NewsMedizinStudie: Fleischwaren begünstigen Herzversagen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Fleischwaren begünstigen Herzversagen

Freitag, 13. Juni 2014

dpa

Stockholm – Die Fleischwaren bei der Herstellung zugesetzten Salze, Nitrate, Phosphate und anderen Konservierungsstoffe sowie die beim Räuchern entstehenden aroma­tischen Kohlenwasserstoffe stehen im Verdacht, die Gesundheit zu schädigen. Eine Studie in Circulation Heart Failure (2014 doi: 10.1161/​CIRCHEARTFAILURE.113.000921) zeigt jetzt erstmals, dass der Konsum von Fleischwaren mit einer erhöhten Rate von Herzinsuffizienzen assoziiert ist.

Im Spätherbst 1997 hatten alle Männer zwischen 45 und 79 Jahren der schwedischen Provinzen Västmanland und Örebro einen ausführlichen Fragebogen zu ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten erhalten. Fast 50.000 schickten ihn zurück. Sie gaben unter anderem Auskunft über ihren Verzehr von Bratwürsten, Salami, Blut- und Leberwurst und andere Fleischwaren von Schwein und Rind, die aufgrund ihrer Farbe als „rotes“ Fleisch bezeichnet werden, um sie von Geflügelwaren abzugrenzen.

Anzeige

Um die Fleischwaren schmackhafter und haltbar zu machen, versetzen sie die Schlachter und Fleischfabriken mit einer Reihe von Stoffen, deren Auswirkungen auf die Gesundheit umstritten sind. Ein hoher Salzkonsum könnte den Blutdruck erhöhen. Nitrite, die im Darm aus den Nitraten entstehen, werden mit einer endothelialen Dysfunktion und einer gestörten Insulinwirkung in Verbindung gebracht. Phosphate können den Kalzium-Stoffwechsel stören. In der Summe könnte dies zu einer erhöhten Rate von Herzkrank­heiten führen, an deren Ende eine Herzinsuffizienz steht.

Ein Team um die Epidemiologin Alicja Wolk vom Karolinska Institut in Stockholm hat die Angaben der „Cohort of Swedish Men“ in den Fragebögen jetzt mit dem Schwedischen Patientenregister und dem Sterberegister des Landes in Beziehung gesetzt und dabei entdeckt, dass ein hoher Konsum von Fleischwaren tatsächlich mit einer erhöhten Rate von Herzinsuffizienzdiagnosen und -todesfällen  assoziiert war.

Männer, die mehr als 75 Gramm „roter“ Fleischwaren am Tag verzehrten, hatten ein um 28 Prozent erhöhtes Risiko auf ein Herzversagen (Hazard Ratio 1,28; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10-1,48). Das Sterberisiko an Herzinsuffizienz war sogar mehr als verdoppelt (Hazard Ratio 2,43; 1,52-3,88). Bereits ein bis zwei Scheiben Schinken (50 Gramm) am Tag steigern auf Dauer das Erkrankungsrisiko um 8 Prozent und das Sterberisiko um 38 Prozent.

Wie immer in Studien dieser Art lässt sich nicht ausschließen, dass andere Faktoren für die Assoziation verantwortlich sind. So könnten Fleischesser aus irgendeinem Grund weniger Sport treiben oder andere kardiale Risikofaktoren haben, die in der Studie nicht erfragt wurden.

Zu den Schwächen der Studie gehört auch, dass sie die etwaige Ein­nahme von Medikamenten nicht berücksichtigen konnte und die Anzahl der Fragen zum Fleischkonsum in dem 96-Punkte-Fragenbogen insgesamt gering war. Sollte die Assoziation jedoch kausaler Natur sein, dann könnte ein Wechsel auf nicht-verarbeitete Fleischwaren helfen. Ihr Verzehr war in der Studie weder mit einer erhöhten Rate von Erkrankungen noch mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #665285
Vakuum
am Sonntag, 15. Juni 2014, 15:57

Irreführendes Bild

Sehr unpassendes Bild, hinsichtlich dem Resultat, dass unverarbeitetes Fleisch nicht mit Herzinsuffizienz assoziiert ist. Die abgebildeten Rindfleisch (?) Stücke sind also absolut unproblematisch.
LNS

Nachrichten zum Thema

16. September 2020
Liverpool – Bei den meisten Menschen können epileptische Anfälle durch ein oder mehrere Antiepileptika kontrolliert werden. Für Menschen, die weiterhin Anfälle haben, also unter einer
Ketogene Diät mögliche aber unsichere Therapieoption bei medikamentenresistenter Epilepsie
15. September 2020
Freiburg/Berlin – Eine Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel könnte sich möglicherweise positiv auf die Ernährungsweise der Menschen auswirken. Allerdings ist die Datenlage dazu schwach. Zu
Cochrane: Nutzen einer Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel unklar
11. September 2020
Berlin – Die gestern erstmals in Deutschland bei einem Wildschwein festgestellte Afrikanische Schweinepest (ASP) stellt für den Menschen keine Gesundheitsgefahr dar. Darauf hat das Bundesinstitut für
Keine Gefahr für Menschen durch Afrikanische Schweinepest
10. September 2020
Berlin – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Die Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen bestätigt, wie
Afrikanische Schweinepest in Deutschland angekommen
1. September 2020
Berlin – Wer sich vegan ernährt, hat ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hin, die jetzt im Deutschen
Vegane Ernährung erhöht Risiko für einen Jodmangel
25. August 2020
Frankfurt am Main – Der Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr gestiegen und erreichte im Jahr 2019 einen
Nahrungsergänzungsmittel immer beliebter
21. August 2020
Berlin – Ein kostenfreies hochwertiges Essen in Kitas und Schulen, eine Extrasteuer auf zuckerhaltige Getränke und Einschränkungen bei Lebensmittelwerbung, die an Kinder gerichtet ist. Diese Schritte
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER