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Ärzteschaft

KBV-Chef wirft Krankenkassen mangelndes Augenmaß vor

Freitag, 13. Juni 2014

Berlin – Angesichts aktueller Meldungen über die im vergangenen Jahr rasant gestie­genen Osteopathie-Kosten hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) von den Krankenkassen mehr Augenmaß gefordert. „Es geht nicht darum, die Osteopathie schlecht zu reden, aber man muss hier schon die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen“, erklärte KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen. Medienberichten zufolge hatten sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Osteopathie 2013 binnen eines Jahres auf rund 110 Millionen Euro mehr als verdreifacht.

Gassen kritisierte, dass die Kostenträger bei Behandlung in den Praxen der niederge­lassenen Haus- und Fachärzte sowie der Psychotherapeuten „eine Flatrate-Mentalität“ pflegten, sich aber bei der Osteopathie „hoch spendabel“ zeigten. „Anstatt mit teuren Marketingmaßnahmen auf Mitgliederfang zu gehen, täten die Kassen gut daran, mit gleichem Eifer die finanzielle Ausstattung für die ambulante Versorgung ihrer 70 Millionen Versicherten zu stärken“, so der KBV-Chef. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 13. Juni 2014, 23:49

GKV-Kassen produzieren selbst Osteopathie-Kosten

Die Techniker-Krankenkasse (TK) als GKV-Kasse war es doch s e l b s t, die mit Kostenübernahme für Osteopathie als zusätzlicher Satzungsleistung, und damit mit 60 weiteren GKV-Kassen im Gefolge, geworben hatte. Dadurch und auch durch ihre Extra-Kostenerstattung für Natur-Heilmittel und -Verfahren (NHV) als weitere zusätzliche Satzungsleistung konnte die TK den bisherigen Branchen-Primus BARMER-GEK im Ersatzkassen-Ranking überflügeln.

Der Hund liegt allerdings darin begraben, dass die Osteopathie nach Auflistung des gültigen Sozialgesetzbuchs V (SGB V) ebenso wie andere alternativ-medizinische Naturheilverfahren und 'exotische' Heil- bzw. Hilfsmittel (Stichwort "Hippotherapie") eigentlich unter einem Verordnungs-A u s s c h l u s s stehen. Viele GKV-Kassen haben diese Leistungsbereiche jedoch als Marketing-Instrument für fragwürdige Satzungsleistungen entdeckt, sodass die Ausgaben allein für die alternative Heilbehandlung "Osteopathie" sich von 2012 auf 2013 mehr als verdreifacht haben: Von 34 Millionen auf 110 Millionen Euro.

Es liegt im Rahmen des w i l l k ü r l i c h e n Ermessens von GKV-Kassen mit Expansionsdrang, Privatverordnungen von Osteopathie-Behandlungen und anderen NHV als Kassenleistungen umzuwidmen. D a r i n liegt die eigentliche Brisanz: Satzungsleistungen degenerieren zu Instrumenten unlauteren Wettbewerbs. Denn eine qualitativ schlechtere osteopathische Behandlung ergibt sich allein daraus, dass im Massenandrang o h n e verbindliche Qualitätssicherung im Regelfall all jene als "Leistungserbringer" von den Kassen anerkannt werden, die eine beliebige osteopathische Ausbildung nachweisen konnten oder Mitglied in einem Fachverband sind. Das ist keine validierte Prozess- und Ergebnis-Qualität, wie sie von Krankenhäusern, Arztpraxen und MVZs gefordert werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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