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Medizin

Open Science: Hirnforscher veröffentlichen Datensatz zur Sprachverarbeitung

Freitag, 13. Juni 2014

Magdeburg – Einen radikalen Open-Source-Ansatz hat die Arbeitsgruppe um Michael Hanke von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zusammen mit Jörg Stadler vom Leibniz Institut für Neurobiologie beschritten: Noch vor der Auswertung und Publikation ihrer Daten veröffentlichten die Gruppe ihre vollständigen Rohdatensätze im Internet. Sie sind in der Erstausgabe des Fachmagazins Scientific Data erschienen (DOI: 10.1038/sdata.2014.3).

„Wir haben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Gelder bekommen, um Daten zu erheben. Jetzt sehen wir uns in der Pflicht, die Wertschöpfung aus den Untersuchungen für die Gesellschaft zu maximieren“, erklärte Hanke. Fachliche Anerkennung bekommen die Hirnforscher durch die Zitate in den Fachartikeln, die auf ihrem Rohdatensatz basieren.

Bei dem aktuell veröffentlichten Magdeburger Datensatz geht es um die Verarbeitung von akustischen Reizen. In der Studie hörten sich Versuchspersonen eine Hörfilmversion des Klassikers „Forrest Gump“ an, während mittels funktioneller Magnetresonanz­tomographie (fMRT) ihre Hirnaktivität bei der Verarbeitung von Sprache, Musik, Emotionen, Erinnerungen und bildlicher Vorstellungen gemessen wurde.

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„Der Datensatz spiegelt damit nicht nur eine isolierte Hirnfunktion wider, sondern reflektiert die tatsächliche Komplexität des Informationsstroms bei alltäglichen Hörerfahrungen“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. Neben den gesamten fMRT-Daten stellen die Wissenschaftler anatomische Beschreibungen der Gehirne aller Versuchs­teilnehmer zur Verfügung, ebenso wie Messwerte über Atmung und Herzschlag. Sie zeigen an welchen Stellen des Films der Zuhörer aufgeregter oder entspannter war.

Das Deutsch-US-amerikanische Kooperationsprojekt „Entwicklung allgemeingültiger, hoch-dimensionaler Modelle neuronaler Repräsentationsräume“ ist ein internationales Forschungsvorhaben, an dem Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, dem Dartmouth College (USA) und der Princeton University (USA) beteiligt sind. Es ist Teil des Nationalen Bernstein Netzwerkes Computational Neuroscience. © hil/aerzteblatt.de

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