allzu saubere Umweltbedingungen ein Risikofaktor für spätere Allergien sein. Das Leben auf dem Land soll nach dieser These der Entwicklung von Allergien entgegenwirken.

Anzeige

Unter anderem die 2001 in The Lancet veröffentlichte „ALEX-Studie“ gab den Anstoß zu dieser Hypothese (2001; 358:1129–1133). Einige Forschergruppen führen den Zusammenhang auf die stärkere Bakterienexposition durch das Landleben zurück. Ob möglicherweise auch der Hausstaub aus städtischen Wohnungen einen Effekt auf die Allergieentwicklung hat, wollten die Forscher mit ihrer Studie näher untersuchen.

Je ein Kind aus 506 US-amerikanischen städtischen Haushalten schlossen die Forscher in ihre prospektive Kohortenstudie ein. Alle Kinder hatten mindestens ein Elternteil, das bereits an Allergien litt. Vom dritten Monat bis zu ihrem dritten Lebensjahr maßen die Ärzte jährlich die IgE-Spiegel der Kinder und nahmen Hausstaubproben in den Woh­nungen. Mithilfe der IgE-Analyse und eines Prick-Tests bestimmten sie, ob die Kinder unter Atopien gegenüber Hund-, Katze-, Maus-, Milben- und Schabenallergenen litten.

Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass der regelmäßige Kontakt zu Schaben-, Katzen- und Mausallergenen die Wahrscheinlichkeit für asthmaartige Attacken wesentlich senkte (Odds Ratio, 0,60; 0,65 und 0.75). Dieser Zusammenhang war allerdings nur für eine frühe Exposition während des ersten Lebensjahrs gegeben.

In einer kleineren Subgruppe mit 104 Kindern bestimmten die Forscher das im Staub enthaltene Mikrobiom. Sie stellten fest, dass ein bakterienreicher Staub mit einer hohen biologischen Vielfalt die Kinder vor der Entwicklung von Atopien schützte. Da Kinder, deren Wohnungsstaub reich an Bakterien und anderen Allergenen war, am seltensten unter Atopien und Atshmaanfällen litten, vermuten die Wissenschaftler synergistische Effekte zwischen der Allergen- und Bakterienexposition.

Die Wissenschaftler gehen auf Grund ihrer Ergebnisse davon aus, dass die Hygiene-Hypothese auch für Kinder im städtischen Bereich zutreffen könnte. Ob aus den Ergebnissen gezielte Interventionen abgeleitet werden können, müsse jedoch erst durch weitere Studien geklärt werden.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. August 2019
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoff​wechselkrankheiten (DGVS) sieht trotz einer jüngst in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte
Gastroenterologen kritisieren Studie zu Magensäureblockern und Allergien
5. August 2019
Mönchengladbach/Dortmund – Die gefährlichen haarigen Raupen des Eichenprozessionsspinners haben in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens mit der Verpuppung begonnen. In Mönchengladbach meldeten die
Nester von Eichenprozessionsspinnern weiter gefährlich
1. August 2019
Berlin – Wie und warum Nahrungsmittelallergien entstehen und warum sie in den Industrieländern zunehmen, untersucht eine neue klinische Forschungsgruppe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Forscher suchen Gründe für Zunahme von Nahrungsmittelallergien
31. Juli 2019
Wien – Kassenpatienten in Österreich, denen Magensäureblocker oder Schleimhautprotektiva verschrieben wurden, erhielten später doppelt so häufig wie andere Kassenpatienten Medikamente zur Behandlung
Magensäureblocker und Schleimhautprotektiva könnten Allergien begünstigen
23. Juli 2019
San Francisco – Ein bakterielles Lipid im Stuhl von Babys könnte auf eine Prädisposition für Allergien und Asthma hinweisen, wie US-Wissenschaftler in Nature Microbiology (2019; DOI
Untersuchung einer Stuhlprobe könnte Asthmarisiko bei Babys anzeigen
12. Juli 2019
Berlin – Wenn Musiker Hautprobleme haben, könnte das auch am Musikinstrument liegen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) Ärzte hin. Allergische
Musikinstrumente können allergische Hautprobleme verursachen
11. Juli 2019
Sydney – Die von Darmbakterien gebildete kurzkettige Fettsäure Acetat könnte Frauen vor der Entwicklung einer Präeklampsie schützen und sich günstig auf die Entwicklung des Immunsystems des
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER