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Medizin

Hypoallergene Babynahrung kann Typ 1-Diabetes nicht verhindern

Mittwoch, 18. Juni 2014

dpa

Helsinki – Der Versuch, einem Typ 1-Diabetes durch eine hypoallergene Säuglings­nahrung vorzubeugen, ist in einer großen internationalen Studie (vorerst) gescheitert. Die Publikation im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 311: 2279-2287) zeigt, dass die Entwicklung von Autoantikörpern in den ersten Lebensjahren nicht verhindert werden konnte.

Der Typ 1-Diabetes manifestiert sich meistens im Schulalter, die Weichen der Auto­immunerkrankung werden nach heutigem Kenntnisstand jedoch bereits in den ersten Lebensjahren gestellt. Warum es bei machen Kindern zur Bildung von Autoantikörpern kommt, die schließlich die Beta-Zellen im Pankreas zerstören, ist unklar. Einige Forscher vermuten jedoch, dass die kurzen Stillzeiten und die frühe Exposition mit komplexen Proteinen ein Grund sind, warum der Typ 1-Diabetes in westlichen Ländern immer häufiger wird.

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Die höchste Inzidenz des Typ 1-Diabetes hat heute Finnland. Dort starteten Mikeal Knip von der Universität Helsinki und Mitarbeiter 1995 eine randomisierte klinische Studie, in der Kinder mit einem erhöhten genetischen Risiko nach dem Abstillen über 2 Monate entweder mit einer konventionellen kuhmilchbasierten Säuglingsnahrung oder einer hypoallergenen Säuglingsnahrung gefüttert wurden. Verwendet wurde das Produkt eines US-Herstellers mit 20 Prozent hydrolysiertem Casein.

Die 2010 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse der „Preven­tion Study for Type 1 Diabetes in Children at Risk“ oder TRIGR-Pilotstudie lösten bei vielen Diabetologen große Hoffnungen aus. Die Zahl der Kinder, die bis zum zehnten Lebensjahr zwei oder mehr Autoantikörper entwickelten, wurde durch die hypoallergene Babynahrung in etwa halbiert. Die Hazard Ratio war allerdings nach Berücksichtigung des Beginns und der Dauer der Fütterung nicht mehr signifikant.

Inzwischen haben Diabetologen in anderen Ländern die Idee aufgegriffen. Seit 2002 betei­­ligten sich weitere Länder an der zunächst rein finnischen TRIGR-Studie. Am Ende konnten an 78 Zentren in 15 Ländern (darunter Deutschland) mehr als 2.000 Kinder auf die beiden Studienarme randomisiert werden. Alle hatten wenigstens einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an einem Typ 1-Diabetes erkrankt war, was die Wahr­scheinlichkeit erhöht, dass es beim Kind in den ersten Lebensjahren zur Entwicklung von Autoantikörpern und später zum Typ 1-Diabetes kommt.

Inzwischen sind die Kinder im Durchschnitt 7 Jahre alt. Überraschenderweise wurden die Ergebnisse der finnischen Pilotstudie nicht bestätigt. Der Anteil der Kinder mit zwei oder mehr Autoantikörpern war nach der Fütterung mit der hypoallergenen Babynahrung mit 13,4 Prozent sogar höher als in der Kontrollgruppe mit 11,3 Prozent, wo die Säuglinge normale Kost erhielten.

Wenigstens ein Autoantikörper wurde bei 41,6 Prozent nach hypoallergener Nahrung gegenüber 40 Prozent nach Normalkost gefunden. Auch nach der Berücksichtigung von HLA-Risiko, Stilldauer, Vitamin D-Verwendung, Dauer und Menge der Ersatznahrung sowie der Region blieb es bei einer Hazard Ratio von 1,23. Sie verfehlte bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,96 bis 1,58 nur knapp das Signifikanzniveau (was dann auf eine schädliche Wirkung der hypoallergenen Babynahrung hingedeutet hätte).

Die Gründe für die starken Unterschiede zwischen der Pilotstudie und der internationalen Studie sind völlig unklar. Der höhere Anteil von diabetischen Vätern (die den Diabetes doppelt so häufig auf die Kinder vererben wie die Mütter mit Typ 1-Diabetes) kommt nicht infrage. Auch unter den finnischen Studienteilnehmern, deren Anzahl sich seit der letzten Publikation fast verdoppelt hat, war in der aktuellen Studie kein Vorteil durch die hypoallergene Nahrung erkennbar.

Knip hofft jetzt auf die Endergebnisse, die für 2017 erwartet werden. Dann werden auch Zahlen zu den tatsächlichen Diabeteserkrankungen vorliegen. Derzeit könne, so Knip, nicht zu einer hypoallergenen Babynahrung geraten werden. © rme/aerzteblatt.de

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