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Politik

2013 erstmals seit langem weniger Fehltage durch psychische Erkrankungen

Dienstag, 17. Juni 2014

dpa

Berlin – Im Jahr 2013 wurden zum ersten Mal seit sieben Jahren weniger Menschen aufgrund einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben als im Vorjahr. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2014 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Möglicherweise ist damit ein seit 2006 beobachteter Trend mit stetig zunehmenden Fehlzeiten aufgrund psychischer Störungen gestoppt“, heißt es dazu in dem Report. Mit 2,5 Fehltagen je Erwerbsperson stagnierten die Fehlzeiten jedoch auf einem inakzeptabel hohen Niveau, betonte der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas.

Im vergangenen Jahr stieg der Krankenstand auf durchschnittlich 14,7 Fehltage an. Dies sei der höchste Krankenstand, seit die TK vor 14 Jahren erstmals die Fehltage ihrer Versicherten untersucht habe, sagte Baas. Grund dafür sei allerdings die große Erkältungs­­welle im Februar des Jahres gewesen. 

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Die Hauptursachen für Krankschreibungen waren im vergangenen Jahr akute Infektionen (93 Fehltage je 100 Versicherte), depressive Episoden (78 Fehltage), Rückenschmerzen (76 Fehltage), Belastungs- und Anpassungsstörungen (43 Fehltage), Bandscheiben­schäden (29 Fehltage), rezidivierende Depressionen (26 Fehltage), akute Bronchitis (25 Fehltage), Diarrhoe und Gastroenteritis (23 Fehltage), nicht-akute oder -chronische Bronchitis (23 Fehltage) und neurotische Störungen (22 Fehltage).

Mehr Rückenschmerzen im Norden und Osten
Ihren Schwerpunkt legte die TK in diesem Jahr auf Rückenbeschwerden. „Rücken­schmerzen sind keine Krankheit, sondern ein Symptom, hinter dem sich eine Menge verbergen kann“, sagte Baas. Durch Rückenleiden seien im Jahr 2013 40 Millionen Fehltage verursacht worden. Zudem dauere eine Krankschreibung infolge von Rückenbeschwerden im Durchschnitt 17,5 Tage und damit fünf Tage länger als eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit.

Thomas Grobe vom AQUA-Institut, einer der Autoren des Reports, erklärte, Rücken­leiden seien im Norden Deutschlands verbreiteter als im Süden und im Osten verbrei­teter als im Westen. Ein Grund dafür seien die Berufe, die die Menschen in den jeweiligen Regionen ausübten. Personen mit körperlich belastenden Tätigkeiten seien dabei erheblich häufiger von Arbeitsunfähigkeit infolge von Rückenbeschwerden betroffen als andere, so Grobe. Dazu gehörten Berufe in der Ver- und Entsorgung, im Tiefbau oder in der Altenpflege.

„Oft sind Rückenbeschwerden nicht monokausal“, erklärte Baas. „Wir sehen einen Zusammenhang zwischen Stress, psychischen Erkrankungen und Rückenleiden.“ Um betroffenen Patienten zu helfen, biete die TK ihren Versicherten an, nach einer entsprechenden Diagnose eine Zweitmeinung einzuholen.

Zu viele Operationen
Oft werde gegen die Leitlinien der Fachgesellschaften verstoßen, in den ersten vier bis sechs Wochen noch keine Röntgendiagnostik oder Computertomografie bei Patienten mit Rückenbeschwerden anzuwenden, sagte der Schmerzmediziner Thomas Nolte, der für die TK Zweitmeinungen vornimmt. Durch die Bildgebung werde manchmal ein Band­schei­benvorfall diagnostiziert, obwohl der Patient eigentlich unter muskulären Schmerzen leide. „Diese können aber mit einer Röntgendiagnostik nicht abgebildet werden“, so Nolte. Die Diagnose eines vermeintlichen Bandscheibenvorfalls münde viel zu oft in einer Operation. In 80 Prozent der Fälle, in denen sie eine Zweitmeinung angeboten hätten, hätten sie den Patienten empfohlen, sich nicht operieren zu lassen.

Erst wenn die Rückenbeschwerden nach sechs Wochen noch nicht besser geworden seien, kümmere sich ein Team – bestehend aus einem Schmerztherapeuten, einem Physiotherapeuten und einem Psychologen – um den Patienten. „Viele haben bereits unterschiedliche Ärzte gesehen, die ihnen unterschiedliche Einschätzungen gegeben haben. Das führt zu Konfusion“, meinte Nolte. „Wir sprechen mit einer Stimme.“ Nach acht Wochen seien 84 Prozent der Patienten wieder schmerzfrei oder deutlich schmerz­gelindert und könnten wieder in den Alltag zurückkehren.

Natürlich freue sich die TK, wenn sie Geld spare, weil sich die Patienten nicht operieren ließen und dadurch keine Krankenhauskosten entständen, sagte Baas. Da die Evalu­ation des Zweitmeinungsverfahrens noch nicht abgeschlossen sei, könne er jedoch noch keine Zahlen nennen. „Aber selbst, wenn wir nicht sparen würden“, so Baas, „wäre es Aufgabe einer Krankenkasse die Kosten für eine Methode zu übernehmen, die den Patienten hilft.“ © fos/aerzteblatt.de

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