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Bundesspycho­therapeutenkammer fordert umfangreiche Reform der psychothera­peutischen Versorgung

Freitag, 13. Juni 2014

Berlin – Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) stellte am Freitag ein neues Konzept einer differenzierten psychotherapeutischen Versorgung vor. Den unter­schiedlichen Bedarfen der Patienten könne die bisherige psychotherapeutische Versorgung nicht ausreichend gerecht werden. „Die Patienten brauchen eine differen­ziertere Versorgung. Psychotherapeuten benötigen hierfür mehr Flexibilität und größere Freiräume bei der Gestaltung ihrer Behandlungsangebote“, begründet Rainer Richter, Präsident der BPtK, die umfangreichen Forderungen.

Die BPtK schlägt in ihrem Konzept insbesondere vor:

  • Psychotherapeutische Sprechstunde: Einen einfachen und schnelleren Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung können eine psycho­thera­peutische Sprechstunde ermöglichen. Innerhalb dieser Sprechstunden soll eine orientierende Erstdiagnostik und, wenn möglich, eine erste Indikationsstellung für das weitere Vorgehen erfolgen. Durch die Sprechstunden könnten Psychothera­peuten für ihre Patienten eine Lotsenfunktion übernehmen und gemeinsam überlegen, welches Versorgungsangebot das passende ist. Sprechstunden sollten nach Vorstellung der BPtK von allen niedergelassenen Psychotherapeuten angeboten werden können, um möglichst vielen Patienten, auch in struktur­schwachen Regionen, schnell ein orientierendes Erstgespräch und eine Erstdiagnostik anbieten zu können.
  • Differenziertes ambulantes Leistungsangebot: Eine notwendige Ergänzung der psychotherapeutischen Sprechstunde sei ein differenziertes ambulantes Versorgungsangebot. Dazu gehörten beispielsweise eine geleitete Selbsthilfe und psychoedukative Gruppen. Patienten, die mit akuten Zuspitzungen ihrer Erkrankung rechnen müssen, benötigten darüber hinaus Kriseninterventionen als Teil des psychotherapeutischen Leistungsspektrums. Für andere Patienten, die nicht in der Lage sind, eine psychotherapeutische Praxis aufzusuchen, sei es entscheidend, dass der Psychotherapeut auch zu ihnen kommt. Durch eine aufsuchende Behandlung zu Hause,  im Krankenhaus oder im Pflegeheim werde die Versorgung dieser Patienten verbessert werden, so die BPtK.
  • Ambulante Versorgungsnetze: Patienten, die besonders schwer und anhaltend durch ihre psychische Erkrankung beeinträchtigt sind, brauchten ein multiprofessionelles ambulantes Versorgungsangebot, an dem Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegekräfte und Soziotherapeuten beteiligt sind. Solche Versorgungsnetze sollen insbesondere für Patienten ein Angebot sein, die nicht stationär versorgt werden müssten, wenn es eine ausreichend vernetzte ambulante Alternative gäbe. „Um solche Versorgungsnetze aufzubauen, werden Krankenhäuser und der ambulante Bereich bei Weitem intensiver und verbindlicher als derzeit zusammenarbeiten müssen“, erklärt BPtK-Präsident Richter.  Damit ein solches Versorgungsangebot entstehen kann, schlägt die BPtK die Einrichtung einer Expertenkommission vor, die unter Moderation durch das Bundesministerium für Gesundheit die Hemmnisse für eine sektorenverbindende Kooperation identifiziert und praktikable Lösungen für eine flächendeckende und qualitätsgesicherte Etablierung dieser Versorgungsangebote erarbeitet.
  • Entbürokratisierung und Flexibilisierung: Mit der Psychotherapie-Richtlinie stehe ein verlässliches psychotherapeutisches Angebot zur Verfügung, das für Patienten bei entsprechender Indikation auch eine intensivere und längere Behandlung ermöglicht. Notwendig sei darüber hinaus jedoch eine Überarbeitung des Gutachterverfahrens, eine flexiblere Kombination von Einzel- und Gruppentherapie, die Integration von Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe in die Richtlinie und eine Flexibilisierung der Behandlungskontingente für Patienten mit schweren chronischen Beeinträchtigungen.
  • Aufhebung der Befugniseinschränkung: Psychotherapeuten sollten nach Vorstellung der BPtK künftig zu einem Facharzt überweisen, in ein Krankenhaus einweisen, Heilmittel oder Rehabilitationsleistungen verordnen und arbeitsunfähig schreiben können. Voraussetzung dafür sei, dass den Psychotherapeuten diese Befugnisse im SGB V eingeräumt werden.
  • Kinder und Jugendliche: Für Kinder und Jugendliche seien spezifische Ausprägungen des Versorgungskonzepts notwendig. Im ambulanten Bereich gehe es um eine multimodale Versorgung in der Psychotherapeutenpraxis unter Einbeziehung sozialpädiatrischer Leistungen und um eine sehr enge Vernetzung mit der Jugendhilfe.
© pb/aerzteblatt.de
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