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Medizin

Potenziell gefährliche Bradykardie unter Ivabradin

Donnerstag, 12. Juni 2014

München – Die Behandlung mit Ivabradin, das als Procoralan zur Behandlung der sta­bilen koronaren Herzkrankheit und der chronischen Herzinsuffizienz zugelassen ist, hat in einer aktuellen Studie bei Patienten mit symptomatischer Angina pectoris die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle oder nicht-tödlichen Herzinfarkte erhöht. Der Hersteller rät nach Abstimmung mit den Arzneibehörden, die Behandlung bei einem starken Abfall der Herzfrequenz oder einer symptomatischen Bradykardie zu beenden. Außerdem sollten die Dosierungen strikt beachtet werden.

Ivabradin hemmt den sogenannten Funny-Kanal im Sinusknoten. Dies hatte eine selektive Senkung der Herzfrequenz zur Folge, ohne dass die Kontraktionsfähigkeit des Herzmuskels beeinträchtigt wird. Die verlängerte Diastole steigert den Blutfluss in den Koronarien. Procoralan wurde zunächst zur Behandlung der stabilen koronaren Herzkrankheit (in Kombination oder bei Kontraindikation auf Betablocker) zugelassen.

In der BEAUTIFUL-Studie an 10.917 Patienten konnte der Hersteller zeigen, dass Ivabradin bei diesen Patienten die Rate von Herzinfarkten und Revaskularisierungen senkt – allerdings nur, wenn die Ruheherzfrequenz über 70 betragen hatte. Später erreichte der Hersteller eine Erweiterung der Zulassung auf Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Die SHIFT-Studie mit 6.505 Teilnehmern hatte ergeben, dass Ivabradin die Prognose der Patienten verbessert, die vor Studienbeginn eine Ruheherzfrequenz von über 70 hatten.

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Die aktuelle SIGNIFY-Studie hat an 19.000 Patienten untersucht, ob Ivabradin bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit, aber ohne Hinweis auf eine Herzin­suffizienz die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle oder nicht-tödlichen Myokardinfarkte senkt (primärer Endpunkt). Dabei wurde eine Erhaltungsdosis bis zu 10 mg zweimal täglich angestrebt, während die maximale Dosis in den anderen Studien bei 7,5 mg zweimal täglich lag.

In dieser Studie ist nun ein Sicherheitsproblem aufgetreten. Der primäre Endpunkt trat wider Erwarten unter Ivabradin häufiger auf als unter Placebo. In der Gesamtgruppe war der Unterschied nicht signifikant. Bei Patienten mit symptomatischer Angina pectoris CCS-Grad 2 oder höher stieg die jährliche Inzidenz von 2,86 Prozent im Placebo-Arm auf 3,37 Prozent. Dies ergibt eine Hazard Ratio von 1,18, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,03 bis 1,35 signifikant war.

Die Gründe für das Sicherheitsproblem sind offenbar noch nicht geklärt. Erste Daten weisen laut Hersteller jedoch darauf hin, dass „die ungünstigen kardiovaskulären Studienergebnisse hauptsächlich mit der Ziel-Herzfrequenz von unter 60 Schlägen pro Minute in Zusammenhang stehen könnten“. Als erste Vorsichtsmaßnahme werden die Ärzte aufgefordert, die Dosis zu senken, wenn es zu einem starken Abfall der Herzfre­quenz kommt oder die Patienten Bradykardie-assoziierte Symptome wahrnehmen. Die Therapie muss dann gegebenenfalls abgebrochen werden.

Die Ärzte werden außerdem aufgefordert, die empfohlene Startdosis von Ivabradin von 5 mg zweimal täglich und die Erhaltungsdosis von 7,5 mg zweimal täglich nicht zu über­schreiten. Die gleichzeitige Gabe von Ivabradin mit Herzfrequenz-reduzierenden Kalziumantagonisten wie Verapamil oder Diltiazem solle vermieden werden.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat aufgrund der Ergebnisse aus der SIGNIFY-Studie Ende Juni ein Risikobewertungsverfahren eingeleitet. © rme/aerzteblatt.de

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