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Medizin

Antiepileptika: Stillen könnte intra-uterine Schäden lindern

Mittwoch, 18. Juni 2014

dpa

Stanford – Das Stillen des Säuglings kann möglicherweise die kognitiven Schäden, zu denen es durch eine intra-uterine Exposition durch Antiepileptika gekommen ist, abschwächen. Darauf deutet eine in JAMA Pediatrics (2014; doi: 10.1001/jamapediatrics.2014.118) publizierte Studie hin.

Einige zur Anfallsprophylaxe eingesetzte Antiepileptika sind teratogen. Im Tierversuch führen sie ähnlich wie Alkohol zum Absterben von Hirnzellen beim Feten. Nach der Geburt wird den Müttern in der Regel geraten, die Kinder abzustillen und mit Baby­nahrung zu füttern. Dies soll eine weitere Schädigung des Säuglings verhindern, da die Wirkstoffe auch in der Muttermilch enthalten sind und oral von den Kindern aufge­nommen würden.

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Diese Bedenken scheinen nach den Ergebnissen von Kimford Meador von der Stanford Universität in Kalifornien und Mitarbeitern unbegründet zu sein. Das Team konnte 181 Kinder nachuntersuchen, die intra-uterin mit Antiepileptika exponiert waren. Weniger als die Hälfte der Mütter hatte ihre Kinder nach der Geburt über durchschnittlich 7,2 Monate gestillt. Im Alter von sechs Jahren wurde die kognitive Entwicklung der Kinder untersucht.

Zu ihrer Überraschung stellten die Forscher fest, dass die gestillten Kinder einen um 4 Punkte höheren Intelligenzquotienten hatten als die ungestillten. Bei Valproat, das eine besonders starke teratogene Wirkung hat, betrugen die Unterschiede sogar 12 Punkte. Bei Lamitrogen waren es 3 Punkte, während die Unterschiede bei Carbamazepin (plus 2 Punkte) und bei Phenytoin (minus 4 Punkte) nicht signifikant waren.

Es könnte deshalb sein, dass die günstige Wirkung durch das Stillen einen Teil der teratogenen Schädigung durch die Antiepileptika wieder aufhebt. Vor allem die verbalen Fähigkeiten scheinen sich zu verbessern. Aufgrund der geringen Fallzahlen ist laut Meador keine abschließende Bewertung möglich.

Es könne aber den Müttern zum Stillen geraten werden. Dieser Ratschlag gilt jedoch nur für Mütter, deren Kinder intra-uterin exponiert waren, nicht aber für Frauen, die während der Schwangerschaft die Medikamente abgesetzt und die Therapie nach der Geburt wieder aufgenommen haben.

© rme/aerzteblatt.de

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