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Medizin

Lichtschutzfaktoren mit Lücken: Wie UV-Strahlen Melanome auslösen

Donnerstag, 12. Juni 2014

dpa

Manchester – An der Entstehung von malignen Melanomen sind häufig die gleichen Mutationen beteiligt wie beim nicht-melanotischen Hautkrebs. Dies belegen tierex­perimentelle Studien in Nature (2014; doi: 10.1038/nature13298), in denen Lichtschutzfaktoren die Tiere nur teilweise schützten.

Der Einfluss der ungeschützten UV-Strahlung auf die Krebsentstehung ist beim malignen Melanom nicht so eindeutig wie bei Spinaliom oder Basaliom. Die US-Environmental Protection Agency bezweifelt sogar, dass Lichtschutzfaktoren vor dem schwarzen Hautkrebs schützen. Dysplastische Naevi, die wichtigste Vorläufer-Läsion des Melanoms und deshalb Ziel der Krebsvorsorge, finden sich häufig an Hautstellen, die gewöhnlich von der Kleidung bedeckt sind.

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Neuere Studien zeigen, das 80 Prozent der dysplastischen Naevi Mutationen im BRAF-Gen haben, das ein wichtiges Onkogen ist und Ansatzpunkt von neueren Krebsmedikamenten wie Vemurafenib, die erfolgreich beim Melanom eingesetzt werden. Mäuse mit der Mutation V600E im BRAF-Gen erkranken zu 70 Prozent an einem Melanom. Sie sind ein wichtiges Tiermodell der Erkrankung, an dem jetzt das Team um Richard Marais von der Universität Manchester den Einfluss von UV-Licht auf die Melanomentstehung untersucht hat.

Normalerweise erkranken die Tiere im Alter von 12,5 Monaten an einem Melanom. Wurde der rasierte Rücken mit UV-Licht bestrahlt, traten die Tumoren bereits im Alter von 7 Monaten auf, und ihre Anzahl wurde deutlich gesteigert. Die gleiche UV-Exposition löste bei normalen Mäusen niemals ein Melanom aus. Marais schließt daraus, dass UV-Licht nicht der Auslöser des Melanoms ist, deren Entwicklung jedoch deutlich beschleunigen kann.

Eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor (LSF 50) konnte die Melanom­genese verlangsamen, jedoch nicht völlig unterdrücken. Dies könnte erklären, warum auch Menschen, die regelmäßig Lichtschutzfaktoren auftragen, trotzdem an einem Melanom erkranken können. (Die Übertragbarkeit von tierexperimentellen Ergebnissen auf den Menschen ist allerdings begrenzt. Die krebspräventive Wirkung von Lichtschutz­faktoren müsste durch klinische Studien untersucht werden, was aufgrund der langen Latenzzeit unrealistisch ist. Epidemiologische Untersuchungen gelten als zweitbeste Lösung).

Die Studien von Marais liefern noch einen weiteren Hinweis für die Beteiligung von UV-Licht an der Pathogenese von Melanomen. Bei 6 von 15 Melanomen, die nach einer UV-Exposition gewachsen waren, entdeckten die Forscher Mutationen im Krebsgen Trp53, das als wesentliche Triebfeder für die Entwicklung von Spinaliom oder Basaliomen beim Menschen gilt.

Diese Mutationen wurden dagegen in keinem von 15 Melanomen gefunden, die bei den nicht UV-exponierten Tieren entstanden waren. Von 11 Melanomen bei mit Lichtschutz­faktor behandelten Tieren hatte nur eines Mutationen im Krebsgen Trp53. Dies spricht ebenfalls dafür, dass Lichtschutzfaktoren eine gewissen Prävention vor Melanomen ermöglichen, die aber nicht zuverlässig ist.

Viele Naevi entwickeln sich während der Kindheit und im Jugendalter. Es gibt epidemio­logische Hinweise, dass eine UV-Einstrahlung bei ihrer Entstehung eine Rolle spielen. Dermatologen raten deshalb, Kinder nicht ungeschützt der Sonnenstrahlung auszusetzen. Insbesondere wiederkehrende intensive UV-Expositionen, wie sie in Sommerurlauben vorkommen, sollen das Risiko an einem Melanom zu erkranken, erhöhen. Die Welt­gesund­heits­organi­sation rät Menschen unter 18 Jahren dringend vom Besuch von Sonnenstudios ab. © rme/aerzteblatt.de

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