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Medizin

Studie sieht Überlebensvorteile durch Mammographie

Mittwoch, 18. Juni 2014

dpa

Trondheim – Die Einführung der Mammographie hat in Norwegen die Mortalitätsrate am Mammakarzinom um 28 Prozent gesenkt. Die Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt BMJ (2014; doi: 10.1136/bmj.g3701) zeigt, dass die Mammographie auch vor dem Hintergrund einer verbesserten Krebstherapie effektiv sein kann, was Kritiker aber nicht überzeugen wird.

Die meisten randomisierten Studien zur Effektivität der Brustkrebsfrüherkennung mit der Mammographie wurden in den 1970er und 1980er Jahren durchgeführt und damit vor Einführung der multimodalen adjuvanten Therapie, die die Behandlungsergebnisse beim Brustkrebs deutlich verbessert hat.

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Damals senkte das Screening die Brustkrebssterblichkeit um etwa 25 Prozent, wie die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) 2001 in einem Handbuch konstatierte. Diese Bewertung wurde später infrage gestellt. Die Methodik der damaligen Studien entspreche nicht den heutigen Standards, lautet ein Einwand. Außerdem hätten Frauen dank der verbesserten Behandlungsergebnisse heute auch ohne Mammographie gute Chancen, einen Brustkrebs zu überleben. Unumstritten ist allerdings, dass die Überlebens­rate umso besser ist, je früher der Tumor diagnostiziert wird. Bei einem durch das Screening entdeckten Mammafrühkarzinom liegt sie bei etwa 90 Prozent.

Mangels aktueller Daten aus randomisierten Studien hat Harald Weedon-Fekjær von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim die Auswir­kungen der Mammographie in einer Beobachtungsstudie untersucht. Norwegen lieferte für diese Untersuchung ideale Voraussetzungen, da die Datenerfassung aufgrund der persönlichen Identifikationsnummer in verschiedenen Registern leicht und umfassend möglich ist. Die Meldung zum Krebsregister des Landes ist obligatorisch.

Norwegen hat die Mammographie in den Jahren 1995 bis 2005 nach und nach in den 19 Bezirken des Landes eingeführt. Weedon-Fekjær analysierte den Zeitraum von 1986 bis 2009. Das ermöglichte einen Vergleich der Mortalitätsrate vor und nach Einführung des Mammographie-Screenings. In Norwegen erhalten alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung. Die Brustkrebssterblichkeit liegt laut Weedon-Fekjær bei Frauen, die Einladungen zur Mammographie erhalten haben, bei 48,8 Todesfällen auf 100.000 Frauen. Bei Frauen, die keine Einladungen erhalten hatten, kam es zu 70,4 Todesfällen am Mammakarzinom auf 100.000 Frauen.

Weedon-Fekjær ermittelt hieraus einen relativen Rückgang der Mortalitätsrate um 28 Prozent (Rate Ratio 0,72; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,64-0,79). Seine adjustierte Analyse berücksichtigt mögliche Verzerrungen, die sich durch Unterschiede in Alter, Geburtsjahrgang, zeitlichem Mortalitätstrend in Norwegen und Herkunftsregion zwischen eingeladenen und nicht eingeladenen Frauen ergeben können. In einer weiteren Computersimulation errechnet Weedon-Fekjær, dass 368 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening erhalten müssen, um einen Todesfall an Brustkrebs zu verhindern.

Da nur 76 Prozent der Frauen die Einladungen angenommen haben, ist der Effekt bei den Frauen, die tatsächlich an der Mammographie teilnahmen, vermutlich größer. Weedon-Fekjær schätzt, dass die Brustkrebssterblichkeit um 37 Prozent (0,28/0,76) sinkt. Die Number Needed to Screen würde nur (368×0,76=) 280 betragen.

Kritiker werden diese Zahlen vermutlich nicht überzeugen. Diese betrachten die Brust­krebs­sterblichkeit nicht isoliert, sondern im Rahmen der Gesamtsterblichkeit. Nikola Biller-Andorno vom Swiss Medical Board, einem regierungsunabhängigen Think Tank aus der Schweiz, beschrieb kürzlich im New England Journal of Medicine (2014; 370: 1965-1967) die Lebensperspektive einer 50-jährigen Frau, die erstmals eine Einladung zur Mammographie erhalten hat, folgendermaßen: Ohne Screening sterben 5 von 1.000 Frauen innerhalb der nächsten zehn Jahre an Brustkrebs. Wenn sie alle zwei Jahre am Screening teilnehmen, sind es 20 Prozent weniger, also 4 von 1.000 Frauen. Gleichzeitig sterben etwa 40 Frauen aus anderen Ursachen.

Vor diesem Hintergrund ist die Schutzwirkung der Mammographie gering. Hinzu kommt die Sorge, dass die Mammographie zur Diagnose eines Mammakarzinoms führt, das ohne Diagnose niemals entdeckt worden wäre, weil es sich spontan zurückgebildet hätte. Der Anteil der Überdiagnosen wird derzeit auf etwa 20 Prozent aller bei Mammographien entdeckten Tumore geschätzt. © rme/aerzteblatt.de

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